Krefeld: Amprion droht Kleingärtnern

Krefeld: Amprion droht Kleingärtnern

Ein neues Schreiben der Firma Amprion sorgt bei Krefelder Kleingärtnern für Wut: Darin teilt das Unternehmen mit, dass am 26. September ab 8 Uhr trotz aller Proteste in Krefeld Bodenproben in Kleingärten genommen werden.

Die Firma Amprion macht ernst: Ein Sprecher des Unternehmens hat gestern unserer Zeitung mitgeteilt, dass ein beauftragtes Unternehmen am 26. September ab 8 Uhr Bodenuntersuchungen in Krefeld für die geplante 380-kV-Leitungen vornehmen will — ungeachtet der Proteste aus Krefeld. In Briefen an den Kleingartenverein Tackheide, den Stadtverband der Kleingärtner, die Stadt Krefeld und vier Private hat Amprion am Wochenende diesen Schritt angekündigt.

Amprion plant den Neubau einer rund 7,3 Kilometer langen 380-kV-Höchstspannungsfreileitung zwischen den Punkten Fellerhöfe und St. Tönis auf einer schon jetzt vorhandenen Trasse. 23 Stahlgittermasten müssen dafür neu gebaut werden, teilweise auf Privatgelände. 17 Leitungen aus den 1960er Jahren werden demontiert. Der Bau dieser Leitung ist im Energieleitungsausbaugesetz, das 2009 vom Bund beschlossen wurde, festgelegt. Bundesweit sollen 24 dieser Höchstspannungsleitungen gebaut werden; laut Gesetz dürfen aber testweise nur vier Leitungen als Erdkabel errichtet oder betrieben werden. Die Krefelder Trasse gehört nicht dazu. In Krefeld wird aber die Erdkabel-Variante gefordert. Deshalb hat der Rat die Stadtverwaltung beauftragt, rechtlich gegen den Planfeststellungsbeschluss vorzugehen.

Wie reagiert die Stadt?

Offen ist, wie sich die Krefelder Stadtverwaltung sowie Kleingärtner und Private jetzt verhalten. "Ich werde mir das Schreiben genau anschauen", sagte gestern Dieter Lundström, Vorsitzender des Stadtverbands der Kleingärtner. Das Rechtsamt der Stadt hatte zuletzt die Auffassung vertreten, dass nur die Kleingärtner als Pächter der Firma Amprion das Betreten des Grundstücks verwehren können, obwohl die Stadt Eigentümerin der Fläche ist. Abschließend will sich die Verwaltung erst heute zu ihrem weiteren Vorgehen äußern, nachdem der Verwaltungsvorstand sich besprochen hat. Kleingärtnerchef Dieter Lundström zeigte sich gestern verärgert: "Wir sind der Auffassung, dass die Stadt Rechtsmittel gegen Amprion einleiten muss, wir als Kleingärtner können das nicht."

"Wir haben keine Möglichkeit, eine andere Variante zu wählen", sagte gestern der Amprion-Sprecher. Schon allein technisch sei das Verlegen eines Erdkabels in Krefeld nur schwer möglich: "Wir müssen dafür einen Kabelgraben von 25 Metern Breite legen." Außerdem brauche man für ein Erdkabel zu Beginn und Ende der Strecke eine Umspannanlage, die eine Fläche von mindestens einem halben Fußballfeld benötige. Die gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerte für Strahlenbelastung würden unterschritten, betonte der Sprecher. "Sollte die Stadt Krefeld gegen den Planfeststellungsbeschluss klagen wollen, wendet sich diese Klage gegen die Genehmigungsbehörde, die Bezirksregierung, und nicht gegen Amprion." Die Grundstückseigentümer würden entschädigt.

(RP)
Mehr von RP ONLINE