Krefeld Anwohner: Furcht vor mehr Hafenverkehr

Krefeld · Das Tempo beim Bau der Verkehrsinfrastruktur hält mit dem bei der Ansiedlungspolitik im Rheinhafen nicht stand. Neue Logistikzentren wie die von Bauhaus, VGG und Holz Brockmann sorgen für zusätzlichen Güterumschlag - auch über die Straße.

 Die denkmalgeschützte Hafendrehbrücke ist ein Nadelöhr in der Verkehrsinfrastruktur des Rheinhafens.

Die denkmalgeschützte Hafendrehbrücke ist ein Nadelöhr in der Verkehrsinfrastruktur des Rheinhafens.

Foto: bkö

Allein die Ankündigung von Neuansiedlungen im Rheinhafen sorgt bei den Anwohnern speziell in Gellep-Stratum, Nierst und Lank-Latum, aber auch Uerdingen und Linn für erhöhten Pulsschlag. Neue Firmen wie die VGG Handelsgesellschaft und die Baumarktkette Bauhaus, aber auch Holz Brockmann wollen ihre Zentrallager schon im kommenden Jahr in Betrieb nehmen. Die neuen Betriebe kalkulieren mit einem Jahresumschlag von mindestens 10 000 zusätzlichen Containern per Schiff, die vom Containerterminal am Hafenkopf zu den Logistikhallen und von dort kommissioniert und umgepackt zu den Kunden geliefert werden müssen. Bei besagten 10 000 Containern sind das 40 Lkw-Fahrten pro Werktag und mindestens 40 weitere Lkw-Fahrten zur Kundschaft.

 Die Hafenringstraße soll nach ihrer Fertigstellung einen großen Teil des Verkehrs aufnehmen. Die Umgehungsstraße Gellep-Stratum ist die Alternativroute, um Firmen im Hafengebiet zu erreichen. Mit den Neuansiedlungen dort nimmt der Lkw-Verkehr deutlich zu.

Die Hafenringstraße soll nach ihrer Fertigstellung einen großen Teil des Verkehrs aufnehmen. Die Umgehungsstraße Gellep-Stratum ist die Alternativroute, um Firmen im Hafengebiet zu erreichen. Mit den Neuansiedlungen dort nimmt der Lkw-Verkehr deutlich zu.

Foto: Thomas Lammertz

Die Anwohner klagen schon jetzt über den vom Schwerlastverkehr verursachten Lärm und Schmutz und befürchten, dass die Belastung noch deutlich zunimmt. Insbesondere im benachbarten Meerbusch mehren sich die Proteste. Die Ortsdurchfahrt Lank-Latum ist für Lastwagen gesperrt, wird aber dennoch als Zuwegung zur A 44 genutzt. Gleiches gilt für die Kreisstraße 9 durch die Rheingemeinden. Hans Wilhelm Webers, Vorsitzender des Bürgervereins Nierst, fordert, die Südanbindung des Rheinhafens auf Krefelder Stadtgebiet endlich zu realisieren. Danach sieht es aber auch für die kommenden Jahre nicht aus. Stattdessen setzen die Verantwortlichen auf die Fertigstellung der Hafenringstraße in Kürze sowie die Sanierung der Hafendrehbrücke. Mehr Zeit wird verstreichen, bis die Anbindung des Hafens an die Bundesstraße 288 in Betrieb genommen und ein Kreisverkehr an der Düsseldorfer Straße sowie Floßstraße eröffnet werden kann.

Beide Vorhaben stecken noch in einer frühen Phase. Auf Anfrage unserer Redaktion erklärte die Stadtverwaltung, dass für den geplanten Kreisverkehr derzeit die Unterlagen für den Förderantrag zusammengestellt werden. Die Vorstellung der Planung in den Ausschüssen und politischen Gremien sei für Mitte dieses Jahres vorgesehen. Bei positiver Zusage zu Förderung und Haushaltsansätzen sei ein Baubeginn im kommenden Jahr vorgesehen, erklärte Stadtsprecherin Angelika Peters. Die Kosten für den Neubau des Kreisverkehrs liegen bei rund einer Million Euro.

Zur Anbindung des Hafengebietes an die B 288 liege die politische Entscheidung zur Aufstellung eines Bebauungsplans vor. Eine Offenlegung und Beteiligung der Bevölkerung erfolge noch, informiert Angelika Peters. Bis ein solcher Bebauungsplan Rechtskraft erlangt, vergehen Jahre. Da der Umfang der Realisierung noch nicht abzuschätzen ist, kann auch über Kostenvolumen und Fertigstellung noch keine Information gegeben werden. Ersten Entwürfen zur Folge sollen die Kleigärten südlich der Mündelheimer Straße ebenso verschwinden, wie ein dort ansässiges Unternehmen. Auf der Fläche würde eine neue Straße samt Lärmschutzwand zur Bebauung an der heutigen Mündelheimer Straße hin mit Anschluss an die B 288 errichtet.

Die beiden Bauvorhaben, so die Stadtsprecherin, sollen die Entwicklung des Hafengebietes unterstützen und die verkehrlichen Einflüsse auf die Anlieger mindern. Bis es allerdings so weit ist, werden Tausende Lastwagen pro Jahr mehr die bislang vorhandene Infrastruktur nutzen müssen. "Wir lassen es uns langfristig nicht bieten, dass das Lkw-Verbot missachtet wird und Lastwagen durch das Dorf rattern", betont Webers und fordert sowohl die Stadt Krefeld als auch den Rhein-Kreis Neuss und die Stadt Meerbusch auf, tätig zu werden. Webers kündigt an, dass sich ansonsten die Betroffenen diesseits und jenseits der Stadtgrenze Krefeld und Meerbusch demonstrierend auf die Straße begeben.

(RP)
Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort