Krefeld: Als die Nazis Krefelds Bilder raubten

Krefeld: Als die Nazis Krefelds Bilder raubten

Vor rund 70 Jahren waren es auch im Krefelder Kaiser Wilhelm Museum ausgestellte Kunstwerke, die der Nazi-Vorstellung von Ästhetik zum Opfer fielen. Werke von Nolde und Campendonk und vielen anderen Krefelder Künstlern wurden ab dem 6. Juni beschlagnahmt. Anschließend waren sie in der Münchener Ausstellung "Entartete Kunst" zu sehen.

Am 15. Februar 1937 hatte Dr. Fritz Muthmann das Amt des Museumsdirektors übernommen, kaum vier Monate später musste er eine Kommission ins Haus lassen, die das Kaiser Wilhelm Museum am Karlsplatz um wichtige Werke der Gegenwartskunst beraubte. Muthmann, Mitglied der NSDAP, war anders als sein 1932 verstorbener Vorgänger Max Creutz, sowieso kein Freund der aktuellen Kunst. So gab es von seiner Seite keinen offensichtlichen Widerstand, als auf Befehl des Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda, Joseph Goebbels, "die Werke deutscher Verfallskunst seit 1910 auf dem Gebiete der Malerei und Bildhauerei zum Zwecke einer Ausstellung auszuwählen und sicherzustellen" waren.

Kommission holte Bilder ab

Zu der am 6. Juni aus Berlin nach Krefeld angereisten Kommission gehörten unter Führung des Präsidenten der Reichskammer für Bildende Künste, Adolf Ziegler, Heinrich Hoffmann, Wolfgang Willrich, Hans Schweitzer, der Ministerialrat Kummer und der Essener Museumsdirektor Dr. Graf von Baudissin. Sechs Ölbilder und acht Graphiken wurden ausgesucht und verpackt. Oberbürgermeister Dr. Heuyng verhinderte zuerst die Absendung, bis er von Ziegler den schriftlichen Befehl dazu erhielt.

Am 12. Juli gingen die Kunstwerke auf die Reise nach München. Schon sieben Tage später gehörten sie dort zu der Ausstellung "Entartete Kunst", mit der die Nazi-Regierung "Kulturzerfall" und "Kunstentartung" vorführen wollte. "Schön" sollte die Kunst sein, hatte Adolf Hitler bereits 1934 gefordert, man wollte eine "artreine, deutsche und ewige Kunst."

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Mehrere hundert Kunstwerke von 112 Künstlern, beschlagnahmt in 25 deutschen Museen, wurden dichtgedrängt und mit aufhetzenden Überschriften versehen, in der Gipsabguss-Sammlung des Archäologischen Instituts gezeigt. "Farbklecksereien" nannte man die Werke von Kubisten, Konstruktivisten, Dadaisten, Expressionisten und den Vertretern der Neuen Sachlichkeit.

Werke jüdischer Künstler wurden gesondert gezeigt, in einem Raum hatte man unter der Überschrift "Vollendeter Wahnsinn" unter anderem Werke von Klee mit denen von Geisteskranken verglichen. Am 27. August wurden weitere Arbeiten im Kaiser Wilhelm Museum beschlagnahmt. Eine genaue Zahl ist nicht zu rekonstruieren, die Zahl 98 ist geschätzt. Darunter waren auch Werke Krefelder Künstler wie von Wolf von Beckerath, Walter Giskes und Fritz Huhnen.

"Zugunsten des Reichs" waren die Werke versteigert worden, das KWM sollte anschließend 2680 Reichsmark aus dem Erlös erhalten. Ob diese Summe jemals angekommen sind ist ungewiss. Am Heiligen Abend 1941 schien für OB Dr. Heuyng "die Frage unserer ehemaligen Bestände an entarteter Kunst erledigt zu sein."

(RP)
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