Siempelkamp-Gruppe in Krefeld: Alle Standorte im In- und Ausland sind voll ausgelastet

Siempelkamp-Gruppe in Krefeld: Alle Standorte im In- und Ausland sind voll ausgelastet

Die Geschäfte brummen, die Auftragsbücher sind voll, alle Standorte sind ausgelastet und die Firmengruppe Siempelkamp aus Krefeld investiert allerorten. Der Maschinenbauer mit eigener Gießerei aus Krefeld setzt sich auf den Weltmärkten durch und peilt neue Rekordumsätze an. Eine wichtige Rolle spielt die NIS Ingenieurgesellschaft - die Spezialisten für den Reaktorrückbau.

Firmenlenker Hans W. Fechner ist zu beneiden. Der Sprecher der Geschäftsführung der Siempelkamp-Gruppe aus Krefeld hat das Feld des Traditionsunternehmens mit seiner Mannschaft bestellt. Wenige Monate vor seinem Ausscheiden in den Ruhestand sind die Perspektiven für Siempelkamp glänzend. Systematisch und langfristig hat sich die Gruppe neu aufgestellt und dabei den Fokus auf Internationalität und gesamtheitliche Lösungen gelegt. Die Auftragsbücher sind voll, die Arbeitsplätze sicher. "Wir sind an allen Standorten im In- und Ausland voll ausgelastet", berichtet Fechner.

Expansion und Investitionen sind die Folge. Rund 20 Millionen Euro steckt Siempelkamp jährlich in die Optimierung der Infrastruktur, in Forschung und Digitalisierung. "Das machen wir nicht nur nach besonders erfolgreichen Geschäftsjahren, sondern regelmäßig", betont Fechner. Siempelkamp stecke sein Geld in den Betrieb und verzichte auf repräsentative Protzbauten. Viele deutsche und internationale Konkurrenten im Großanlagenbau hätten in den zurückliegenden Jahrzehnten die Segel streichen müssen wie beispielsweise Babcock und Lentjes.

Das Firmengelände der Firma Siempelkamp im Inrath hat eine lange Tradition als Industriestandort. 1905 produzierte dort das Stahlwerk Krefeld. Foto: SK

Siempelkamp peile in der näheren Zukunft die Milliarde-Umsatz-Grenze an. Das Ziel solle auch durch Zukäufe erreicht werden. Viele spezialisierte Mittelständler hätten Probleme, eine Nachfolgeregelung zu finden. Das sei auch bei Pallmann in Zweibrücken so gewesen. Die 100-prozentige Übernahme habe Siempelkamp weit nach vorn gebracht. Die Gruppe könne nun Komplettlösungen für die Holzwerkstoffindustrie liefern, ohne mit Fremdfirmen kooperieren zu müssen.

In den USA seien zuletzt fünf Großaufträge vergeben worden, von denen Siempelkamp vier erhalten habe. "Das sagt einiges über unserer Qualität aus", sagt Fechner. Die Krefelder profitieren von der Haltung des US-Präsidenten. Donald Trump forciert das Besinnen auf amerikanische Arbeitnehmertugenden. Die USA habe Möbel aus China gekauft. In Zukunft wollen die Amerikaner sie selbst herstellen. "Und dazu liefern wir ihnen die kompletten Produktionsanlagen", berichtet Fechner. Siempelkamp sei der Sieger im Punkt Marktanteile in den USA.

An der Siempelkamp Straße im Inrath ist die Siempelkamp-Gruppe (rechts im Hochhaus) und die Tochter Büttner (links) ansässig. Foto: THomas Lammertz

Genauso positiv liefen die Geschäfte in China. Am Standort Quingdao haben die Krefelder die Fläche ihres Standorts um 50 Prozent vergrößert und planen dort den Bau neuer Hallen und den Kauf neuer Maschinen. Sieben Millionen Euro sehe der Etat dafür vor. Das Vorhaben, den gemieteten zweiten Standort Wushi aufzugeben, sei auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Zu gut laufen die Geschäfte, als dass der Verzicht auf Wushi Sinn machen würde.

