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Andrea Berg näht Mundschutz für Krefeld

Corona-Pandemie : Andrea Berg näht Mundschutz für Krefeld

Zwei Initiativen – die Vereine Die Wiege und Die Seebrücke – nähen Mundschutze. Für die „Wiege“ sind die Theaterschneiderei und Schlagerqueen Andrea Berg mit vollem Näh-Einsatz dabei. Andrea Berg sitzt auch selbst an der Nähmaschine und wirbt mit Fotos für die Aktion.

In Krefeld sind gestern gleich  zwei Initiativen an den Start gegangen, die knapp gewordene Mundschutz-Masken nähen: Das ist zum einen der Verein Die Wiege, der von Schlagerqueen Andrea Berg unterstützt wird – der Star näht auch selbst und wirbt mit einem Foto mit Mundschutz für die Aktion.  Sie und ihre Helfer fertigen sogenannte Behelf-Mund-Nasen-Schutz-Masken (BMNS) an. Diese  Mundschutze werden an Einrichtungen wie Pflegedienste oder Heime  gespendet, die sie dringend brauchen.

Der andere Verein ist die Flüchtlingshilfsorganisation Seebrücke: Dort nähen Freiwillige und auch Flüchtlinge und verkaufen den Mundschutz für 15 Euro – das Geld soll  der Flüchtlingsarbeit zugute kommen.

Andrea Berg engagiert sich mit viel Geld und auch viel persönlichem Einsatz für soziale Projekte in Krefeld ein. Foto: dpa

Mundschutz selbstgenäht – was sagen Fachleute dazu? Die Experten der Krefelder Feuerwehr, Stadtdirektorin Beate Zielke und Fachleute aus dem Gesundheitsamt begrüßen die Initiativen. Es sei wissenschaftlich sehr gut untersucht, dass doppellagig genähter Mundschutz aus geeignetem Material in der Waschmaschine bei 60 Grad   komplett virenfrei werde, sagte Agnes Court, Leiterin des Krefelder Gesundheitsamtes, am Dienstag im Rathaus. Solche Art Mundschutz helfe, Privatpersonen vor einer Tröpfcheninfektion mit dem Corona-Virus zu schützen. Allerdings benötige medizinisches Personal anderen Schutz der Norm FFP2. Der Einsatz privat genähten Mundschutzes schone Ressourcen für den medizinischen Sektor und ist eine klasse Initiative, sagte Feuerwehrchef Andreas Klos. Dort werde der Vorrat an Desinfektionsmittel, Handschuhen und Mundschutz langsam knapp. „Noch reicht er für etwa vier Wochen“, sagte Klos. Die Initiative für selbstgenähten Mundschutz sei vor Jahren aus anderem Anlass (Vogelgrippe) von der Feuerwehr in Essen ausgegangen, erzählte Beate Zielke. Sie danke den Krefelder Initiativen für ihren Einsatz.

Der Verein Die Wiege mit Schirmherrin Andrea Berg hat sich mit dem Theater und Intendant Michael Grosse zusammengeschlossen. Eigentlich würden die Mitglieder der Theater-Schneiderei jetzt die kommenden Premieren vorbereiten: Das Musical „Sunset Boulevard“, Schillers „Wilhelm Tell“ und das Ballett „Der Sturm/Ein Sommernachtstraum“. Nun arbeiten zwölf Schneiderinnen und Schneider an den Mundschutzen –  um den vorgeschriebenen Abstand zu halten, in zwei Schichten – tageweise. Die Stoffe stammen alle aus den theatereigenen Beständen. Beim Verein Die Wiege sind vier Frauen  an ihren Nähmaschinen tätig. Bereits 60 Stück sind fertiggestellt.  „Wir werden sie in Absprache mit der Feuerwehr zuerst an Ambulante Pflegedienste, dann an Altenheime und danach an die Bevölkerung abgeben. Dies geschieht kostenlos. Spenden werden gerne genommen“, kündigt Karin Meincke, zweite Vorsitzende des Vereins Die Wiege, an. Eine Hochrechnung ergebe, dass ein Bedarf von  2500 bis 3000 BMNS für die Mitarbeiter der Ambulanten Pflegedienste besteht.  Täglich könnten 100 Masken genäht werden. „Deshalb suchen wir noch Näherinnen und Material“, sagt Meincke.

So sehen die Mundschutze der Seebrücke aus. Foto: Georg Meurer

Die Aktionsgruppe Seebrücke Krefeld hat in Kooperation mit dem internationalen Frauen Café FIF, die im katholischen Forum beheimatet sind, eine Aktion gestartet, in der die Herstellung von Mund-Nase-Masken mit der Unterstützung von Menschen auf der Flucht verbunden wird. Unter dem Motto „Schutzmaßnahmen und Solidarität verbinden. Wir nähen wiederverwendbaren Mund-Nase-Schutz für alle“ haben die Aktivistinnen eine Nähanleitung von Masken entwickelt. In einem Begleitschreiben informieren sie über den Hintergrund der Aktion und die Bedeutung des Mund-Nase-Schutzes. „Die Aktion ist am Start, es nähen Unterstützer der Seebrücke und Geflüchtete“,  erläutert Georg Meurer, einer der Initiatoren. Jeder, der nähen kann, ist eingeladen mitzunähen.

Ein Paar Schutzmasken wird für eine Spende von 15 Euro abgeben. Das Geld wird eingesetzt, um Menschen auf der Flucht, in den Lagern und an den Außengrenzen der EU zu helfen. Denn, so erklärt die Seebrücke, in den völlig überfüllten Lagern auf Lesbos und an den Außengrenzen der EU hätten die Menschen keine Chance, sich zu schützen. Es fehlt an Wasser, an Seife, es fehlt eine ärztliche Versorgung und es gibt keine Chance, Distanz einzuhalten. Sie sind dem Virus und der Erkrankung völlig hilflos ausgeliefert.“