Krefeld: Architekturpreis für Feuerwehrhaus

Krefeld : Architekturpreis für Feuerwehrhaus

Das neue Hülser Feuerwehrgerätehaus beweist, dass eine funktionale Gebrauchsarchitektur auch ästhetisch schön sein kann. Für diesen gelungenen Entwurf erhielt das Architekturbüro Kempen & Kleinheyer den Krefelder Architekturpreis.

Das neue Hülser Feuerwehrgerätehaus beweist, dass eine funktionale Gebrauchsarchitektur auch ästhetisch schön sein kann. Für diesen gelungenen Entwurf erhielt das Architekturbüro Kempen & Kleinheyer den Krefelder Architekturpreis.

Oberbürgermeister Gregor Kathstede sparte nicht mit Lob, als er gestern im Vortragssaal des neuen Hülser Feuerwehrgerätehauses den Krefelder Architekturpreis 2014 dem Büro des Architektenpaares Bettina Kempen und Martin Kleinheyer überreichte: "Wenn wir die bisher prämierten Beispiele Seidenstädter Architektur betrachten, dann fällt das heute ausgezeichnete Gebäude aus dem Rahmen.

Die Planer beantworten die Frage, ob moderne Zweckbauten langweilig aussehen sollen, eindeutig mit Nein." Das Gebäude sei ein echter Hingucker und drücke die Wertschätzung gegenüber dem schwierigen Ehrenamt der Freiwilligen Feuerwehr aus, sagt der Oberbürgermeister. Nicht zuletzt gewinne auch die Stadt Krefeld, denn beim Bau seien der Kosten- und Zeitplan exakt eingehalten worden.

Zum sechsten Mal sei der seinerzeit von dem Kontaktkreis der Krefelder Architektenverbände angeregte Krefelder Architekturpreis verliehen worden, sagte der Vorsitzende der Jury Oliver Schröter. Die Summe der Qualitäten in städtebaulicher, gestalterischer und funktionaler Sicht habe dazu geführt, dass die Jury sich einstimmig unter den eingereichten sieben Vorschlägen für das Hülser Feuerwehrgerätehaus entschieden habe.

Dafür sei die rote Farbe des Daches mit ihrer guten Fernwirkung auf den Standort nur ein Beispiel. "Es ist nicht selbstverständlich, dass ein solcher Bau eine solche Ästhetik erhält", sagte Schröter. Mit einem Zitat des Architekten Walter Gropius begann Bettina Kempen ihre Danksagung: "Gestalten heißt, in Fesseln tanzen." Fesseln hätten die Planer in dem fünfeckig geschnittenen Grundstück gesehen, das zudem in einer Wasserschutzzone liegt, in der das Regenwasser versickern muss.

Die Baumsatzung sei zu beachten gewesen. Auch habe das Kostenkorsett gedrückt. In enger Kooperation mit der Hülser Feuerwehr habe man die Wagenhalle in einer preiswerteren Variante als Stahl-Skelettkonstruktion gebaut. Dadurch seien Gelder für die eigentliche Unterbringung der Feuerwehrleute freigeworden. Mit einem Wort des Schriftstellers und Architekten Max Frisch suchte sie die Arbeit der Planer zu umreißen: "Die Krise ist ein produktiver Zustand. Man muss ihm nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen."

Wegen des Mangels an wegweisender Spezialliteratur zum Bau von Feuerwehrhäusern mussten die Planer mit den Praktikern der Feuerwehr eng zusammenarbeiten. Kempen lobte deren klares Wertesystem, bei dem Menschen wichtiger seien als Sachwerte.

Mit einer Fotodokumentation über die Entstehung des Hülser Feuerwehrgerätehauses bedankte sich Kempen bei dem Hülser Katastrophenschutz-Beauftragten Hans Popperl, bei Sven Seidensticker vom Fachbereich 60 Gebäudemanagement und nicht zuletzt bei ihrem Mann Martin Kleinheyer, mit dem zusammen sie kurz zuvor den NRW-Kita-Preis für die gelungene Ausführung der neuen Kita Westwall 120 entgegennehmen konnte.

"Hinter jedem gelungenen Gebäude steht eine Schar von Menschen mit ähnlichen Wertvorstellungen", ist Kempen gewiss.

(RP)
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