15 Kilometer mit dem Fahrrad zur Arbeit - Die Fahrrad- Pendlerin aus Krefeld

15 Kilometer mit dem Fahrrad zur Arbeit : Die Fahrradpendlerin

Die Fischelnerin Astrid Weiland fährt jeden Tag 15 Kilometer mit dem Fahrrad nach Lörick zur Arbeit – ganz ohne Berufsverkehr. Nach einer Stunde Frischluft kommt sie verschwitzt an ihr Ziel; erst dann beginnt der Tag im Kindergarten. Und abends dann das gleiche wieder zurück.

Astrid Weiland hasst es im Stau zu stehen. Das Autofahren sei einfach lästig. Und dann kommt noch die ewige Parkplatzsuche hinzu. Also steigt sie auf ihr Treckingrad. Von Frühling bis Spätsommer pendelt die 57-Jährige mit dem Fahrrad zur Arbeit. Von Fischeln durch Osterath und Meerbusch bis nach Lörick. Das sind täglich 30 Kilometer. Eine Stunde hin, eine Stunde zurück. Die Streckenbedingungen sind nicht die Besten. Dennoch will Astrid Weiland nur so selten wie möglich das Auto benutzen. „Mit dem Auto brauche ich im Berufsverkehr genauso lange zur Arbeit wie mit dem Rad. Das muss man sich mal vorstellen“, sagt Weiland.

Täglich wechselt sie ihre Routen. Mal fährt sie am Rhein entlang, mal durch die Städte. Frei nach Schnauze und wie es ihr Zeitplan erlaubt. Damit sie pünktlich um acht Uhr im Kindergarten, in dem sie arbeitet, ist, muss Weiland zeitig losfahren. Eineinhalb Stunden nimmt sie sich für die Strecke Zeit. Damit ist auch immer ein Puffer einkalkuliert, falls unterwegs etwas passieren sollte. Ihr Erste-Hilfe-Fahrradtäschchen hat sie in fünf Jahren glücklicherweise erst einmal gebraucht, als sie bei einer Ampel mit dem Fuß von der Pedale abgerutscht ist und sich ihre Zehen verletzt hat. „Es war Hochsommer und ich hatte Sandalen an“, erklärt sie sich. Der letzte Sommer war so heiß, dass eine Wasserflasche pro Fahrt nicht ausreicht. Das weiß Weiland aus Erfahrung. „Einmal bin ich dehydriert, das kann so schnell passieren“, sagt sie.

Zu Weilands täglichem Gepäck gehören neben festem Schuhwerk und genügend Flüssigkeit auch Arbeitssachen und Wechselklamotten. Zwei gefüllte Packtaschen schleppt sie täglich auf ihren zwei Rädern mit. Eine zusätzliche Last beim Fahren, da kommt man ordentlich ins Schwitzen. „Ich würde mir ab und zu schon wünschen, ich könnte auf der Arbeit duschen“, sagt sie lachend. „Mit Föhnfrisur brauche ich morgens gar nicht erst das Haus verlassen“, fügt sie hinzu. Grundsätzlich fährt sie nur mit Helm und spezieller Sportkleidung.

Verschwitzt, außer Puste und mit zerstörter Frisur – warum strampelt man sich neben dem stressigen Arbeitsalltag so ab? „Je länger ich fahre, desto schneller werde ich“, sagt Weiland. Dabei geht es ihr nicht um die Geschwindigkeit, sondern um Ausdauer. Denn eigentlich hat sie wegen ihrer Atmung begonnen intensiver Fahrrad zu fahren.

Astrid Weiland hat Anstrengungsasthma. Durch regelmäßigen Sport kann sie ihre Atmung regulieren und wird fitter. „Ich habe mir mein Hobby genommen und bin erst nur ab und zu mit dem Rad zur Arbeit. Langsam habe ich mein Pensum gesteigert, bis ich irgendwann jeden Tag fahren konnte“, sagt sie. Schnell hat Weiland Unterschiede gemerkt: „Ich fühle mich gesünder – nicht nur was die Atmung betrifft – im Sommer bin ich nie krank. Es ist gerade die frische Luft, die sehr gut tut.“

Genau diese frische Luft fehlt ihr, wenn sie im Winter mit dem Auto zur Arbeit pendelt. Dabei wollte sie als Jugendliche zuerst nicht mal einen Führerschein machen. Heute ist sie froh, dass ihre Eltern sie doch noch überreden konnten, denn im Winter ist sie auf ihren Viertürer angewiesen. Da ist die Luft dann einfach zu kalt für den Frühsport.

Es ist ein innerlicher Zwiespalt für die umweltbewusste Fahrrad-Pendlerin. „Ich will die Luft nicht mit Abgasen verpesten. Und ich finde mehr Menschen könnten mit dem Rad zur Arbeit fahren, viele haben keinen weiten Weg“, sagt Weiland. Der Umweltschutz ist einer der Gründe, warum sie sich gegen den Motor entschieden hat – zumindest für ein halbes Jahr. Physisch und psychisch gibt ihr das Fahrradfahren ein besseres Gefühl. „Morgens komme ich frischer und ausgeruhter auf der Arbeit an und auch nach der Arbeit bin ich Zuhause entspannter“, sagt Weiland. Wenn sie morgens im Auto sitzt, wird sie manchmal gar nicht richtig wach. Dann zählt sie die Tage bis nach Ostern; wenn für sie die Fahrradsaison wieder beginnt.

Bei aller überzeugten Fahrradliebe erkennt Weiland auch Mängel. So sind die Straßenbedingungen zwischen Krefeld und Düsseldorf für Radfahrer nicht ideal. Durch Osterath gibt es nur auf einer Seite einen Radweg. Fährt man auf der anderen, nehmen Autos die Vorfahrt und bremsen Radler aus. „Ich fände es gut, wenn der Radweg an der früheren K-Bahn endlich fertig werden würde“, sagt sie. Der Weg entlang der Bahntrasse der heutigen U-Bahn-Linie 76 wird seit … umgebaut.

Noch bevor Astrid Weiland vor fünf Jahren angefangen hat dauerhaft mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren, war sie Bahn-Pendlerin. Die öffentlichen Verkehrsmittel tauschte sie gegen Fahrrad und Auto ein, weil sie ihr einfach zu unzuverlässig waren – oft ist sie wegen ihnen zu spät auf der Arbeit erschienen. Heute nutzt sie die U-Bahn bei Streckenpannen oder überraschendem Unwetter. „Einmal bin ich fast vom Blitz getroffen worden. Der ist neben mir auf dem Feld eingeschlagen“, erinnert sie sich an eine Feierabend-Tour zurück. Seit diesem Erlebnis ist sie bei Gewittern nicht mehr mit dem Fahrrad unterwegs.

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