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Ara Lilly von Zoo Dittrich in Krefeld hat ein neues Zuhause in einer Papageienvoliere in Wien.

Nach Schließung von Zoohandlung : Lilly hat ein neues Zuhause

Im Oktober sorgte die RP-Geschichte von Ara Lilly für großes Echo. Der Papagei der Zoohandlung Dittrich brauchte ein neues Zuhause, weil das Geschäft schließt. Nun hat Lilly eine neue Heimat - in Österreich.

Im Oktober berichtete unsere Redaktion über Ara Lilly aus der Zoohandlung Dittrich. Für den hellroten Ara wurde aufgrund der Schließung des Geschäfts ein neues Zuhause gesucht. Er war aus 19 Jahren mit viel Gesellschaft und Freiflug ein Leben gewöhnt, das ein Privathaushalt einfach nicht bieten kann. Die Zoohandlung, die letzte, die als inhabergeführtes Fachgeschäft in Krefeld existierte, ist seit dem 31. Dezember geschlossen. Am Samstag (12. Januar) ist noch einmal ein Ausverkauf. Dann schließt Dittrich endgültig die Türen. Für Lilly suchten ihre Besitzer ein neues zu Hause. Über die Suche berichtete die RP. Bei einigen teils selbsternannten Tierschützern löste das einen Shitstorm aus.

„Nach dem Bericht kamen andere Medien bis zum WDR. Danach kamen auch viele Anfeindungen. Man warf uns vor, Lilly habe nur Kunden anlocken sollen und solle nun abgeschoben werden. Es waren sehr unschöne Dinge darunter“, sagt Besitzerin Nicola Bongen. „Uns wurde Tierquälerei vorgeworfen und so weiter. Ich habe das gar nicht so sehr verfolgt, meine Mitarbeiterin hat uns aber einiges vorgelesen. Manchmal kamen sogar Menschen ins Geschäft um den ‚armen Ara’ selbst in Augenschein zu nehmen und uns zu beschimpfen“, erzählt sie weiter. Die Vorwürfe treffen sie tief. „Wir lieben Lilly wie ein Familienmitglied. Sie hatte es immer gut bei uns und gerade um das aufrecht zu erhalten geben wir sie ja ab. Emotional würde ich sie lieber bei mir behalten“, sagt Bongen.

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Die Liebe zum Tier und die Sorge um dessen Wohlergehen ließ diesen Gedanken aber in den Hintergrund treten und so suchte sie sogar europaweit nach einer neuen Unterkunft. „In Folge des Medienechos wurde dann ein Mann aus Wien auf uns aufmerksam. Er betreibt eine Auffangstation für Papageien und bot uns einen Platz für Lilly an. Wir haben alle begutachtet und sind überzeugt, dass sie dort ein wunderschönes weiteres Leben haben wird, auch wenn wir sie vermissen“, sagt die Geschäftsinhaberin. In Wien wird der Ara nicht nur eine große Flugvoliere, sondern auch einen Partner bekommen. „Sie hat dort eine Innenvoliere von rund 50 Quadratmetern. Im Sommer kommt eine etwa genauso große Außenvoliere hinzu“, sagt Bongen.

Der Partner für Lilly ist in einem ähnlichen Alter. Sie ist 19, er 20 Jahre alt. Der Hahn ist ein Hybride aus einem Soldaten- und einem Gelbbrustara. Das sei aber kein Problem. „Aras verstehen sich auch zwischen verschiedenen Unterarten sehr gut und können sich sogar fortpflanzen“, erzählt die Besitzerin. Sie ist überzeugt, damit die beste Zukunft für ihr Tier sicher zu stellen. Dafür zahlt sie sogar monatlich Geld, so lange Lilly lebt. „Wir müssen für ihre Unterbringung zahlen. Würden wir das tun, wenn uns gleichgültig wäre, was mit Lilly passiert, wenn sie für uns nur Mittel zum Zweck gewesen wäre?“, kommt sie wieder auf die Anfeindungen zurück, die sie sichtlich treffen.

Ihr Bruder Frank Dittrich springt ihr bei. „Was die Leute ja auch nicht zu verstehen scheinen ist, dass wir nicht aus freien Stücken schließen. Wenn wir mehr Unterstützung von der Stadt bekommen hätten, was zum Beispiel Parkplätze angeht, dann hätten wir gern weiter gemacht. Aber viele unserer Produkte sind unhandlich und schwer, das geht nur mit einem Parkplatz in der Nähe“, sagt er. Zumindest den Aquaristikbereich will er in kleinerer Form weiterführen und sucht dafür eine Immobilie. Der Laden in Familienbesitz ist verkauft.

Zoo Dittrich ist damit am Samstag zumindest in der bisherigen Form endgültig Geschichte. Für Lilly aber gibt es ein Happy End. Am 19. Januar geht es für sie nach Wien und in ihr neues Leben. Alle Papiere für das unter Artenschutz stehende Tier, das Bongen eigenhändig mit dem Löffel aufgezogen hat, sind da. „Das war ein Alptraum für sich“, sagt sie lachend. Lilly kräht fröhlich dazwischen. Ob sie sich zukünftig einen Wiener Akzent zulegt? Bongen wird es beobachten. „Natürlich werden wir sie immer wieder besuchen“, sagt sie. Sie freue sich für Lilly, sei aber natürlich auch traurig, sich bald verabschieden zu müssen. „Lilly ist ein Familienmitglied. Es ist, als zöge ein Kind aus. Ich freue mich und bin traurig zugleich“, sagt sie zum Abschied.