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Abitur: Brief aus Krefeld findet Tausende Unterstützer im Land

Abiturprüfungen NRW : Brief aus Krefeld findet Tausende Unterstützer im Land

Abiturienten vom Stadtpark-Gymnasium fordern in einem Brief an die NRW-Schulministerin: Jeder Schüler soll selbst entscheiden, ob er geprüft wird.

Krefelder Abiturienten vom Stadtpark-Gymnasium Krefeld haben in einem Brief an NRW-Schulministerin Gebauer gefordert, dass jeder Abiturient selbst entscheiden darf, ob er sich Abiturprüfungen unter Corona-Bedingungen unterzieht oder Noten aufgrund der Vorleistungen akzeptiert. Der Brief findet überregional Unterstützer, die Krefelder Initiatoren haben mittlerweile mehr als 3000 zustimmende Mails aus ganz NRW bekommen.

„Wir haben einigen Freunden und Bekannten auch aus anderen Schulen davon erzählt“, berichtet Felix Heilemann, der das Schreiben mit drei Mitschülern initiiert hat, „am Sonntag ging es los, von da an wurden wir mit Emails überhäuft. In den ersten 24 Stunden haben wir deutlich über 3000 Mails von Abiturienten bekommen, die unser Schreiben unterstützen Wir kommen gar nicht hinterher, alle Mails zu sichten und zu beantworten.“

Gemeinsam mit seinen Mitstreitern fügte er die Unterstützer geordnet nach Schulen dem Schreiben an. So wuchs das Dokument schnell auf mehr als 25 Seiten an. „Alle Krefelder Gymnasien und Gesamtschulen sind vertreten, aber es geht auch deutlich über Krefeld hinaus. Wir haben Unterstützer aus praktisch ganz NRW“, erzählt er. Zustimmung gab es demnach sogar aus  Baden-Württemberg und Berlin. „Wir haben geantwortet, dass Bildung Ländersache sei und wir uns an die NRW-Landesregierung wenden und die Unterstützung folglich nicht annehmen könnten“, sagt der 18-järhige Schüler.

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Den Brief hat Heilemann zusammen mit Emil Kreten, Lorenz Kowalle und Luke Wiedefeld verfasst und am vergangenen Donnerstag auf den Weg gebracht.  Die Schüler entfalten in sechs Punkten ihre Argumentation gegen  eine Zwangsbeteiligung aller Abiturienten an Prüfungen in diesem Jahr. Kernpunkte bilden: Die Schüler sehen die Chancengleichheit nicht gewahrt, sie empfinden die Vorbereitung auf die Prüfungen als unzureichend, und sie sehen gesundheitliche Gefahren, die in keinem Verhältnis zu dem Nutzen einheitlicher Prüfungen stehen. Die Schüler stellen auch in Aussicht, die beim Verzicht auf Prüfungen gewonnene Zeit in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen: „Als Abiturienten könnten wir der Gesellschaft ohne das Wackelthema Abitur im Hinterkopf in vielen Formen in der Krise weiterhelfen, zum Beispiel als Erntehelfer oder Ähnliches“, heißt es in dem Schreiben.

Den Vorwurf mangelnder Chancengleichheit machen die Schüler vor allem an zwei Punkten fest: Die technischen Voraussetzungen für den teils angebotenen Online-Unterricht seien sehr unterschiedlich; zudem seien die Schulen von Gymnasium zu Gymnasium an je verschiedenen Punkten des Stoffes gewesen, als die Schulen am 13.März geschlossen worden seien. Unterm Strich kommen die Schüler zu dem Schluss: „„Eine richtige Abiturvorbereitung ist demnach unserer Auffassung nach nicht möglich.“

Die Schüler sehen auch gesundheitliche Risiken möglicher Ansteckungen bei den Prüfungen und weisen auf die hygienischen Voraussetzungen und die räumliche Enge in den Schulen. Vor diesem Hintergrund werfen sie die Frage auf, ob das Risiko angemessen ist: „Ob man uns Schüler dazu verpflichten sollte, uns einem vermeidbaren Infektionsrisiko auszusetzen, sehen wir als fragwürdig und im Falle einer sich nicht eindeutig bessernden Lage als fahrlässig an“, schreiben sie.

Dass die Freunde nun landesweit für Aufsehen sorgen, war keinesfalls der Plan. „Eigentlich wollte ich nur einen Brief schreiben und meine Gedanken äußern. Schon die große Unterstützung in meiner Stufe hat mich überrascht. Ich glaube, von rund 85 Stufenkameraden haben etwa 50 unterschrieben. Aber als es dann solche Ausmaße annahm, hat mich das wirklich überrascht“, berichtet Heilemann.

Wie würde er selbst entscheiden, sollte ihr Vorschlag tatsächlich angenommen werden? „Ich würde nicht schreiben. Ich würde mit den bestehenden Noten mein Abitur annehmen“, sagt der junge Mann wie aus der Pistole geschossen.