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AOK-Studie für Krefeld: Psychische Erkrankung bei Pflegeberufen steigt

Institut für Betriebliche Gesundheitsförderung : AOK-Studie: Psychische Erkrankung bei Pflegeberufen steigt dramatisch

„In zwei von drei Fällen sind Frauen betroffen“, so Gregor Mertens vom Institut für betriebliche Gesundheitsförderung. Ein Grund sei die Doppelbelastung durch Arbeit und Haushalt.

Die positive Nachricht: Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2018 (6,13 Prozent) zeigt sich der Gesamtkrankenstand der rund 21.000 bei der AOK versicherungspflichtig beschäftigten Krefelder mit 6,17 Prozent in den ersten sechs Monaten dieses Jahres nahezu unverändert. „Der Langzeit-Krankenstand ist in diesem Zeitraum gestiegen“, erklärt Marion Schröder, Regionaldirektorin der AOK. „Daneben bereitet uns die steigende Zahl der psychischen Erkrankungen vor allem im Pflegebereich Sorge.“ Dies geht aus einer statistischen Auswertung des Instituts für Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF GmbH) hervor, einer 100-prozentigen Tochtergesellschaft der AOK Rheinland/Hamburg.

„Der Langzeit-Krankenstand in den Unternehmen in Krefeld ist im Vergleichszeitraum von 1,49 Prozent im 1. Halbjahr 2018 auf 1,55 Prozent im 1. Halbjahr 2019 angewachsen. Das heißt, die AOK musste höhere Krankengeldleistungen für die eigenen Versicherten aufbringen, wir sprechen hier über einen Zuwachs von Zuwachs 3,86 Prozent“, ergänzt Gregor Mertens, stellvertretender Leiter des Institutes für betriebliche Gesundheitsförderung. Der Krankenstand bis zu einer Dauer von sechs Wochen ist im Vergleichszeitraum mit 4,62 Prozent (1. Halbjahr 2018: 4,63 Prozent) nahezu gleich geblieben, das heißt die örtlichen Arbeitgeber mussten minimal geringere Beträge für die Entgeltfortzahlung aufwenden.

Die meisten krankheitsbedingten Fehltage resultieren aus Erkrankungen der Diagnosegruppe „Muskel/Skelett“, die das Krankheitsgeschehen in den Unternehmen in Krefeld, wie in den Vorjahren, dominieren. An zweiter Stelle folgen Atemwegserkrankungen, an dritter Stelle werden Ausfalltage aufgrund „psychischer Erkrankungen“ registriert. Während sich die Fehltage aufgrund von Atemwegserkrankungen und Infektionen um mehr als 18 Prozent beziehungsweise fast drei Prozent verringert haben – es gab in den ersten Monaten des Jahres keine so gravierende Erkältungswelle wie im ersten Halbjahr 2018 – sind die krankheitsbedingten Fehltage aufgrund von „psychischen Erkrankungen“ um sieben Prozent angestiegen. „In zwei von drei Fällen sind Frauen von diesen Erkrankungen betroffen“, beschreibt Mertens die Situation. Ein Grund ist für den Experten: „Frauen gehen mit dieser Form der Erkrankung offener um als Männer.“ Auch wirke sich die Doppelbelastung durch Haushalt und Arbeit verstärkt aus.

Am Arbeitsplatz wiederum leiden die Beschäftigten in Altenheimen und ambulanter Pflege besonders häufig an seelischen Problemen. Schröder: „Der Fachkräftemangel in Pflegeberufen wird dadurch verschärft, dass in zunehmendem Maße Pflegekräfte vor allem wegen psychischer und psychosomatischer Krankheitsbilder ausfallen.“ Ursachen seien Schichtarbeit, häufige Überstunden und die Schwierigkeit, sich von der Arbeit abzugrenzen. Durch Personalabbau, vorübergehendes Nichtbesetzen freier Stellen und hohe Krankenstände steige der Arbeitsdruck auf die verbliebenen Pflegekräfte.

Aok Grafik. Foto: Joachim Niessen/Joachim Nießen

„In vielen Betrieben in Krefeld, vor allem auch in vielen stationären Pflegeeinrichtungen, finden die Themen ,Betriebliche Gesundheitsförderung’ und ,Betriebliches Gesundheitsmanagement’ ein hohes Maß an Beachtung und Aufmerksamkeit“, erklärt Marion Schröder. „Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung in unserer Gesellschaft wird dieses Thema immer wichtiger.“