Krefeld: Am Anfang ist die Leinwand

Krefeld: Am Anfang ist die Leinwand

Die göttliche Schöpfung in eigenen Bildern zu erzählen war für Eleonore von Kondratowicz eine Herausforderung, die ihr gehörigen Respekt abverlangte. Wenn alles Nichts ist, wo beginnt man?

Die Schöpfung beginnt mit weißem Vogelsand. Den hat Eleonore von Kondratowicz vorsichtig auf die Leinwand gestreut, um der nackten Fläche Struktur zu geben. Dann hat sie sich wohler gefühlt mit ihrer großen Aufgabe: die Entstehung der Welt in Bildern nacherzählen. Einem göttlichen Meisterwerk mit irdischen Mitteln gerecht zu werden - das flößte ihr Respekt ein. Die gewohnte Methode der körnigen Strukturierung war da eine vertraute Stütze.

Adam blickt hoch zur überragenden Eva, deren Ausmaße gar nicht auf die Leinwand passen. Foto: Petra Diederichs

Die Idee wurde mit einer Kirchenausstellung geboren. Für die Simeoniskirche in Minden wollte sie keine Bilder aus dem Fundus nehmen. So wagte sie sich an die Schöpfung. Bis zum Sonntag, 8. April, ist ihr Zyklus "Und Gott sah, dass es gut war" nun in der evangelischen Thomaskirche in Traar zu sehen.

Eleonore von Kondratowicz ist 1946 am Schliersee in Oberbayern geboren. In Krefeld ist sie aufgewachsen, hat ihr Abitur am Ricarda-Huch-Gymnasium gemacht. Studiert hat sie Kunst und Englisch fürs Lehramt, ihre künstlerischen Fertigkeiten aber stetig ausgebaut. Seit der Pensionierung stellt sie regelmäßig aus und hat auch über die Region Tecklenburg, wo sie heute lebt, einen Ruf.

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"Wer weiß, wo Gott begonnen hat, zu schöpfen", sagt die Künstlerin. Sie hat sich mit den biblischen Texten beschäftigt, und es entstanden immer mehr Bilder in ihrem Kopf. Für sich selbst machte sie klar: Am Anfang ist die Leinwand vollkommen weiß, und diese Vollkommenheit muss sie zerstören. Die Sandkörner bieten einen ästhetischen Anreiz. Mit dem Spachtelmesser kann sie dem abstrakten Bild eine Form geben. Denn ursprünglich kommt Eleonore von Kondratowicz vom Zeichnen. Die filigrane Strichführung ist in den meisten ihrer Bilder zu finden. Doch die gewohnten Gefilde der gegenständlichen Malerei hat sie für dieses Thema immer wieder verlassen. In abstrakteren Szenen wollte sie sich auch auf die Kraft der Farben verlassen können.

Dabei gab es nur ein Tabu: Schwarz. "Das wollte ich nicht mal für die Dunkelheit verwenden", sagt die Künstlerin. Den Prozess des Werdens hat sie lieber mit selbst gemischten Eitempera nachvollzogen. Auch das Spiel mit den Perspektiven bereitete ihr zunehmend Lust. Der "fünfte Tag" ist ein lebhaftes, fast kindlich heiteres Bild mit lustigen Fischlein, ätherisch leichtschwingigen Vögeln, Kamelen auf goldbraunem Grund und einer comicfarbigen Blüte. Brüche, auch innerhalb eines Bildes, machen Spaß: "Manchmal tauchen Assoziationen und Erkenntnisse erst auf, wenn ich das Bild schon abgeschlossen habe", sagt sie. Das ist auch bei Adam und Eva der Fall. Dass die Frau den Mann überragen sollte, war klar, dass Orange und Blau als Komplementärfarben verwendet würden war künstlerisches Konzept. "Erst viel später ist mir bewusst geworden, dass die Eva eigentlich die Lilith aus dem Talmud ist - Adams erste Frau, die sich nicht unterordnen wollte."

Am 8. April ist die Künstlerin von 11 bis 13 Uhr in der Ausstellung anwesend.

(RP)