Krefeld: 100 Jahre Rennbahn mit doppelter Gala gefeiert

Krefeld: 100 Jahre Rennbahn mit doppelter Gala gefeiert

Den Auftakt bildete eine festliche Gala am Freitag – gestern war Renntag mit farbenprächtigem Gala-Aufmarsch der Husaren.

Den Auftakt bildete eine festliche Gala am Freitag — gestern war Renntag mit farbenprächtigem Gala-Aufmarsch der Husaren.

Als das Festwochenende zur Feier des 100-jährigen Bestehens der Krefelder Rennbahn am Freitagabend mit einer Gala in der verglasten Derby-Tribüne begann, da lieferte Oberbürgermeister Gregor Kathstede quasi den ersten Knaller: Er sagte in seinem Grußwort voraus, dass Bayern München das Champions-League-Finale in Wembley gewinnen werde — und sorgte bei den 190 Gästen für Buhrufe und Proteste. Kathstede grinste und sagte, als es wieder ruhig wurde: "Ich seh' schon, das wird ein netter Abend heute" — die Fußball-Prophezeiung sollte ein provokanter Scherz sein, der allerdings zeigte, dass der Sieger der Herzen in Krefeld der BVB ist.

Auch die andere Voraussage Kathstedes stimmte: Es wurde ein netter Abend. Für den zweiten Knaller — diesmal im wahrsten Sinne des Wortes — sorgte der Präsident des Rennvereins, Jan Schreurs, in seiner Festrede: Zum Schluss lud er die Gäste ein, mit ihm das Glas zu erheben — als es ohrenbetäubend krachte und im Hintergrund vor der großen Glasfront der Halle Hunderte Luftballons aufstiegen, als Zeichen dafür, dass da gerade eine Geburtstagsparty lief. Schreurs erinnerte in seiner Festrede an die wechselvolle Geschichte der Rennbahn, die nach der glanzvollen Einweihung im damals reichen Krefeld durch die Weltkriege, später auch durch schwindenden Publikumszuspruch immer mal wieder gefährdet war.

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Birgit Roos, Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Krefeld, die zu den Hauptsponsoren des Festwochenendes gehört, würdigte in ihrem Grußwort die Rennbahn als Beispiel für bürgerschaftliches und kommunales Engagement. Sie dankte unter Applaus all den Menschen, die mit ihrem Einsatz den Erhalt der Rennbahn bis zum heutigen Tage garantierten. Für den dritten Knaller des Abends — diesmal im übertragenen Sinne — sorgte die Modenschau von Schinke Couture. Schinke präsentierte unter dem Titel "Husarenschnitt" eine phantastische Kollektion, die mit den Elementen der klassischen Husarenuniform spielte. Die Show, in der Frauen des Krefelder Amazonencorps als Models auftraten, wurde begeistert gefeiert.

Gestern dann war Renntag, der auch als "Familien-Husarenrenntag" konzipiert war und auch Nicht-Wettbegeisterte anlocken sollte. Zu den prachtvollen Bildern des Tages zählte der Aufmarsch moderner Husaren. Die Tradition der Uniformen wird in Krefeld vielfältig gepflegt: Neben der Prinzengarde als humoristischer Nachfolger der Husaren gibt es alleine zehn Schützenkompanien, die das Andenken an die Husaren pflegen. Sportlicher Höhepunkt war gestern der mit 20 000 Euro dotierte Sprint-Cup, der erstmals auf der Stadtwald-Rennbahn ausgetragen wird. Insgesamt fanden neun Rennen statt.

Zu den Jubiläumsfeierlichkeiten gehört auch eine prachtvolle Ausstellung im Museum Burg Linn, die am Samstag eröffnet wurde: "Die Tanzhusaren". Der Legende nach soll Kaiser Wilhelm II. Klagen aus der Krefelder Bürgerschaft aufgegriffen haben, wonach es in der Stadt zu wenig Tanzpartner gebe, und das Husarenregiment Nr. 11 nach Krefeld verlegt haben. Der Hintergrund war wohl ernster: Christoph Reichmann, Leiter des Museums Burg Linn, glaubt eher an strategisches Kalkül am Vorabend des Ersten Weltkriegs: Wahrscheinlich habe der Kaiser mit Blick auf die sich verschärfende Lage möglichst viele Truppen über den Rhein bringen wollen. Als der Krieg ausbrach, mussten die Husaren an die Front. Die Zeit des Tanzens war vorbei.

(RP/EW)
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