Krefeld: Ab Sonntag heißt es: Willkommen im Club

Krefeld : Ab Sonntag heißt es: Willkommen im Club

Am Sonntag darf die Welt in den Club: Das Architekturmodell des von Ludwig Mies van der Rohe geplanten Golfclubhauses am Egelsberg wird eröffnet. Architekten nennen es eine Ikone der Baukunst.

Gegen das Kreischen der Sägen kommt Paul Robbrechts Stimme kaum an, denn es ist ein bewegender Moment für den Architekten: Ein außergewöhnliches Projekt, das ihn wie kaum ein anderes fasziniert habe, geht zu Ende. "Es tut mir leid, dass ich nicht in der Sprache von Mies reden kann", sagt er in Englisch. Dass der Belgier hingegen die Stil-Sprache des Bauhaus-Architekten Ludwig Mies van der Rohe fließend beherrscht, ist offensichtlich.

Architekt Paul Robbrecht steht mit dem Rücken zur Zufahrt, die markant in die Landschaft ragt, und erklärt Mies' Raumkonzept: Wer so ankommt, blickt gegen eine massive Wand, die er umgehen muss, um dahinter wieder Landschaft zu entdecken. So kann Architektur Blick- und Gangrichtungen steuern. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Robbrecht hat mit seinem Team am Egelsberg Pläne des großen Baumeisters in Originalgröße umgesetzt, die der 1930 für einen Golfclub geplant hatte. Noch ist einiges zu tun, bis das begehbare Architekturmodell am Sonntag, 11 Uhr, eröffnet wird. Es ist ein Projekt von Weltrang. Denn von Mies sind nur wenige Bauten aus seiner großen Zeit bis 1930 erhalten und öffentlich zugänglich.

Im überdachten Terrassenbereich werden Steinplatten verlegt: Typisch Mies ist das strenge Raster von einem Quadratmeter. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Das Projekt soll ein bisschen nach "Bauhaus-Ruine" aussehen. Denn das vom Verein "Projekt MiK — Mies in Krefeld" initiierte Unterfangen soll mehr sein als eine Rekonstruktion von niemals umgesetzten Plänen: eine Auseinandersetzung mit Mies' Idee, Bauwerke in die Landschaft zu fügen. "Einerseits hat Mies sehr präzise Vorgaben gemacht", sagt Robbrecht, der die Originalpläne und die dreiseitigen Erläuterungen, die im Museum of Modern Art in New York aufbewahrt werden, minutiös studiert hat.

"Aber über vieles gab es keine Angaben — das haben wir weggelassen." Spekulieren sei seine Sache nicht. Man weiß nicht, ob die Fassade aus Backstein geplant war — wie bei den Häusern Esters und Lange, auch das Material der Innenwände ist nicht angegeben. Robbrecht tippt für die große Wand am Eingang auf Onyx, dessen Farbe und Maserung Mies sehr geschätzt habe.

Nun ist aus Holz und Stahlträgern ein 90 mal 90 Meter großer Rohbau entstanden, in dem Besucher nachempfinden können, wie Mies Raumgefühl und Blickrichtung gelenkt hat, wie Wände durchbrochen werden, um Landschaft in Szene zu setzen. Wer sich durch die lange Einfahrt, die wie ein Fühler in die Landschaft ragt, nähert, wird von einer massiven Wand gebremst. Er muss um die Wand herum, um den Blick durch eine der zahlreichen Fensterfronten — die nur mit glaslosen Rahmen angedeutet werden — einem atemberaubenden Panorama zu begegnen: Die Mühle, goldener Raps und vom Wind bewegte Wiesen und Felder wirken aus der erhöhten Position auf dem Hügel so schön, wie man sie sonst niemals wahrnimmt.

150 000 Reichsmark hätte der Golfclub vor 80 Jahren gekostet, plus weitere 30 000 für die Innenausstattung mit den berühmten Barcelona Chairs und anderem Mies-typischen Mobiliar. "Heute muss man das Zehnfache rechnen. Aber ob es dafür mit den heutigen Auflagen zu realisieren wäre, bezweifle ich", sagt Mies-Experte Professor Wolf Tegethoff. 840 000 Euro hat das Projekt gekostet — das meiste kam durch Spenden zusammen: 100 000 Euro gab die Sparkassen-Kulturstiftung, das Gros akquirierte der Verein MiK von Privatpersonen und die fehlenden 240 000 Euro steuerte die Kulturstiftung des Bundes bei.

Bis 27. Oktober ist das Modell zu besichtigen.

(RP/rl)