„Schlemmen im Advent“ So klappt das Backen mit Kindern ohne Stress

Serie | Krefeld · Beim Backen und Kochen mit Kindern gelten andere Regeln als beim Zubereiten von Speisen mit Erwachsenen – sonst kann es schnell in Stress ausarten. Wie alle Spaß daran haben und welche Rezepte immer klappen, verrät Expertin Britta Hoffmann.

 Zwei Kinder stechen mit Förmchen Plätzchenteig aus.

Zwei Kinder stechen mit Förmchen Plätzchenteig aus.

Foto: dpa-tmn/Benjamin Nolte

Die Zuckerperlen rollen quer durch die Küche, der Plätzchenteig landet öfter im Kindermund als auf dem Backblech, und die ausgestochenen Kekse ähneln eher einem übergewichtigen Pudel als einem Weihnachtsengel. Nein, Backen mit Kindern ist nichts für Perfektionisten. Doch irgendwie gehört es zur Adventszeit dazu, und so müssen auch diejenigen, die es nicht so gerne machen, über ihren Schatten springen. Zum Glück gibt es Menschen wie Britta Hoffmann, die sich bestens mit dem Thema auskennen und die sogar für Eltern, die gerne mit Kindern backen und kochen, noch wertvolle Tipps parat hat.

Das Wichtigste vorab: „Erwachsene müssen ihre Anspruchshaltung runterregulieren und auch mal fünf gerade sein lassen“, sagt Hoffmann und lacht. Es muss also nicht alles perfekt sein, weder beim Aussehen der zubereiteten Speisen noch beim Rezept. „Ich erkläre den Kindern gerne, dass es für viele Zutaten auch Alternativen gibt, und dann probieren wir herum oder backen Kuchen und Plätzchen, die sich leicht unterscheiden, um herauszufinden, welche uns am besten schmecken.“ Hoffmann, die ursprünglich aus der Medizin kommt und ihr Glück später im kreativen Umgang mit Kindern gefunden hat, kocht seit Langem mit Kita-Kindern und Schülern. Kreativität legt sie auch beim Backen an den Tag: „Wir experimentieren mit verschiedenen Mehlsorten, mal Weizen, mal Dinkel. Wir tauschen weißen Zucker gegen braunen oder gegen Honig aus. Statt Limo in die Muffins zu geben, verwenden wir gesündere Alternativen wie Orangensaft mit Sprudelwasser. Die Kinder lernen so, dass ein Rezept nichts ist, das feststehend ist, sondern dass sie auch Ideen haben dürfen.“

Alle Eltern, die jetzt Schnappatmung bekommen, dürfen sich beruhigen: Das bedeutet nicht, dass in der Küche Chaos herrschen muss. „Manche Zutaten und Reihenfolgen muss man natürlich einhalten, damit das Rezept gelingt. Die Kinder haben aber auch Spaß daran, wenn man ihnen Schritt für Schritt erklärt, was als nächstes gemacht werden muss und warum“, sagt Hoffmann. Dabei unterscheidet sich das Backen und Kochen mit den Kindern verschiedenen Alters nur wenig. „Die Kita-Kinder machen gerne einen Tassenkuchen, da sie dann alle Zutaten in Tassenmengen berechnen können – das ist für sie ganz einfach. Mit den älteren Kindern stelle ich mich schon mal vor eine Lebensmittelpyramide, um ihnen zu zeigen, von welchen Produkten wir weniger verwenden sollten und was wir in großen Mengen beim Kochen nutzen können. Selbst ich erschrecke manchmal, wenn ich sehe, welche gewaltigen Mengen Zucker in manchen Süßspeisen drin sind.“ Manchmal lässt Hoffmann auch einen gesunden und einen ungesunden Kuchen backen, nur um zu sehen, wie die Kinder reagieren, wenn sie probieren. Spoiler-Alarm: Der Gesunde schmeckt meistens mindestens genauso gut.

Das Kochen mit Kindern kann für Groß und Klein zu einem tollen Spaß werden, wenn man sich mit den Zutaten auseinandersetzt. „Wir haben in der Schule einmal vier verschiedene Apfelkompott gemacht aus vier verschiedenen Apfelsorten. Jeder durfte probieren und sagen, welche Sorte am besten schmeckt. Einige wussten gar nicht, dass es verschiedene Apfelsorten gibt“, sagt Hoffmann. Und genau da bliebe beim Kochen in manchen Familien die Kreativität auf der Strecke. „Die Erwachsenen haben früher einfach viel mehr Lebensmittel gekannt. Das ist in den vergangenen Jahren drastisch in den Keller gegangen.“

Dass Kinder beim Essenzubereiten nicht nur etwas über Lebensmittel lernen können, sondern auch ihr Selbstbewusstsein stärken, sei ein bedeutender Nebeneffekt. „Bei mir bekommen alle Kinder ein Küchenmesser in die Hand gedrückt, das zwar weniger scharf ist, aber es sind richtige Schälmesser.“ Heißt: Man darf den Kindern etwas zutrauen und muss als Erwachsener nicht alles selbst machen – denn das ist für Kinder langweilig und ein Motivationskiller. „Die Kinder müssen es ja lernen, wie man mit einem Messer oder einem Feuerzeug und Streichhölzern umgeht“, sagt Hoffmann. Man sollte den Kindern keine Angst machen, sondern sie Ernst nehmen und Gefahren erklären. „Wir wollen den Kindern doch etwas mit auf den Weg geben – sie dürfen lernen.“

Und wie sieht es mit den Rezepten aus? Mit Kindern muss es doch einfach und schnell gehen, richtig? „Nein“, sagt Hoffmann. Es darf sogar kompliziert sein, das mache den Kindern weniger aus als manchem Erwachsenen. „Es sollte immer etwas an dem Rezept dran sein, was die Kinder reizt.“ Und es darf auch etwas gekocht werden, von dem die Kinder zunächst sagen, sie mögen es nicht. „Ich hatte mal einen Schüler, der sagte, Zuhause bei ihm wird kein Gemüse gegessen. Woher soll er dann wissen, wie lecker es ist? Ein Mädchen meinte, sie mag kein Kartoffelpüree, das bezog sich aber auf den aus der Schulkantine. Den Selbstgemachten mochte sie dann. Die Kinder sind natürlich auch stolz auf das, was sie gekocht oder gebacken haben. Die finden es einfach richtig toll“, sagt Britta Hoffmann.

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