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Annika und Vivien Kohlhaas sitzen in Krefeld in der Jury von „Jugend forscht“.

Wettbewerb in Krefeld : Schwesterliebe zu „Jugend forscht“

Annika und Vivien Kohlhaas begeistern sich für den Talentwettbewerb „Jugend forscht“. Nun wechseln sie die Seiten und werden Jurorinnen.

„Kann man Töne oder Flammen wiegen?“ hatten sich die Schwestern Annika, Vivien und Madeline Kohlhaas als Aufgabe für ihre Beteiligung am Jahreswettbewerb von „Jugend forscht“ gestellt. Rund 60 Christbaumkugeln mussten während der Weihnachtsferien unterschiedlich beschallt und gemessen werden. Das hielt der von der Schule, dem Neusser Marienberg-Gymnasium, ausgeliehene Lautsprecher nicht aus und verschied. Als die Mädchen am Heiligabend ein anonym verpacktes Paket öffneten, entpuppte sich dies als neuer Lautsprecher, den die wettbewerbsbegeisterte Schule den jungen Forscherinnen zur Verfügung stellte, damit sie ihrer Untersuchungen abschließen konnten. Am Wettbewerbstag im Krefelder Seidenweberhaus überprüfte ein Juror die Schlüssigkeit eines Experiments mit einer brennenden Kerze: Er sollte die Flamme durch starkes Einziehen der Luft erlöschen lassen. Angestrengt einatmend näherte er sich der brennenden Kerze, wobei sich sein Bart entzündete und die Schwestern Soforthilfe beim Löschen leisten mussten.

Rückblickend schmunzeln Annika und Vivien, wenn sie an ihre aktive Wettbewerbsteilnahme als schwesterliches Dreierteam bei „Jugend forscht“ denken. Zehnmal hintereinander haben sie in ihren Lieblingsbereichen Physik und Chemie in Krefeld erste Preise gewonnen, die es ihnen ermöglichten, am Landeswettbewerb NRW teilzunehmen. Die 29-jährige Annika hat inzwischen ihr Lehramtsstudium in Latein, Mathematik und Physik mit der zweiten Staatsprüfung abgeschlossen und promoviert an der Uni Köln, und die 25-jährige Vivien promoviert am Max-Plack-Institut nach Abschluss eines Studiums der Biochemie. Nun wechseln die beiden Schwestern die Seiten. Sie wurden angesprochen, im Krefelder Regionalwettbewerb ein Jurorenamt anzunehmen. Eine Fachgebietsjury besteht aus Lehrkräften, Hochschullehrern, Fachleuten aus Unternehmen und ehemaligen Preisträgern.

Die Arbeit als Juror bei „Jugend forscht“ genießt einen hohen Stellenwert, denn eine professionelle Beurteilung der eingereichten Arbeiten ist der wichtigste Grund für das hohe öffentliche Ansehen des Wettbewerbs. Die Juroren bewerten die schriftliche Darstellung, die mündliche Präsentation und die Gestaltung des  Ausstellungsstandes in den Mint-Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.

Es ist der 25. Regionale Wettbewerb, den die Unternehmerschaft Niederrhein für Schüler, Auszubildende und Studierende im ersten Studienjahr im Seidenweberhaus ausrichtet. Der Wettbewerb gibt keine Aufgaben vor, die Fragestellungen müssen sich aber Fachgebieten wie Arbeitswelt, Biologie, Chemie, Geo- und Raumwissenschaften, Mathematik/Informatik Physik oder Technik zuordnen lassen.

„Hier in Krefeld fällt mir besonders positiv auf, dass alle Schulformen über die Altersklassen bis 21 Jahre vertreten sind. Daher ist ein stimmiger Mix der Juroren besonders wichtig“, erklärt Annika. Bei der Prüfung der eingereichten Arbeiten müssen die Juroren über eine Menge Menschenkenntnis, Eigeninitiative, Vorwissen und eine schnelle Problemerfassung verfügen, um den jungen Leuten im Rahmen eines intensiv geführten Dialogs gerecht begegnen zu können, die, unterstützt von ihren Schulen, eine Menge Herzblut in ihr Projekt gesteckt haben.

Seit 55 Jahren gibt es diesen weltweit einmaligen Wettbewerb, zu dem inzwischen auch die deutschen Auslandsschulen stoßen. In der Gründungszeit des Wettbewerbs, als nach dem Sputnik-Schock der Wettlauf der Vormächte im Weltall im Mittelpunkt stand, bestimmte die Raumfahrt die Schülerprojekte. So entwickelten die Bundessieger aus dem Jahr 1969 für ganze 1,90 D-Mark eine Rakete, die eine Flughöhe von 8400 Metern erreichte. Heute bestimmt die Gefährdung unseres Heimatplaneten viele Projekte.

„Die Schüler wollen sich nicht einfach von den Medien mit Meinungsmoral berieseln lassen, sondern den Dingen auf den Grund gehen. Sie fragen vermehrt nach wissenschaftlichen Fakten“, hat Vivien erkannt. Zu Ökochemie gesellen sich dann auch Robotik und Nanotechnik. Am Wettbewerb nimmt der leistungsbereite Teil der Schülerschaft teil, der keine Angst davor hat, große, vermeintlich schwer zu greifende Themen mit kreativ-unverstellten Fragestellungen ins Blickfeld zu fassen .