Krefeld: 380-KV-Leitung in Tunnel?

Krefeld: 380-KV-Leitung in Tunnel?

Im Umweltausschuss haben Politiker das Gutachten zur neuen Hochspannungsleitung durch den Krefelder Westen diskutiert. Vorschlag der CDU: das Erdkabel in Tunnellösung. Entscheiden muss am Ende die Bezirksregierung.

Das Dauerthema Erdkabel haben die Politiker jetzt im Umweltausschuss debattiert. Seit wenigen Tagen liegt der Politik das von der Stadt in Auftrag gegebene Gutachten vor. Darin werden die Möglichkeiten und Auswirkungen einer 380-Kilovolt-Stromleitung zwischen den Punkten Fellerhöfe und St. Tönis diskutiert.

Kernfrage: Ist die Verlegung als Erdkabel in die Erde besser als eine Freileitung mit Hochspannungsmasten? Die CDU brachte eine Tunnellösung als dritte Möglichkeit ins Gespräch. Das von der Stadt in Auftrag gegebene Gutachten geht davon aus, dass das Erdkabel mehrfach teuer ist als ein Freikabel. Doch die Stimmung im Ausschuss tendiert deutlich in Richtung Erdkabel, weil es bei der Bevölkerung aus Sorge vor Elektrosmog mehr Akzeptanz finde.

Einig über Notwendigkeit

Bei Erdkabeln mit hohen Spannungen von 380 KV liegen drei Leitungen in getrennten Röhren in einem Abstand von rund 70 Zentimetern 2,5 bis 3,7 Meter tief in der Erde. Dabei können an der Erdoberfläche genauso elektromagnetische Felder entstehen wie unter Freileitungen. Einig waren sich die Politiker in der Notwendigkeit der Leitungen. Der Strom müsse von den Offshore-Windkraftanlagen in der Nordsee bis nach Bayern transportiert werden. Dazu brauche man neue Leitungen.

Zum Ende versuchte Beigeordneter Thomas Visser die Diskussion wieder zu erden. Die Bezirksregierung sei Herr des Verfahrens. Sie müsse über die beantragten Leitungen entscheiden. Die Stadt Krefeld, über deren Gebiet ein Teil der Leitung verlaufe, sei um eine Stellungnahme gebeten worden. Visser hält aus Sicht der Verwaltung die Chancen für ein Erdkabel an dieser Stelle für gering.

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Hans Dieter Flocken, Vorsitzender des Bürgervereins Tackheide, befürchtet weiterhin Gesundheitsgefahren durch eine Freileitung entlang von Wohngebieten. Er bezieht sich auf eine Begründung zum niedersächsischen Erdkabelgesetz von Dezember 2007.

Dieses Gesetz sieht zwingend Freileitungs-Abstände zur geschlossenen Wohnbebauung von 400 Metern vor. In der Begründung heißt es, "dass bei einem Abstand von rund 100 Metern zu den Leitungen die gesetzlichen Anforderungen hinsichtlich der elektromagnetischen Auswirkungen zwar voll erfüllt sind, die Belastungen allerdings noch über dem Niveau der anzunehmenden Grundbelastung liegen."

Die Wohnbebauung in Tackheide sei teilweise nur 40 Meter von der Freileitung entfernt, kritisiert Flocken. "Beim Kleingartengelände wird die Leitung sogar unmittelbar darüber geführt. Hier können die Grenzwerte nicht eingehalten werden. Daher besteht die Sorge um die Gesundheit unverändert und zu Recht weiter." Flocken kritisiert auch, dass die Stadt vom Gutachter nicht eine Verlagerung des Kabels in Richtung Westen hat untersuchen lassen.

"Dies würde die Freileitungen weiter von der Wohnbebauung entfernen", sagte Flocken im Gespräch mit unserer Zeitung. Das Gutachten mache aus seiner Sicht deutlich, dass eine Teilverlegung als Erdkabel sinnvoll sei. Die Gutachter haben festgestellt, dass ein Erdkabel auf 3,1 Kilometern Länge das 3,5-fache kosten würde, nicht aber das sechs- bis achtfache einer normalen Freilandleitung. Flocken: "Der Gutachter erhebt auch keine technischen Bedenken, den Lückenschluss als Erdkabel zu auszuführen. Es wäre machbar."

Flocken verweist auf 500 Bürger aus dem Wohngebiet Tackheide, die sich bei der Bezirksregierung per Einwendung gegen eine Freileitung ausgesprochen haben. Zu diesen Einwendungen habe sich die Bezirksregierung noch nicht geäußert. "Wir gehen noch davon aus, dass am Runden Tisch eine für die Bürger tragbare Lösung gefunden wird. Nur vorsorglich bereiten wir uns allerdings auf eventuell notwendige Klagen gegen die Einleitung des Planfeststellungsverfahrens vor."

(RP/rl)