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Affenhaus-Brand im Krefelder Zoo: Frauen verzichten auf Gang vors Gericht

Prozess um Affenhaus-Brand im Krefelder Zoo : Frauen verzichten auf Gang vors Gericht

Die Frauen, die den Brand des Affenhauses verursacht haben,  werden ihre Einsprüche gegen die Strafbefehle über 180 Tagessätze wohl zurückziehen. Mit dieser Anzahl der Tagessätze gelten die drei künftig als vorbestraft.

Den Weg vor Gericht und damit in die Öffentlichkeit wollen sie dann doch nicht gehen: Die drei Frauen, denen vorgeworfen wird, den Brand des Krefelder Affenhauses mit einer unzulässigerweise gestarteten chinesischen Himmelslaterne ausgelöst zu haben, werden wohl nicht vor Gericht ziehen. In den Strafverfahren gegen die drei komme es „vermutlich nicht zu einer Hauptverhandlung“. erklärte am Montag eine Sprecherin des Amtsgerichts.

Hintergrund: Die drei Frauen im Alter von 34, 37 und  59 Jahren  – es handelt sich um eine Mutter und ihre beiden Töchter – waren mit Strafbefehl vom 24.Juli 2020 vom Amtsgericht wegen fahrlässiger Brandstiftung jeweils zu einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen teils unterschiedlicher Höhe verurteilt worden. Die Angeklagten hatten gegen die Strafbefehle zunächst  Einspruch eingelegt – eine Entscheidung, die seinerzeit mit Kopfschütteln bedacht worden war, weil damit das Risiko bestand, dass die drei Frauen, die weitgehend anonym leben, in dem dann öffentlichen Prozess  sich hätten rechtfertigen müssen.

Doch zwei der Angeklagten haben nun ihren Einspruch zurückgenommen. Die Verurteilung ist damit rechtskräftig. Eine der beiden Angeklagten war zu einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu je zehn, die andere zu einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu je 50 Euro verurteilt worden. Die dritte hat den Einspruch  lediglich auf die Höhe der Tagessätze beschränkt; sie war ebenfalls zu einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu je 50 Euro verurteilt worden. Damit ist auch im Hinblick auf die dritte Angeklagte die Verurteilung wegen fahrlässiger Brandstiftung zu 180 Tagessätzen rechtskräftig; das Amtsgericht Krefeld habe nun einzig darüber zu befinden, inwieweit die Höhe der Tagessätze richtig bemessen worden sei, hieß es weiter. Dies könne im Wege des schriftlichen Verfahrens durch Beschluss geschehen, soweit die Angeklagte, ihr Verteidiger und die Staatsanwaltschaft dem zustimmten.

Bei einem Strafbefehl setzt das zuständige Amtsgericht auf Antrag der Staatsanwaltschaft eine Strafe fest, ohne dass es eine Verhandlung gegeben hat. Per Strafbefehl können nur Geldstrafen und Freiheitsstrafen von bis zu einem Jahr auf Bewährung verhängt werden. Alle drei Frauen gelten bei 180 Tagessätzen als vorbestraft. Die Schwere der Schuld spiegelt sich in der Anzahl der Tagessätze wider, die Höhe eines Tagessatzes bestimmt das Gericht unter Berücksichtigung der persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse des Täters. Dabei geht es in der Regel von dem Nettoeinkommen aus, das der Täter durchschnittlich an einem Tag hat oder haben könnte. Jeweils abzuziehen sind etwa Unterhaltsverpflichtungen.

Die Frauen hatten nach Überzeugung des Gerichts in der Silvesternacht gemeinsam gegen 0.30 Uhr in Bockum in der Nähe des Zoos fünf sogenannte chinesische Himmelslaternen aufsteigen lassen – und zwar gemeinschaftlich. Zwei Frauen hielten die jeweilige Himmelsleuchte fest, während die dritte die am unteren Teil der Leuchte auf einer Metallvorrichtung angebrachte Brennpaste entzündete. Nachdem sich die Brennpaste entzündet hatte, hielten zwei der Angeklagten die jeweilige Himmelsleuchte noch einige Zeit fest, damit sich die in der Himmelsleuchte befindliche Luft ausreichend erhitzen konnte – diese Art Flugkörper funktioniert im Prinzip wie ein Heißluftballon. Nachdem sich die Luft ausreichend erhitzt hatte, ließen die beiden Angeklagten die Himmelsleuchte aufsteigen.

Das Problem: Diese Fluglaternen sind in NRW verboten. Aus gutem Grund: Es hatte in der Vergangenheit schwere Unfälle damit gegeben, wenn sie auf Dächern landeten und über die brennende Paste ein Feuer auslösten.

 So war es auch beim Krefelder Affenhaus: Eine der von den Angeklagten entzündeten Himmelslaternen sank auf das Dach des Gebäudes und löste das Feuer aus, bei dem letztlich bis auf zwei Schimpansen alle Tiere umkamen und das Haus zerstört wurde.

Das Gericht zeigte sich in der Begründung für den Strafbefehl überzeugt, dass die drei Frauen um die Gefahr, die von Fluglaternen ausging, hätten wissen müssen. Sie hätten, so erklärte die Sprecherin des Amtsgerichtes wörtlich, „bei Anwendung der erforderlichen Sorgfalt erkennen können und müssen, dass Himmelsleuchten nach ihrem Aufstieg ein nicht mehr kontrollierbares Flugverhalten aufweisen und aufgrund der in ihnen befindlichen offenen Flamme bei einem Auftreffen auf ein Gebäude einen Brand verursachen könnten.“ Dies galt für die Richter umso mehr, da die Himmelsleuchten innerhalb eines dicht bebauten Wohngebietes und in unmittelbarer Nähe des Zoogeländes entzündet worden waren.