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Amnesty in Krefeld - es begann mit Nikolaos Damigos

Einsatz in Krefeld : Die Erfolge von Amnesty International

Die Krefelder Amnesty-International-Gruppe feiert ihr 50-jähriges Bestehen. Sie hat einige erstaunliche Erfolge vorzuweisen – und ein neues Arbeitsfeld: den Klimawandel. Er verschärft die Menschenrechtsprobleme.

Im Jubiläumsjahr ihrer Gründung vor 50 Jahren sieht die Krefelder Gruppe von Amnesty International neue Entwicklungen, die die Menschenrechtslage der Welt verschlechtern: den Klimawandel. „Die steigende Zahl von extremen Wetter-Ereignissen in Folge von Klimawandel wie Überschwemmungen, Dürren und Hitzewellen haben bereits jetzt gravierende Auswirkungen. Eine ganze Reihe von Menschenrechten sind bedroht – am stärksten das Recht auf Leben, Gesundheit, Wohnen, Zugang zu sauberem Wasser und Hygiene, angemessene Ernährung und Selbstbestimmung“, erklärt dazu Peter-Michael Friedrichs von der Amnesty-Gruppe Krefeld. Wenn es also etwas zu feiern gibt, dann eine nun doch beachtliche Tradition des Engagements, das dem Unrecht in der Welt vor allem Briefe und Öffentlichkeit entgegensetzt. Friedrichs’ Bericht über die Arbeit von Amnesty liest sich wie ein Gang durch die zeitgenössische Geschichte der Gewalt. Und es ist erstaunlich, wie viel Amnesty bewirkt hat.

Die Gründung 1969 wurde die erste Amnesty-Gruppe in Krefeld gegründet, berichtet Friedrichs. Die Gründungsmitglieder sind nicht mehr dabei, aber einige seit 47 Jahren. Die Mitglieder betreuten in den ersten Jahren Gefangene aus Südkorea, Kenia, Südafrika, der UdSSR und Griechenland. 1971 hatten ihre Bemühungen erste Erfolge: Ein Kenianer und ein Grieche, für die die Krefelder sich einsetzten, wurden freigelassen. Seitdem hat die Gruppe Gefangene aus aller Welt betreut. Es wurden Briefe an Behörden, Gefängnisse und Familien der Gefangenen geschrieben. Je nach Lage des Falls wurden auch Päckchen geschickt und Geld überwiesen.

Begegnungen Bei manchen Gefangenen kam es nach der Freilassung zu persönlichen Kontakten: Einige Amnesty-Mitglieder besuchten den Griechen Nikolaos Damigos und seine Familie in Athen. Viktor Davydov durfte 1985 nach zweijähriger Haft in Gefängnissen und psychiatrischen Kliniken die UdSSR verlassen – dank des hartnäckigen Briefeschreibens der Krefelder, besonders von Monika Suchan. Davydov besuchte die Krefelder und bedankte sich. Er berichtete von der Haft und von Vergünstigungen nach der Briefaktionen.

Mac D Tui aus den Philippinen wurde inhaftiert, weil er an einer Demonstration gegen das Marco-Regime teilgenommen hatte. Von 1976 bis 1980 bemühte sich Margret Toppke und die Gruppe um seine Freilassung. 1986 machte auch er einen Besuch in Krefeld und bedankte sich. Später gründete er in Manila eine Amnesty-Gruppe.

Maria Cecilia Rodriguez aus Chile wurde mit ihrem Bruder Carlos und seiner Frau 1974 verhaftet. Sie wurde entlassen, das Ehepaar blieb verschwunden. Maria Cecilia und die Krefelder Gruppe, besonders Margret Schilling, unterstützten die Schulbildung der Tochter Valentina des Ehepaars. 1984 berichtete Maria Cecilia in einem UN-Forum in Genf über die verschwundenen Gefangenen der Militärjunta in Chile und besuchte anschließend die Krefelder Gruppe. In einer Resolution unterzeichnete damals Oberbürgermeister Dieter Pützhofen mit Krefelder Verbänden, Kirchen und Parteien eine Resolution an die Bundesrepublik, sich für die Belange der Verschwundenen und gegen Folter in Chile einzusetzen.

