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Alte Post Krefeld erinnert an den als Künstler vergessenen Helmut Hahn

Kunst in Krefeld : Helmut Hahn, der fast Vergessene

Sein Nachlass hängt in namhaften Museen. Hier kennt man ihn kaum als Künstler.

Der erste Blick fällt ins Grüne: Ein Wandteppich empfängt die Besucher in der „Alten Post“. Seidig schimmert das Grün in zahllosen Meeresnuancen. Schwarze Dreiecke stoppen den textilen Fluss. „Vier kleine Kulissen – wie oben so unten“ hat Helmut Hahn sein 1992 entstandenes Objekt genannt. Es liefert einen Zugang zum Werk eines Künstlers, der sich in vielen Bereichen getummelt, Stile aufgenommen und in eine eigene Sprache übersetzt hat. Und doch entschlüsselt es das Wesen des Menschen nicht. Der Titel spielt mit Begriffen der Esoterik. Professor Angelika Rösner, die diese Ausstellung kuratiert hat, bestätigt, dass sich in Hahns Nachlass eine Menge spiritueller Literatur gefunden habe. „Helmut Hahn.  Zeichnung und Tapisserie“ ist der Titel der Ausstellung, die nicht weniger will, als einen Mann ehren, der in seiner beruflichen und privaten Heimat  als Künstler in Vergessenheit gerät, während sein Werk zum Großteil in Museen gepflegt wird, vor allem in Zons und im Clemens-Sels-Museum Neuss .

Helmut Hahn ist 1928 in Mönchengladbach geboren, 2017 in Korschenbroich gestorben und hat den Großteil seines Berufslebens an der Fachhochschule Niederrhein in Krefeld verbracht, ab 1970 als Professor für Textil-Design. 1985 erhielt er den NRW-Staatspreis im Bereich Textil. Was nach Beständigkeit klingt, ist nur die äußere Schicht. Darunter trieb den Meisterschüler von Rolf Sackenheim (Düsseldorfer Kunstakademie) die stete Suche nach neuem künstlerischem Ausdruck. Er war Fotograf (unter anderem für die documenta), hat Bühnenbilder geschaffen, Gebrauchsgrafik und Tapetenentwürfe. Er war Maler und in gewissem Grad Textilkünstler: Von der Akademie ließ er sich für ein Jahr freistellen, um bei der Bauhaus-Textilkünstlerin Elisabeth Kadow in Krefeld zu studieren.

Rösner, Schülerin Hahns und seine Nachfolgerin an der heutigen Hochschule Niederrhein, hat sich für die Ausstellung einschränken müssen und sich auf die Tapisserie und die Zeichnungen konzentriert, die während seiner Zeit als Lehrer entstanden. Die Entwürfe offenbaren ein Gespür für neue Möglichkeiten im Design, die von der Industrie umgesetzt wurden als Tapeten, Drucke. Sensibel wirken die Zeichnungen mit haarfeinen handgezogenen Linien, die den Ästheten ausweisen und Neugier auf mehr wecken.

Eröffnung Sonntag, 26. Januar, 11.30 Uhr, Steinstraße 5. Dauer: bis 15. März.