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1919 wurde in Krefeld die Volkshochschule gegründet. Im selben Jahr entstand auch eine VHS in Uerdingen.

Krefelder Historie : 100 Jahre Volkshochschule

1919 wurde in Krefeld die Volkshochschule gegründet. Im selben Jahr entstand auch eine VHS in Uerdingen. Das Jubiläum „100 Jahre VHS“ ist Anlass für einen Blick in die Geschichte.

Im Herbst jährt sich auch in Krefeld ein Jubiläum, das im ganzen Land gefeiert wird: Die Volkshochschule besteht seit 100 Jahren. Damals, 1919, wurden sowohl in Krefeld wie in der damals unabhängigen Stadt Uerdingen zwei dieser Bildungseinrichtungen gegründet.

Denn nach dem Ersten Weltkrieg (1914-1918) setzte die Regierung der Weimarer Republik auf Bildung für Erwachsene: „Das Volksbildungswesen, einschließlich der Volkshochschulen, soll von Reich, Ländern und Gemeinden gefördert werden“, so verankerte sie dieses Grundrecht in Artikel 148 der Weimarer Verfassung. Die Volksbildung erhielt damit erstmals Verfassungsrang. Die Demokratisierung des Bildungswesens nach dem Ende des Kaiserreichs ist auf die Revolution von 1918 zurückzuführen. Insgesamt entstanden bis zum Jahr 1922 über 800 Volkshochschulen. Am Ende der Weimarer Republik waren es nurmehr 200.

Krefeld stand im Jahr 1919 unter belgischer Besatzung: Für alle Entscheidungen der Stadt bedurfte es der Zustimmung der Belgier. Der damalige Bürgermeister Johansen installierte die VHS, die Belgier erteilten ihr Einverständnis.

Das Presseamt der Stadt, das übrigens im selben Jahr gegründet wurde, listete die damaligen Veranstaltungen auf und zählte die Teilnehmer. „Es zeichneten sich rund 10.400 Teilnehmer ein, darunter rund 3700 weibliche Hörer“, schrieb man im August 1919, „der erste Vortragsabend beginnt am 29. September; die Vorträge finden vorläufig in der Aula des Gymnasiums und des Lyzeums statt.“

Politik, Geschichte, Sprachen und Philosophie, Literatur, Naturkunde und vieles mehr standen auf dem Programm. Die Inhalte wurden in Kursen und Vorträgen angeboten: Dafür warb man zum Beispiel in der Zeitung.

Nach dem furiosen Auftakt dauerte das Bestehen der VHS allerdings nur noch wenige Jahre an: Aufgrund finanzieller Schwierigkeiten wurde der Betrieb 1923 in Krefeld eingestellt. Die Uerdinger VHS bestand noch bis 1931. Mit Beginn des Nationalsozialismus 1933 wurden die Volkshochschulen verboten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg (1939-1945) nahmen viele Volkshochschulen ihre Tätigkeit wieder auf. In Krefeld wurde hierfür das Bildungswerk gegründet. Dessen Leitung hatte Paul Schlüter inne, der zugleich die Stadtbücherei leitete. „Er bestand darauf, diesen Namen beizubehalten“, berichtet Irene Rixen-Stallmann, die jahrelang mit Schlüter zusammenarbeitete. „Das Wort ‚Volk‘ war für ihn durch die Kriegszeit negativ belastet, das schätzte er nicht.“

Einen festen Sitz hatte das Krefelder Bildungswerk – so benannt seit 1950 – damals noch nicht. Bis zum Bezug des Hauses am Von-der-Leyen-Platz waren es verschiedene Stationen. Anfangs nutzte das Bildungswerk Räume im Kaiser-Wilhelm-Museum. Dann folgten Notunterkünfte in der Stadtbücherei; ab 1962 in der neugebauten Stadtbücherei am Theaterplatz, die inzwischen der Mediothek gewichen ist. Ab 1971 nahm man Quartier im Hamburg-Mannheimer-Haus am Ostwall.

1975 wurde das Weiterbildungsgesetz erlassen: Die Namensänderung wurde vollzogen. Im selben Jahr übernahm Anna Elisabeth Moog die Leitung; sie war die erste weibliche Direktorin in Nordrhein-Westfalen.1987/88 war das Haus, das neben dem Rathaus errichtet worden war, für die Kursteilnehmer bezugsfertig. „Ich habe für den Platz neben dem Rathaus gekämpft“, erinnert sich Moog.

Nachfolgend war Hansgeorg Rehbein Leiter der VHS, von 1997 bis zu seinem Ruhestand 2011. Inge Röhnelt übernahm die Leitung der Einrichtung. Heute liegt der Schwerpunkt der Krefelder VHS auf der Aktualität: „Wir sind wandlungsfähig, offen für Diskussionen und Begegnungen und mit unserem Team vor allem geistig up to date“, sagt Inge Röhnelt.

Das Gebäude der Volkshochschule am Von-der-Leyenplatz, so wie die Krefelder es heute kennen. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Quelle: Josef Schrader & Ernst Dieter Rossmann, (Hrsg.), 100 Jahre vhs. 100 Jahre wissen teilen. Das Buch erschien kürzlich und versammelt 100 Geschichten oder Anekdoten aus unterschiedlichen Orten der Republik und berichtet darin beispielhaft zu verschiedenen Aspekten der Volkshochschulen.