Artenschutz am Egelsberg: Referenten zeigen Chancen und Probleme auf.

Naturschutzgebiet nahe Krefeld : Erfolgreicher Artenschutz am Egelsberg

Bei der Artenschutzexkursion auf dem Egelsberg reden die Referenten über extensive Landwirtschaft, die Erfolgsgeschichte des Naturschutzgebietes und Herausforderungen für die Zukunft.

40 Personen stehen um Johann Heller-Steinbach herum. Der ehemalige Verantwortliche für das Naturschutzgebiet Egelsberg bei der unteren Naturschutzbehörde erzählt vieles rund um das Gebiet mit bewegter Vergangenheit. Es handelt sich um eine eiszeitliche Endmoräne, also einen großen Erdhaufen, der von Gletschern vor sich her geschoben und aufgehäuft wurde. „Bis ins Mittelalter hinein war hier alles bewaldet. Erst dann setzten intensive Weidewirtschaft, die noch heute an den Bäumen zu sehen ist und teilweise Ackerbau ein“, erläutert er.

Egelsberg war fast immer in militärischer Hand

Rund 40 Zuhörer lauschen den Vorträgen über den Artenschutz am Egelsberg. Auf unserem Foto spricht EU-Abgeordneter Martin Häusling. Foto: Sven Schalljo

Dann berichtet der Fachmann über eine spätere Verwendung als Truppenübungsplatz. Fast durchgehend seit dem ersten Weltkrieg war der Egelsberg in militärischer Hand, wurde in den frühen 90ern als Naturschutzgebiet ausgewiesen und befindet sich seit 2003 ganz im Zeichen dessen. Die Militärische Nutzung wurde zu diesem Zeitpunkt auch offiziell beendet. Heller-Steinbach spricht über die Arten, die sich zwischenzeitlich dort ansiedeln. Das geht von Vögeln und Kleinsäuger über Insekten bis hin zu Ackerwildkräutern. Speziell letztere versuchen die Naturschützer, seit einiger Zeit aktiv anzusiedeln. Das erklärten sie auch im Nachgang in mehreren Präsentationen auf dem Hof Schulte-Bockholt.

Dort erläutert auch Martin Sorg vom Etomologischen Verein einmal mehr die Ergebnisse der lang angelegten Studie, die bereits in der Vergangenheit für große Aufregung und Kontroverse sorgte. Er stellt die kritische Situation für viele Insektenpopulationen dar und formuliert klare Forderungen. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln müsse gerade rund um Schutzgebiete stark eingeschränkt werden. Faktisch ist er oft sogar innerhalb der Gebiete zwar formal nicht erlaubt, Verstöße aber bleiben ohne Sanktion. Außerdem müsse dafür gesorgt werden, dass einzelne Schutzzonen zu einem großen Netz verbunden würden und ein Austausch von Überpopulationen stattfinden könne.

Landwirtschaft sei, das ist der Tenor aller Redner bei Exkursion und Vortrag, dabei nicht per se schlecht. „Viele Ackerwildkräuter brauchen sogar die Umgebung eines Ackers. Ihre Durchsetzungskraft ist auf einer wilden Wiese nicht groß genug“, erläutert beispielsweise Patrick Lind von der Flächenagentur Rheinland. Diese ist ein Bindeglied zwischen Naturschutz und Landwirtschaft. Am Egelsberg beispielsweise wird extensive Landwirtschaft betrieben. Dabei sind die Erträge naturgemäß wesentlich geringer, als bei der intensiven Variante. Doppelter Kornreihenabstand, kein Kunstdünger und kein Pestizideinsatz, das sorgt dafür, dass Landwirt Hermann-Josef Plückers nur etwa fünf bis zehn Zentner Getreide pro Morgen Land erntet. Bei industrieller Landwirtschaft liegen die Erträge im Bereich von 30 Zentnern.

Der Aufwand lohnt sich

Trotzdem, der Aufwand lohnt sich, denn diese Flächen bieten vielen Arten einen Lebensraum, die andernfalls drohen, gänzlich zu verschwinden. Die Feldlerche beispielsweise zählt eigentlich zu einer der häufigsten Vogelarten in ganz Europa. Doch intensive Landwirtschaft und Bejagung ließen die Bestände in manchen Gebieten um bis zu 90 Prozent einbrechen. In Deutschland steht sie auf der roten Liste. „Ein konventionelles Feld ist für die Tiere wie ein Meer. Sie finden keine Einflugschneisen. Bei doppeltem Kornreihenabstand können sie landen und ihre Nester (Feldlerchen sind Bodenbrüter) bauen. Sonst bleiben nur die Reifenspuren der Traktoren zum Einflug. Das aber wissen auch Füchse und Katzen und die Gelege werden geplündert“, erläutert Lind.

Es ist ein zwiespältiger Tenor, der von der bestens besuchten Veranstaltung, eine Wiederholung ist fest geplant, bleibt. Einerseits ist das Naturschutzgebiet Egelsberg eine Erfolgsgeschichte und die Finanzierung noch für 20 Jahre gesichert. Andererseits aber sind die Probleme unserer Umwelt auch hier bei genauem Hinsehen kaum übersehen. Und so bleibt als Tenor: Es sind gute Ansätze, die in Gebieten wie dem Egelsberg gemacht werden. Aber wir müssen in allen Bereichen noch viel mehr tun, wollen wir die Natur und Artenvielfalt, die wir kennen, auch mittel- und langfristig bewahren.

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