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Archäologische Fundgrube Krefeld-Fischeln Südwest, von Norbert Stirken

Denkmalschutz in Krefeld : Das Neubaugebiet Fischeln Südwest ist eine archäologische Fundgrube

Einiges ist schon entdeckt. Vieles lagert noch unbekannt im Krefelder Boden. Bei Untersuchungen im zukünftigen Neubaugebiet Fischeln-Südwest förderten Fachleute zahlreiche wichtige Befunde mit Denkmalqualität zu Tage. Was bedeutet das für das Bauvorhaben?

Eine sehr hohe Anzahl an archäologisch relevanten Befunden förderte eine Begutachtung des Baugebiets Fischeln-Südwest durch Kölner Experten zutage. Den Ergebnissen des Büros Thomas Ibeling (Grabungen und Sondagen) bescheinigte die Bodendenkmalbehörde des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) Denkmalqualität. Fast 400.000 Euro musste die mehrheitliche städtischen Wohnstätte Krefeld AG als Investor für das neue Quartier mit rund 500 Wohnungen für deren Expertise ausgeben. Sie folgten damit einer Auflage des LVR. Die Fachbehörde hatte die Untersuchungen veranlasst, um eventuelle Fundstellen im Geltungsbereich des Bebauungsplans 652 I zu klären. Es bestand Grund zu der Annahme, dass dort im Boden verborgen archäologische Schätze zu finden sind. Der Verdacht ergab sich aus der Tatsache, dass sich in unmittelbarer Umgebung bereits „nachgewiesenermaßen mittelalterliche Wüstungen, ein späteisenzeitlicher Siedlungsplatz sowie römische Siedlungsbereich mit Gräbern“ befinden. So heißt es in einer internen Aktennotiz der Wohnstätte. Die Arbeiten des Büros Ibeling sind seit Monaten abgeschlossen.

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Als Konsequenz aus deren Untersuchung ergibt sich für diejenigen Bauherren, die in Fischeln Südwest später einen Keller einplanen, dass sie beim Aushub „mit fachlicher Sorgfalt“ vorgehen, um keine Funde zu zerstören. In viel größerem Maße als Bauträger und private Bauherren wird die Wohnstätte AG selbst von diesen Einschränkungen betroffen sein. „Für uns gelten die selben Regelungen beim Bau der Erschließungsanlagen wie Straßen, Kanäle oder auch Leitungsbau“, sagte Thomas Siegert, Vorstand der Wohnstätte AG im Gespräch mit unserer Redaktion. Die ermittelten Bodenednkmäler blieben dort, wo sie seien – im Boden, informierte Siegert.

Es bleibt als spannend. Denn die Wohnstätte muss in großem Umfang tätig werden. 6,3 Millionen Euro sind als Ausgaben für zu realisierenden Erschließungsschritte kalkuliert. Der Wohnstätte wurde deshalb nach dem Denkmalschutzgesetz vom LVR die Auflage erteilt, das ein vermutetes Bodendenkmal verändert oder beseitigt werden könnte, die vorherige wissenschaftliche Untersuchung, Bergung und Dokumentation der Befunde sicherzustellen und dafür die anfallenden Kosten zu tragen. Der LVR begleite auch die weiteren Bauschritte, sagte Siegert.

In Fischeln-Südwest sollen auf einer Fläche von 330.000 Quadratmetern rund 500 Wohnungen für etwa 1500 bis 2000 Menschen entstehen –davon etwa 350 Einfamilienhäuser. Zwanzig Prozent entfallen auf den Geschosswohnungsbau und zehn Prozent auf eine Reihenhausbebauung. Die Rahmenplanung hat das renommierte Berliner Büro KK Architekten erstellt. Inhaber Christoph Kohl zeichnet unter anderem für die Speicherstadt in Potsdam, das Katharinum in Leipzig und viele hochwertige Projekte in den Niederlanden verantwortlich. Ein großer Teil der 33 Hektar befindet sich schon seit 1994 im Eigentum der Wohnstätte. 14,3 Hektar wurden damals als Bauerwartungsland gekauft. Die Stadt selbst besitzt drei Hektar. „Wir wollen die Flächen ohne Bauträger vermarkten“, kündigte Siegert an.

Bundesweit Furore wollen Stadt und die Wohnstätte AG mit ihrer Idee für ein besonderes Quartier im Neubaugebiet machen. Entlang der noch zu bauenden Umgehungsstraße soll ein Standort entstehen, an dem Krefeld seine Bedeutung als Wirkungsstätte des internationalen Stararchitekten Ludwig Mies van der Rohe unterstreicht. „Es geht um die moderne Interpretation des Bauhaus-Gedankens“, sagt Planungsdezernent Martin Linne seinerzeit.