Die Fälle von heute Bis zu seiner Freilassung vor einem halben Jahr betreute die Gruppe unter Federführung von Jutta Koebernick den iranischen Menschenrechtsverteidiger Abdolfattah Soltani. „Zurzeit setzen wir uns ein für die Menschenrechtsverteidigerin Nasrin Sotoudeh im Iran. Sie setzt sich für die Rechte der Frauen und gegen die Todesstrafe ein und wurde unter anderem wegen ‚Verbreitung von Propaganda gegen das System’ und unislamischer Kleidung zu 38 Jahren Haft und 148 Stockhieben verurteilt“, berichtet Friedrichs.

Menschenrechte Im Laufe der Jahre hat sich Amnesty International von einer Gefangenen-Hilfsorganisation zu einer Menschenrechtsorganisation entwickelt. Grundlage ist die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948. In weltweiten Kampagnen werden immer wieder Menschenrechtsverletzungen öffentlich gemacht – mit Kampagnen gegen Folter, die Todesstrafe, das „Verschwindenlassen“ von Menschen, Menschenrechtsverletzungen an Frauen, Kindern (Kindersoldaten wie Straßenkindern), Farbigen und Ureinwohnern, Gewerkschaftern, Menschenrechtsverteidigern.

Die Berichte über den Iran-Irak-Krieg in den 80er Jahren, in denen besonders Kinder als Kanonenfutter missbraucht wurden und bei Giftgasangriffen starben, führte dazu, dass 1987 die bundesweite Koordinationsgruppe „Menschenrechtsverletzungen an Kindern und Jugendlichen“ gegründet wurde und bis 2003 von Bärbel Peterke von Krefeld aus geführt wurde.

Öffentlichkeit in Krefeld Amnesty hat keine andere Macht als die Öffentlichkeit. Die Öffentlichkeitsarbeit umfasst das volle Repertoire: vom Informationsstand über vorbereitete Briefe, Lesungen, Podiumsdiskussionen, Filmabende, Mahnwachen, Gottesdienste, Unterrichtsbesuche und Ausstellungen. Krefelder Schüler beteiligten sich an den Ausstellungen zu den Themen „Gefangenschaft hat viele Gesichter“ (1982), „Jugendliche im Gefängnis“(1986) und „Mit Fantasie für die Menschenrechte“ (2008). Besonders eindringlich war eine Veranstaltung mit der Kindersoldatin China Keitetsi. Auch zwei Stadtläufe für die Menschenrechte oder eine Baumpflanzung im Hülser Bruch zum 60. Jahrestag der Erklärung der Menschenrechte gehören zum Repertoire.

Besondere Leistungen Das Thema Menschenrechte ist mittlerweile auch in der Schule verankert. Die frühere NRW-Schulministerin Gabriele Behler erließ nach einem Besuch beim Stand von Amnesty auf der didacta 97 einen Erlass zur „Behandlung der Menschenrechte im Unterricht“. Damit war das Thema erstmals in den Lehrplänen verankert. Die Initiative ging von Friedrichs aus, der in Krefeld als Lehrer arbeitete. Von ihm kamen auch Konzepte für die inhaltliche und methodisch-didaktische Gestaltung der Menschenrechtserziehung.

Siegrid Bohlmann führte bundesweit Trainingsseminare für Mitglieder durch. Ute Richter und Margret Schilling betreuten Asylsuchende und Flüchtlinge und erhielten 1996 von den Grünen den Preis „Engagement und Courage“ für hervorragende Flüchtlingsarbeit. Da die Arbeit immer umfangreicher wurde, gründeten die beiden mit verschiedenen anderen karitativen Organisationen den Flüchtlingsrat. Ute Richter ist Vorsitzende des Flüchtlingsrats.