Krefeld: 14 Stationen des Leidens

Krefeld : 14 Stationen des Leidens

Kommunionkinder der Pfarrgemeinde St. Christophorus haben die 14 Stationen des Leidenswegs Jesu' gemalt. Im Stadtwald hängten sie die Bilder auf und liefen den Weg. Wegen des Erfolgs wird der Kreuzweg wiederholt.

Kreuzweg — bei diesem Wort denkt man an Leid und Schmerz, an etwas, das im Kirchenraum zu betrachten ist, und nicht im Alltag stattfindet. Kinder der Pfarrgemeinde St. Christophorus im Krefelder Osten haben jetzt einen Kreuzweg gemalt. Diese Bilder haben sie dort aufgehängt, wo im Frühling wahrscheinlich so viele Leute anzutreffen sind wie sonst kaum irgendwo in Krefeld: im Stadtwald. Vor wenigen Tagen gingen die Kommunionkinder den Kreuzweg mit ihren Familien. Doch nicht nur die kamen. "Es waren 250 Leute im Stadtwald dabei, viele Spaziergänger haben sich außerdem die Bilder angeschaut, wir waren überwältigt von der Resonanz", sagt Gemeindereferentin Birgit Hellmanns.

Sie hatte die Idee, einen eigenen Kreuzweg für die 117 Kommunionkinder der Großpfarre zu veranstalten — mit von den Kindern gemalten Bildern. Mittlerweile sind die Bilder im Pfarrheim der Gemeinde Herz-Jesu gelagert und sollen nächstes Jahr wieder hervorgeholt werden. "Wir wollen diesen Kreuzweg jetzt jedes Jahr mit diesen Bildern gehen", sagt Birgit Hellmanns.

Vorlagen stammten von Traarerin

Mit Pinseln und Schürze kamen die Kommunionkinder wenige Wochen zuvor in das Pfarrheim der Bockumer Pfarre Herz-Jesu und malten dort die 14 Stationen der "Via Dolorosa" (so heißt der Kreuzweg in Jerusalem) aus.

Die Vorlagen stammen aus der Feder der Traarer Hobbymalerin Dorothea Bongers. Mit zum Teil knalligen Acrylfarben gaben die Kommunionkinder dem Leid Christi einen ganz neuen Anstrich. Farbe bekennen und in der Öffentlichkeit zu seinem Glauben stehen, sei — so Birgit Hellmanns — ein weiterer besonderer Beweggrund für diese erstmalige Aktion gewesen. Entsprechend bunt fielen die großformatigen Werke auf Leinwand aus.

Eine weitere Aufgabe der Kommunionkinder bestand darin, die Bildinhalte in kleineren Formaten auf den eigenen Alltag und die eigene Lebenswelt zu übertragen. "Der Kreuzweg findet heute statt", sagt die 51-jährige Birgit Hellmanns. Die Kinder waren also aufgefordert, ihre ganz persönliche Verbindung zu jeder Station zu Papier zu bringen. "Bei der fünften Station, bei der Jesus geholfen wird, das Kreuz zu tragen, könnten die Kinder beispielsweise daran denken, dass sie ihren Eltern mal im Haushalt helfen dürfen", meint Hellmanns. Dass Jesus am Kreuz seinen Peinigern vergibt, übersetzten drei Jungs in ein Bild, das zwei Kinder im Streit zeigt, die sich schließlich versöhnend die Hände reichen und Blumen schenken. "Der Kreuzweg ist nicht etwas, das weit weg ist", sagt Birgit Hellmanns.

Stefanie Müller-Bellen, die Gemeindeassistentin von St. Christophorus, sagt dann: "Weil der Kreuzweg eben nicht nur in der oder um die Kirche herum stattfindet, gehen wir raus ins Grüne." So zogen in der Fastenzeit die rund 100 Kinder der Gemeinde zusammen mit ihren Familien und anderen Gemeindemitgliedern durch den Stadtwald, stellten ihre selbst gestalteten Stationen des Kreuzwegs — von der Verurteilung bis zur Grablegung Christi vor —, sangen und beteten gemeinsam. Drei Stunden dauerte der Fußmarsch.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Kinder aus St. Christophorus malen Jesu’ Kreuzweg

(RP)
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