Krefeld: Als der Rhein zufror

Krefeld : Als der Rhein zufror

Eisgang auf dem Rhein hatte in den vergangenen Jahrhunderten oft verheerende Folgen. Menschen und Vieh ertranken, als die aufgestauten Fluten in Uerdingen einbrachen. Später wurde das Eis zur Sensation. Menschen musizierten und sangen auf dem zugefrorenen Rhein.

Die tiefen Temperaturen dieser Tage lassen in Seen und Kanälen das Wasser gefrieren. Die Zeiten, in denen auch Eis auf dem Rhein trieb oder der Strom sogar zufror, sind Geschichte. Einen letzten schweren Eisgang haben die Krefelder im Winter 1941/42 erlebt. Über Jahrhunderte bedrohte das Eis auf dem Fluss die Sicherheit der Uerdinger. Angestautes Wasser überflutete immer wieder die Straßen der Rheinstadt und hinterließ Zerstörung und Tod. Mit der westlichen Verlegung der Stadt Uerdingen Ende des 13. Jahrhunderts hörte die Bedrohung durch den Rhein nicht auf. Besonders gefährlich wurde es, wenn der Rhein zufror und die Eisschollen das Wasser stauten.

Kirchenschiff brach zusammen

1784 setzte sich Eis vor der Uerdinger Burg fest. Das Geräusch des sich setzenden Eises soll man bis Bockum gehört haben. Am 29. Februar brach dann die Rheinflut in die Stadt ein. Pferde und Kühe ertranken. Eine schlimme Katastrophe sollte im Winter 1798/99 über die Stadt hinein brechen. „Wir sahen noch wirklich ohnweit unter unserer Stadt den Rhein von den ungeheuren, unsern Mauern vorbei getriebenen Eisbergen abgedämmt“, schrieb Pastor H. Kauffmans. Uerdingen wurde bald überflutet. Die Kälte ließ das Wasser auf den Straßen und in den Häusern gefrieren. Die Menschen verharrten in den oberen Stockwerken. Brot und Feuerholz waren bald aufgezehrt. Die Angst war groß, dass die Häuser dem Druck nicht standhielten. Das Wasser fiel langsamer als erwartet. Der Schaden hielt sich so erst in Grenzen. Doch am 14. Februar 1799 brach das Kirchenschiff von St. Peter durch die Flutfolgen in sich zusammen.

In den nächsten 200 Jahren kamen noch viele schlimme Eisgänge und Hochwasser. 1824 war Uerdingen vier Wochen von der Außenwelt abgeschlossen. 1855 richtete ein Hochwasser nach einem Eisgang nochmals große Schäden an.

Später wurde Eis auf dem Strom dann zur Sensation: Im Januar 1891 strömten die Menschen zu Tausenden auf den zugefrorenen Fluss. Musikkapellen spielten, Chöre sangen, warme Getränke wurden angeboten. 1941 und 1942 froren Rhein und Hafen nochmals so zu, dass sich Eis bei Uerdingen staute, Menschen über den zugefrorenen Fluss gehen konnten und es sogar Schiffe aus dem Wasser drückte.

(RP)
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