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Adler will nach 31. Januar wieder öffnen

Wirtschaft in Krefeld : Adler will nach 31. Januar wieder öffnen

Die Entscheidung über den Antrag zur Insolvenz in Eigenverwaltung der Mode-Handelskette ist noch nicht gefallen. Das Amtsgericht bestellte zunächst einen Gutachter, um die Voraussetzungen zu prüfen.

Die Entscheidung über den Insolvenzantrag des Textilhändlers Adler Modemärkte kann noch einige Tage auf sich warten lassen. Das Amtsgericht Aschaffenburg habe ein Gutachten in Auftrag gegeben, das die Voraussetzungen für den Antrag prüfen soll, sagte eine Gerichtssprecherin am Dienstag. Gutachter sei der Mannheimer Anwalt Tobias Wahl, ein Experte für Unternehmensrestrukturierungen. Erst danach werde entschieden, ob sich Adler wie beantragt in Eigenverwaltung – also ohne einen Insolvenzverwalter – sanieren darf.

Im März vor 20 Jahren hat der Adler Modemarkt im Krefelder Hansazentrum auf 2150 Quadrametern Verkaufsfläche seine damals 91. Filiale in Deutschland eröffnet. Mit 40 Beschäftigten ging die Handelskette in der Seidenstadt an den Start. „Der Geschäftsbetrieb von Adler soll unverändert weiter betrieben werden“, sagt eine Unternehmenssprecherin auf Anfrage der Redaktion und erklärt, dass geplant sei, sämtliche Standorte in Deutschland, also auch der in Krefeld, nach dem 31. Januar wieder zu eröffnen. Mit dem Insolvenzplan in Eigenverwaltung solle, so die Sprecherin weiter, das Unternehmen für die Zeit nach Corona zukunftsfähig gemacht werden. Das Unternehmen aus Haibach bei Aschaffenburg hatte am Montag angesichts geschlossener Läden in der Coronakrise Insolvenz wegen Überschuldung angemeldet.

Die angeordnete Corona-Schließung fast aller 171 Geschäfte habe zu einem neuerlichen Umsatzeinbruch und einer „Liquiditätslücke“ geführt, hatte Adler erklärt. Es sei nicht gelungen, frisches Geld von Investoren oder Staatshilfen zu bekommen. Überschuldung liegt vor, wenn ein Unternehmen in absehbarer Zeit seine finanziellen Verpflichtungen nicht mehr erfüllen kann. Offenbar hatte Adler angesichts der prekären Lage keine positive Fortführungsprognose von einem externen Experten mehr bekommen. Mit dieser Bestätigung einer guten Sanierungschance ließe sich eine Insolvenz wegen Überschuldung aushebeln.

Adler hatte im Frühjahr einen Hilfskredit über 69 Millionen Euro erhalten, der mit einer Staatsbürgschaft abgesichert war. Bis Ende Oktober hatte das Unternehmen mit 3350 Mitarbeitern nur einen Teil davon gezogen. Der Umsatz brach in den ersten neun Monaten - also schon von dem zweiten „Lockdown“ in Deutschland - um ein Drittel ein, der Verlust summierte sich auf 63 Millionen Euro.

„Die Handelsunternehmen aus den Bereichen Bekleidung, Schuhe, Spielwaren sowie Uhren und Schmuck sind nach wie vor weit von den vor der Krise gewohnten Umsätzen entfernt“, sagte Stefan Genth vom Handelsverband Nordrhein-Westfalen frühzeitig. „Die schlechte Situation vieler vor allem in den Innenstädten ansässiger Händler bereitet große Sorgen“, so Genth weiter. Gerade die Bekleidungshändler hätten eine immense Bedeutung für attraktive Stadtzentren.