Türkei und Russland - weitere Hotspots der internationalen Politik - seien weitere Märkte, auf denen Siempelkamp agiert, ohne von Sanktionen oder anderweitigen Restriktionen beeinträchtigt zu sein. "Das Jahr 2018 hat ausgesprochen gut begonnen", sagt Fechner. Fürs erste Quartal stehe ein Auftragseingang von 210 Millionen Euro in den Büchern, Ende dieses Monats werde er bei 300 Millionen Euro liegen. Drei Großaufträge aus Russland, Litauen und die Ukraine seien erteilt.

Die Versuchshalle wird aufgewertet: Bald können dort Kundenwünsche an Großmaschinen getestet werden. Foto: Lammertz Thomas

"Mit unseren Anlagen zur Herstellung von Spanplatten lassen sich keine Panzerteile fertigen", sagt Fechner gewohnt salopp, warum Siempelkamp von Russland-Sanktionen nicht betroffen sei. Die Krefelder Komplettlösungen seien inzwischen unabhängig von US-Komponenten. "Das vereinfacht die Sache", erklärt der Sprecher der Geschäftsführung. Die Geschäfte mit Russland hätten eine lange Tradition und reichten zurück bis in die Zarenzeit.

16 Jahre lang lenkte Hans Fechner die Geschicke.... Foto: Lammertz Thomas
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Die Internationalität der Siempelkamp-Gruppe zahle sich aus. Das Geschäft im Maschinen- und Anlagenbau brumme. "Wir verbessern die Lebenswelten der Menschen", sagt Fechner. In Indien und China wollten 2,4 Milliarden Menschen schöner Wohnen. Die Nachfrage nach Holzwerkstoffplatten für die Möbelindustrie, für Fußböden und die Bauindustrie sei enorm.

... der Siempelkamp-Gruppe in Deutschland... Foto: Lammertz Thomas

Auch das Thema Mobilität sei von Siempelkamp bestens besetzt. Die produzierten Pressen und Großgesenkschmieden würden für die Herstellung von Lkw-Felgen aus Aluminium ebenso benötigt, wie für die Produktion von Turbinen in der Luft- und Raumfahrtindustrie.

... und an Standorten in China und Tschechien. Foto: Lammertz Thomas

Jedes erfolgreiche Geschäftsmodell verfüge über einen einzigartigen Wettbewerbsvorteil, so der studierte Ingenieur. Für Siempelkamp sei es die Kompetenz zur Lieferung von Komplettlösungen. "Jede einzelne Prozessmaschine kommt von uns oder einer unserer Töchter", berichtet Fechner. Von der Planung über die Holzbearbeitung, die Trocknung der Späne und die Produktion der Holzwerkstoffplatten bis hin zur Energielieferung, Steuerung und Wartung stammt alles von der Siempelkamp -Gruppe.

Derzeit werten die Krefelder ihr Versuchsfeld wieder auf. Auf dem Gelände im Inrath wird eine so genannte ContiRoll (Presse zur kontinuierlichen Herstellung von Spanplatten unterschiedlicher Breiten und Dicken) modernster Bauart aufgestellt, um Tests für die unterschiedlichen Kundenbedürfnisse zu fahren.

Parallel entsteht am Standort eine neue Versand- und Mehrzweckhalle für die Lagerung und Verpackung der Einzelteile aus der Gießerei und der Maschinenfabrik. Die Halle verfügt über einen 240-Tonnen-Kran. "Die gefertigten Großteile müssen wir unter Dach halten, damit sie nicht der Witterung ausgesetzt sind. Dadurch schaffen wir Platz in den Fertigungsbetrieben und können so die Produktion steigern", sagt Fechner.

Der Gießerei-Standort habe eine lange Geschichte. Im Jahr 1905 begannen dort die Aktivitäten des Stahlwerks Krefeld. Vor genau 60 Jahren verkaufte die Kleinewefers-Gruppe den Betrieb an Siempelkamp.

(sti)
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