Krefeld: Ab 2015 droht Abgabe von Fundtieren im Krefelder Rathaus

Krefeld : Ab 2015 droht Abgabe von Fundtieren im Krefelder Rathaus

Das Krefelder Tierheim kommt mit dem städtischen Zuschuss nicht aus. Findet sich nicht schnell eine Lösung im Vertragspoker mit der Stadtverwaltung, dann will das Tierheim keine Fundtiere mehr annehmen.

Die Fronten im Vertragspoker zwischen der Krefelder Stadtverwaltung und dem "Tierschutzverein Krefeld und Umgebung" als Träger des Tierheims haben sich verhärtet. Alle Verhandlungen bisher scheiterten. Das Tierheim hat nun angekündigt, dass es ab 1. Januar 2015 keine Fundtiere mehr annehmen könne, aus "rein rechtlichen Gründen" nicht. Stattdessen wäre die Stadtverwaltung dann für die Fundtierannahme verantwortlich. "Wir kommen mit den städtischen Zuschüssen einfach nicht aus, die Finanzlage zwingt uns zu diesem Schritt", sagte Thomas Sprünken, Vorsitzender des Trägervereins, gestern bei einer Pressekonferenz.

Die Situation ist verfahren. Den bisherigen Vertrag zur Fundtierannahme mit der Stadt hatte das Tierheim 2011 gekündigt, so dass der Vertrag Ende 2014 ausläuft. Als Grund für die Kündigung führte Sprünken die ungeklärte Finanzierung an. Rund 105 000 Euro hat laut Tierheim bisher die Stadt jährlich als Pauschale gezahlt, die Gesamtkosten lägen aber, so Schatzmeister Jürgen Plein, bei rund 460 000 Euro.

Die Stadt hatte nach Alternativen gesucht, doch eine europaweite Ausschreibung der Tierheimleistung scheiterte. Am 11. November 2014 hatte es daraufhin ein Gespräch mit Kämmerer Ulrich Cyprian gegeben. Die Stadt habe da das Angebot gemacht, künftig rund 200 000 Euro zu zahlen, teilte Vorsitzender Sprünken mit. Auch dieses Angebot will der Verein nicht annehmen, weil es nicht kostendeckend sei.

Bisher rettete sich das Tierheim über Spenden, aus Erbschaften, von Privatpersonen oder Firmen wie Fressnapf. Geld kommt auch durch die jeweils 20 Euro Mitgliedbeitrag aller 650 Mitglieder in die Kasse, so dass die reine Finanzausstattung nicht schlecht aussieht. Dass Spenden dauerhaft fließen, sei aber nicht gesichert, argumentiert Schatzmeister Jürgen Plein. Er ist, so offenbarte der gestrige Pressetermin, treibende Kraft bei den Verhandlungen, will seine Buchhaltung nicht auf Basis von Hoffnung auf Spender erstellen. Am Mittwoch tagt der Finanzausschuss. Intern überlegt der Tierheim-Verein, vorher ein erneutes Angebot an Kämmerer Cyprian vorzulegen. Die Krefelder Grünen haben gestern eine Vermittlung angeboten.

Kernproblem: Die Stadt sei wegen des Nothaushalts bisher nur gewillt, für die Annahme von echten Fundtieren pro Tier eine gewisse Pauschale zu zahlen, sagt Vorsitzender Sprünken. Rund zwei Drittel der angenommenen Tiere sind Fundtiere. Das Tierheim leiste aber weit mehr als dies, nehme Tiere direkt vom Halter auf, wenn dieser die Tiere nicht mehr halten wolle (sog. Übereignungstier). Den Haltern wolle man dafür keine Kosten in Rechnung stellen, weil dies zur Konsequenz hätte, dass viele ihre Tiere einfach wild aussetzen. Diese Tiere würden irgendwann gefunden, und dennoch beim Tierheim abgegeben. Spätestens dann müsse die Stadt wieder für die Kosten aufkommen, erklärt Dietmar Beckmann, Sprecher des Tierheims. "Das kann nicht unser Ziel sein, wir sind schließlich ein Tierschutzverein." Dazu komme, dass die Kosten bei Annahme von Fundtieren durch zwingende Untersuchungen und Impfungen deutlich höher sind als bei Übereignungstieren. 1800 Tiere nimmt das Tierheim pro Jahr an, zuletzt wurden sie von acht Mitarbeitern betreut (eine Vollzeitstelle, sieben Halbtagskräfte). Zwei Mitarbeiter haben wegen der ungewissen Finanzierung in 2015 bereits gekündigt. Was dann aus dem 4000 Quadratmeter großen Tierheimareal im Hülser Bruch wird, ist noch völlig offen.

(RP)
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