Alte Feuerwache in Krefeld – Investor Leendertz muss warten

Stadtentwicklung : Alte Feuerwache – Leendertz muss warten

Der Verkauf der historischen Feuerwache an der Florastraße ist noch nicht erfolgt. Es gebe auch kein Notartermin, informierte die Stadt auf Anfrage unserer Redaktion. Zuvor müsse sich erneut die Politik mit dem Thema beschäftigen. Vor einem halben Jahr hatte der Finanzausschuss den Krefelder Wolf-Reinhard Leendertz zum Favoriten für den Erwerb gekürt.

Das Konzept des Krefelder Unternehmers und Investors Wolf Reinhard Leendertz für die historische Feuerwache hatte die Politik überzeugt. Unter dem Projektnamen „Elisabeth-Höfe“ sollen in den denkmalgeschützen Gebäuden und auf den übrigen Flächen an der Florastraße moderner Wohnraum, Büros und Gastronomie entstehen. Für einen Verkauf gab es dennoch keine Mehrheit. Leendertz wollte für das 21,6 Millionen Euro teure Vorhaben eine Projektgesellschaft als Erwerber gründen. Bevor die im Handelsregister eingetragen ist, die Gesellschafter bekannt sind und die Höhe des Gründungskapitals feststeht, sahen sich die Politiker außer Stande, Fakten zu schaffen.

So ist der Verkauf auch sechs Monate nach der Sitzung der Politik im nicht-öffentlichen Teil hinter verschlossenen Türen im Rathaus bislang nicht erfolgt. „Ein Notartermin ist noch nicht angesetzt. Die Sache wird zuvor dem Haupt- und Beschwerdeausschuss des Rates der Stadt Krefeld zum Beschluss vorgelegt“, erklärte Stadtsprecher Dirk Senger auf Anfrage unserer Redaktion.

Inzwischen äußern Vertreter unterschiedlicher Fraktionen Zweifel an der Richtigkeit der damaligen Entscheidung. Leendertz ist in großem Umfang unterwegs: Er will das Kesselhaus auf dem Mies-van-der-Rohe-Business-Park in eine Veranstaltungshalle umbauen; er hat die Zeche Niederberg in Tönisberg erworben und der Politik in Kempen seine Nutzungspläne wie die Eröffnung eines Bergbaumuseums vorgestellt; und er arbeitet darüber hinaus daran, in seinen Hallen an der Girmesgath ein Gastronomiekonzept für bis zu 300 Gäste zu verwirklichen. Das ein oder andere Ratsmitglied zweifelt etwas daran, dass der Krefelder Visionär Leendertz über ausreichende Kapazitäten verfügt, um alle Vorhaben parallel voranzutreiben.

Im Innenhof der historischen Feuerwache sieht das Konzept von Küppers Living den Bau  einer Kindertagesstätte vor. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Hinter dem Konzept „Elisabeth-Höhe“ rangierte die Bewerbung von Küppers Living auf Platz zwei. Die Immobilienentwicklungsgesellschaft von Jörg Weitzel hatte das wirtschaftlich beste Angebot eingereicht. Es lag dem Vernehmen nach um mehrere 100.000 Euro höher als das von Leendertz. Allerdings konnten sich einige Politiker nicht mit der Nutzung des Innenhofs anfreunden. Dort wollte Küppers Living eine viergruppige Kindertagesstätte bauen. Bis auf die alte Feuerwache, in der Büros eingerichtet werden sollen, würde auf dem Areal nahezu ausschließlich neuer Wohnraum entstehen. Mit Weitzel gemeinsam ging ein privater Co-Investor ins Rennen, um zu gewinnen. Das Duo, so war zu hören, steht nach wie vor in den Startlöchern, falls die Politik sich umentscheide.

Leendertz sieht dafür allerdings keinen Grund. Er habe die Projektgesellschaft inzwischen gegründet, erklärte er am Rand des Pressegesprächs zur Ausstellung „Mies im Westen“ auf seinem Areal im HE-Gebäude der früheren Vereinigten Seidenwebereien AG (Verseidag) vor wenigen Tagen. Die neue Gesellschaft sei darüber hinaus zu 100 Prozent Leendertz, sagte er auf Nachfrage.

Die 110 Jahre alte Feuerwache wird in seinem Konzept als „bedeutender stadthistorischer Wert“ und „wichtiger Identifikationspunkt“ gewürdigt. Am Ende sollen Neubauwohnungen mit einer Fläche von 6512 Quadratmetern bebaut sein; durch Umbau sollen 3540 Quadratmeter Nutzfläche entstehen; der ganze Komplex soll 90 Tiefgaragenplätze und eine gestaltete Außenanlage über 3458 Quadratmeter erhalten. Bei Sanierung und Umbau soll die historische Bausubstanz der 1909 entstandenen Feuerwache respektvoll und behutsam in das gesamte Quartier eingebunden werden. Der gesamte Komplex firmiert unter dem Namen „Elisabeth-Höfe“.

„Wir nutzen die Bekanntheit der ehemaligen Feuerwache und schaffen gleichzeitig einen Bezug zur Elisabeth-Kirche für das neue Wohnquartier“, heißt es in der Expertise. Die Namenswahl spielt geschickt auf die „Höfe“ in Städten wie Berlin mit den Hackeschen Höfen oder Leipzig mit seinen historischen Höfen an.

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