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Interview mit Pfarrer Volker Hendricks: Auferstehung: Was junge Leute denken

Interview mit Pfarrer Volker Hendricks : Auferstehung: Was junge Leute denken

Glauben Jugendliche an die Auferstehung oder eher an die Seelenwanderung oder überhaupt nicht? Wir sprachen mit Pfarrer Volker Hendricks und seinen Konfirmanden über das Herzstück des christlichen Glaubens.

Es gibt Umfragen, wonach nicht wenige Pfarrer nicht an die Auferstehung glauben, sondern den Begriff eher als Metapher für politischen oder sonstigen innerweltlichen Fortschritt nehmen. Ist die Botschaft von der Auferstehung in der Kirche umstritten? Hendricks Sicher nicht. Aber es genügt ja auch nicht, bloß zu sagen: "Jesus ist auferstanden!" Man muss auch sagen können: Was bedeutet das für uns? Denn alles, was Jesus getan und gelitten hat, war vor allem darin wichtig, was es für uns bedeutet. Bloß das Grab leer zu finden, hat noch keinen Glauben bewirkt, sondern ganz normal: Verwirrung. Was soll das? Erst als die Jünger dem auferstandenen Jesus begegnen, da ersteht auch der abgestorbene und zerstörte Glaube auf. Das Beeindruckendste ist ja der Osterjubel: "Christus ist auferstanden!" Das ist keine Mitteilung, sondern ein Jubelruf. Und alle Osterlieder singen deshalb vom Sieg über den Tod und von der großen Freude, dass Gott nun untrennbar für uns ist.

Sind Jugendliche Ihrer Erfahrung nach für die Botschaft der Auferstehung offen?

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Hendricks Wie die Erwachsenen fragen sie: "Wie geht denn so was?" Das kann ich leider auch nicht beantworten. Es gibt übrigens in der Bibel keinen Augenzeugenbericht von dem Vorgang, wie Jesus auferstanden ist. Da konnte keiner zuschauen. Das bleibt Geheimnis. Genau so übrigens, wie Gott es gemacht hat, aus Nichts die Welt zu erschaffen. Das geht ja auch nicht. Trotzdem glauben wir Christen: Gott ist der Schöpfer — und nicht nur der Weiter-Bearbeiter der Welt. Jugendliche sind aber sehr interessiert daran, wenn man mit ihnen überlegt: Wie konnte es eigentlich passieren, dass aus den verzweifelten Jüngern auf einmal so mutige, fröhliche und zuversichtliche Leute wurden — die dann so eine enorme Mission angefangen haben? Da muss etwas mit ihnen passiert sein. Davon können wir bis heute etwas spüren, wenn wir mit dem lebendigen Jesus Christus in Kontakt kommen. Dazu braucht man aber einfach auch mal Stille, Offenheit, Hören auf eine Geschichte, manchmal nur einen Satz.

Neigen Jugendliche dazu, eher an die Wiedergeburt als an die Auferstehung zu glauben?

Hendricks Auch das ist keine Spezialität von Jugendlichen. Das begegnet mir vielleicht sogar noch stärker bei Erwachsenen. Aber die Konsequenzen möchten dann nur die wenigsten daraus ziehen. Es bedeutet nämlich: Du musst dich ganz enorm anstrengen, damit du im nächsten Leben als etwas "Höheres" wiedergeboren wirst. Und das Eigentliche an Dir ist die Seele. Der Körper ist Beiwerk, Gehäuse. Das hat die Kirche leider auch lange gelehrt — durch den Einfluss von Platon und andern. Es entspricht aber nicht der Bibel. Da ist der Mensch eine Einheit von Körper, Geist und Seele — etwas, was die Medizin auch wieder entdeckt hat.

Gehört der Glaube an die Auferstehung zum innersten Kern des Christentums oder ist er verzichtbar?

Hendricks Ganz klar: Ja, unverzichtbar. Ohne Auferweckung ist Christus mit seiner Mission am Kreuz gescheitert. Die Jünger haben das sogar als eine Art Gottesurteil verstanden: Den Heiland hätte Gott nicht so untergehen und sterben lassen. Deshalb waren sie zunächst auch so verzweifelt und entmutigt. Durch die Auferweckung hat Gott den Gescheiterten zum Sieger gemacht. So erst wurde das Kreuz zum Zeichen des Mitleidens Gottes mit uns und zugleich zum Zeichen des Sieges über den Tod. Das gibt uns die Kraft, für eine bessere, gerechtere Welt einzutreten und Menschen auch im Sterben Mut zu machen.

Vielleicht eine Frage an Sie: Wie stellen Sie sich die Auferstehung vor?

Hendricks Wenn Sie die Auferstehung Jesu meinen: am besten gar nicht. Jesus ist in ein ganz anderes, neues Leben hinein auferstanden. Gott hat ihn in sein Leben hineingezogen. Jesus hat wieder Anteil am herrlichen Dasein Gottes — und ist zugleich ganz für uns da. Für unsere Hoffnung auf Auferstehung greift die Bibel auf Bilder zurück: den neuen Himmel und die neue Erde, das neue, himmlische Jerusalem. Denn die Hoffnung, die Gott uns gibt, ist ja keine leiblose Seelenseligkeit auf Wolke Sieben — wie der Münchner im Himmel: Harfe spielend und ewig Halleluja singend. Sondern es ist: Neuschöpfung des Kosmos. Das ist eine ganz weite, universale Hoffnung. Und in der Mitte: Gott selbst in seiner liebevollen Lebendigkeit. Und da werden wir in einer neuen, tiefen Verbundenheit mit allen Menschen und Geschöpfen ein ganz neues Leben haben. Deshalb sagt Paulus: Es gibt irdisch nur eines, das bleibt: Das ist die Dreiheit von Glaube-Hoffnung-Liebe. Und die Liebe ist die größte dabei, weil sie als einzige den Vorschein des Kommenden, der Auferstehungswelt hat.

Jens Voss führte das Gespräch