Krefeld: Armatrading: "Verlieben ist bei jedem anders"

Krefeld: Armatrading: "Verlieben ist bei jedem anders"

Joan Armatrading tritt am Freitag, 12. März, in der Kufa auf. Mit der "This Charming Life"-Tour will sie die schönen Dinge des Lebens bewusst machen – als Abgesang zum Jammern über Krisen. Im Interview erzählt sie, warum die ewigen Themen um Liebe, Glück und Unglück immer neu sind.

Joan Armatrading tritt am Freitag, 12. März, in der Kufa auf. Mit der "This Charming Life"-Tour will sie die schönen Dinge des Lebens bewusst machen — als Abgesang zum Jammern über Krisen. Im Interview erzählt sie, warum die ewigen Themen um Liebe, Glück und Unglück immer neu sind.

Viele Musiker, die so lange im Geschäft sind wie Sie, auch große Singer/Songrwiter, haben früher oder später modische Zugeständnisse in ihrem Sound gemacht. Auf Sie aber kann man sich verlassen, Sie sind ihrem Stil vier Jahrzehnte lang treu geblieben. Wie haben Sie das geschafft?

Armatrading Ich liebe es einfach auf diese Art. Ich glaube, ich kann gar nicht anders. Wenn ich Songs schreibe, denke ich nur an das, was ich ausdrücken möchte. Natürlich freue ich mich über meinen Erfolg. Aber wenn ich schreibe, denke ich nicht daran, wie es ankommen wird. Ein Geheimrezept gibt es da nicht.

Sie sind Sängerin, Songwriterin und spielen eine ganze Reihe von Instrumenten, und das alles machen Sie großartig. Könnten Sie sagen, was davon für Sie persönlich am wichtigsten ist?

Armatrading Das Schreiben. Da ist der innere Drang am größten. Das brauche ich wie Atmen, Essen und Trinken. Ich liebe es, auf der Bühne zu stehen, Gitarre oder Klavier zu spielen, meine Songs vor den Menschen zu singen und ihr Feedback zu bekommen, aber das werde ich nicht ewig machen können. Einzelne Shows noch mit 80? Vielleicht, man soll nie "nie" sagen. Auf Tournee gehen will ich dann nicht mehr. Aber ich werde ganz gewiss immer schreiben. Es gibt ja auch selbst für die ewigen Themen ständig Anregungen genug. Jeder, der sich verliebt, verliebt sich auf andere Weise, jeder, der glücklich oder unglücklich ist, ist es auf eine andere Art. Ich beobachte gern, und das bleibt immer spannend.

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Als deutsche Feministinnen Sie in den 70er Jahren für ihren Geschlechterkampf vereinnahmen wollten, fanden Sie das eher unpassend und waren nicht glücklich darüber. Dabei sind Sie durchaus als Frau engagiert. Möchten Sie uns etwas über Ihren Einsatz für Frauen erzählen?

Armatrading In der Organisation "Woman Of The Year", deren Präsidentin ich fünf Jahre war, ehren wir Frauen, die etwas Konstruktives geleistet haben, und unterstützen sie dadurch. Ann Cotton um Beispiel, die mit "Camfed" ein umfassendes Bildungsprogramm für Mädchen in den südafrikanischen Townships aufgebaut hat. Über 600 000 Mädchen haben dort seit 1993 von simplen Hygiene-Regeln für den Alltag über Aids-Aufklärung bis zur Schulbildung eine solide Basis für ein Leben in Selbstbewusstsein und Verantwortung bekommen. Da sind viele Ärztinnen, Lehrerinnen und Anwältinnen draus hervorgegangen, die ihrerseits in ihrem Umfeld als Katalysatorinnen des Fortschritts wirken. Meine Präsidentschaft für "Woman Of The Year" war turnusmäßig beschränkt, aber bei "Camfed" und anderen Organisationen bin ich immer noch aktiv. Solche Initiativen zu unterstützen, bringt unheimlich viel und macht mir große Freude.

Sie sind Engländerin und haben zuhause und in den USA viele Auszeichnungen erhalten. Aber sie starten ihre aktuelle "This Charming Life"-Tournee in Deutschland. Hat das deutsche Publikum für Sie eine spezielle Bedeutung?

Armatrading O ja, es ist besonders begeisterungsfähig. Die Sprachbarriere scheint niedriger zu sein als man denkt. Ich glaube, die meisten Leute, die mir zuhören, begreifen, was ich Ihnen sagen will, und nehmen es in sich auf. Jedenfalls reagieren sie sehr herzlich, und ich singe immer sehr gern in Deutschland. Und lassen Sie mich noch etwas zum Titel meiner neuen CD und Tournee sagen: "Dieses reizvolle Leben" — das ist nicht naiv. Gerade die, die aufmerksam in die Welt schauen, sich mit der Banken- und Wirtschaftskrise auseinandersetzen oder sich im Innern von dem Leid der Erdbebenopfer auf Haiti berühren lassen, müssen auch mal einen Schritt zurück von der Frontlinie machen. Sie müssen die schönen Dinge des Lebens an sich heranlassen, die kleinen Wunder würdigen, die auch in schwierigen Zeiten passieren. Wir werden sonst depressiv und mutlos, und dann können wir auch nichts mehr verändern. Wir müssen auch ein bisschen genießen und uns freuen, damit wir die Courage und die Kraft haben, uns einzusetzen.

Mojo Mendiola führte das Gespräch.

(RP)