Streit um Mondrian-Bilder in Krefeld : Anwalt spricht von Ausstellung mit Diebesgut

Streit um Mondrian-Bilder in Krefeld : Anwalt spricht von Ausstellung mit Diebesgut

Das Kaiser-Wilhelm-Museum zeigt ab heute Bilder von Piet Mondrian. Das sei ein einzigartiger "Affront" gegen die US-Erben. Es sei weltweit verpönt, "Diebesgut" öffentlich zu präsentieren, sagt Gunnar Schnabel.

Der Berliner Rechtsanwalt Gunnar Schnabel erhebt schwere Vorwürfe gegen die Stadt und ihren ehemaligen Museumsdirektor Paul Wember. Er vertritt US-Erben des Nachlasses von Piet Mondrian und fordert die Herausgabe beziehungsweise die Entschädigung für acht Bilder des niederländischen Star-Künstlers aus dem Besitz des Kaiser-Wilhelm-Museums. Der Streitwert beträgt angeblich rund 300 Millionen Euro.

Ab Donnerstag sind vier im Besitz des Museums verbliebene Ölgemälde Piet Mondrians in der Ausstellung "Von der Idee zur Form. Demean & Pérès: Dialog zwischen Design und Handwerk" zu sehen. Schnabel bezeichnet das als einen "einzigartigen Affront", der bei strittigen Kunstwerken bisher weltweit vermieden worden sei. "Diebesgut zu präsentieren ist für die Mondrian-Erben ein Schlag ins Gesicht", sagte er im Gespräch mit unserer Redaktion.

Mit Datum vom 17. Januar 1952
Mit Datum vom 17. Januar 1952 hat der damalige Direktor des Kaiser-Wilhelm-Museums, Paul Wember, den Tausch von drei Ölbildern Piet Mondrians gegen andere Arbeiten ins Inventarverzeichnis eingetragen. Diese Tauschgeschäfte habe es nie gegeben, behauptet der Berliner Rechtsanwalt Gunnar Schnabel. Foto: Norbert Stirken

Die Stadt Krefeld geht davon aus, dass die vier Werke rechtmäßig im Eigentum des Museums seien. Vier weitere Bilder des niederländischen Malers habe der damalige Museumsdirektor Paul Wember gegen Arbeiten anderer Künstler getauscht. Das lasse sich mit Hilfe des Inventarbuches nachweisen.

Schnabel hält die Schlussfolgerungen des Krefelder Rechtsamtes für eine Erfindung. Niemals habe Mondrian acht seiner Werke verschenkt. Das sei allein schon durch dessen lebenslange Praxis widerlegt.

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Schnabel wirft dem verstorbenen Museumsdirektor Wember Urkundenfälschung, das Führen schwarzer Kassen und eventuell sogar persönliche Bereicherung vor. Worum geht's. Angeblich hat Wember vier Bilder Mondrians gegen grafische Arbeiten von unter anderem Pablo Picasso, Georges Braque, Joan Miro, Paul Klee, Marc Chagall und Henri Matisse getauscht. So steht es auch im Inventarverzeichnis des Kaiser-Wilhelm-Museums aus den 1950-er Jahren.

Tatsächlich, so Schnabel, habe Wember die Malerei Mondrians teuer verkauft und die Drucke anderer Künstler günstig eingekauft. "Das können wir mit Originalrechnungen des Bremer Kunsthändlers Michael Hertz belegen", sagte Schnabel gestern. Wember habe bar bezahlt. Die Werte der grafischen Blätter, die Wember ins Krefelder Inventarverzeichnis eingetragen habe, entsprachen nicht den Kaufpreisen, informierte der Berliner Anwalt. Wember habe höhere Preise angegeben. Das "überzählige Geld" wanderte offenbar in schwarze Kassen oder Wember verwendete es selbst. Bei seinen Eintragungen handele es sich um Urkundenfälschungen, behauptet Schnabel. "Die Stadt verfügt darüber hinaus über keine Tauschverträge, die ihre Sicht der Dinge belegen könnten", sagte der Jurist. An wen und zu welchen Preisen Wember die vier Bilder Piet Mondrians verkauft haben soll, vermag auch er nicht zu sagen.

Die vier übrigen Bilder des niederländischen Künstlers, die nunmehr im Kaiser-Wilhelm-Museum ausgestellt sind, seien erst einige Jahre später in die Inventarliste eingetragen worden. Schnabel hat den früheren Kulturstaatsminister Michael Naumann um Hilfe ersucht. "Ich hoffe, dass es mit dessen Unterstützung noch zu einem vermittelnden Gespräch mit der Stadt Krefeld kommt", erklärte Schnabel.

Die Stadt hat sich in der Sache juristischen Bestand bei dem Berliner Experten Peter Raue gesucht. Der Rechtsanwalt sieht die Stadt Krefeld bei einer Klage in Deutschland auf der sicheren Seite. Ein Anspruch auf Herausgabe der Bilder Mondrians an die Erben sei verjährt, erklärte er unlängst. Für eine Klage in den USA habe sich die Stadt die Dienste einer Partnerkanzlei Raues vor Ort gesichert, berichtete Stadtsprecher Christoph Elles auf Anfrage unserer Redaktion. In der Angelegenheit herrsche im Rathaus weder Hektik noch trügerische Sicherheit, betonte er. Die Verantwortlichen der Stadt haben keinen Anlass zu glauben, dass sie die Bilder unrechtmäßig besitzen. Sie wollen eine Provenienzforschung in Auftrag geben, um die Umstände der Herkunft wissenschaftlich zu ergründen.

(sti)