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Korschenbroich: Wenn der Verein zur Heimat wird

Korschenbroich : Wenn der Verein zur Heimat wird

Als Rita Büttinghaus arbeitslos wurde, suchte sie nach einer sinnvollen Aufgabe. Im März 2015 übernahm sie ein Ehrenamt.

Sie hatte noch nie zuvor ein Ehrenamt übernommen. Seit März letzten Jahres ist Rita Büttinghaus Geschäftsführerin des Vereins "SÄG 50plus Korschenbroich", der früher "Sport Ältere Generation" hieß. Die Rechnung der 61-jährigen Korschenbroicherin ist dabei aufgegangen: "Ich war auf der Suche nach einer sinnvollen Tätigkeit, die mehr ist als ein Hobby." Das Ehrenamt als Quell der Anerkennung - das funktioniert.

Die Herausforderungen sind aber nicht gerade klein: "Wir haben aktuell knapp 700 Mitglieder, es waren aber schon um die 900", sagt die Bauingenieurin, die später als EDV-Expertin arbeitete. Das Problem aus ihrer Sicht: "Für die jungen Alten gibt es sehr viele Angebote, unter anderem von den ZWAR-Gruppen." Der Name des Vereins wurde eigens geändert, damit sich auch Menschen um die 60 angesprochen fühlen. "Das ist bislang aber noch nicht so recht gelungen", gibt Rita Büttinghaus zu. Ein Beispiel: Die rüstigen, unternehmungslustigen Senioren sind die Zielgruppe für eine Reise nach Thüringen. Dort werden sie sich mit dem Leben und Wirken von Martin Luther auseinandersetzen. "Dieses Angebot ist bis jetzt noch nicht so gut angenommen worden", klagt die Geschäftsführerin.

An ihr allererstes Ehrenamt war Rita Büttinghaus durch eine Anzeige gekommen. Sie bewarb sich, wurde genommen und ließ sich von ihrem Vorgänger Jürgen Peters einarbeiten. "Ich habe diese Entscheidung nie bereut", sagt die Korschenbrocherin.

Rund ein Dutzend Stunden pro Woche widmet Büttinghaus dem Verein, dessen Kursangebote sie auch selber nutzt: Aktuell sind Zumba und Yoga die Angebote, die sie am meisten reizen. Was ihr den Einsatz so einfach macht, ist die Gewissheit, etwas Sinnvolles und Wichtiges zu tun. Dass Menschen sich zunehmend von Vereinen - egal, ob als normale Mitglieder oder als Ehrenamtler - abwenden, ist für sie nicht nachvollziehbar: "Ein Verein kann auch so etwas wie Heimat sein für einen Menschen."

In ihrem Verein ist sie unter anderem für die Organisation der Aktivitäten mit zuständig, sie hält den Kontakt zu den Übungsleitern und zur Stadtverwaltung, pflegt die Mitgliederdatei und kümmert sich um die EDV. Das war auch in der Spätphase ihres Berufslebens ihre Aufgabe. Als Rita Büttinghaus vor drei Jahren arbeitslos wurde, hatte sie sich gezielt auf die Suche nach einer sinnstiftenden Aufgabe in ihrem Leben begeben. Sie bereut den Schritt in das Ehrenamt nicht. Sie könne anderen Menschen nur empfehlen, ihrem Beispiel zu folgen.

Wie gesagt: Das Ehrenamt sollte schon mehr sein als bloß ein Hobby. Hobbys hat Rita Büttinghaus ohnehin etliche. Da ist zum einen der große Garten. Dort stehen viele Obstbäume. Die 61-Jährige erntet unter anderem Quitten, Mirabellen und Pfirsiche und verarbeitet sie zu Selbstgemachtem. Und sie kocht gerne. Außerdem gehört das Lesen zu ihren Leidenschaften. Sie greift gerne zu historischen Romanen und besitzt sogar eine Märchenbuchsammlung.

(NGZ)