Wenn das „Pubertier“ auf Lehrer trifft

Korschenbroich: Wenn das „Pubertier“ auf Lehrer trifft

Der Lions Club will jungen Pädagogen das Lernen mit Jugendlichen in schwierigem Lebensalter erleichtern. Das Seminar „Erwachsen werden“ soll 10- bis 15-Jährigen Selbstvertrauen und soziale Kompetenz ermöglichen.

„Nur der im Tierreich fehlenden Schulpflicht ist es zu verdanken, dass der Koalabär als faulstes Lebewesen der Welt gilt. Er hängt täglich 20 Stunden rum. Das würde unsere Tochter locker toppen, aber sie muss zwischendurch in die Schule.“ Was der Buchautor Jan Weiler in seinem Werk „Pubertier“ beschreibt, gilt auch am Korschenbroicher Gymnasium. „Ich habe gerade eine fünfte Klasse übernommen“, sagt Stefanie Siebecke. „Die Schüler sind jetzt im Gruppenbildungsprozess, und nun wird es heftiger, wo es um Rangordnungen geht“, erzählt die Lehrerin, die Englisch und Französisch am Gymnasium Korschenbroich lehrt. „Der Lehrgang an diesem Wochenende gibt uns Tipps für praktische Situationen, die wir in der Theorie des Studiums so nicht erfahren haben“, sagt ihr Kollege Christoph Schaberger, der Religion und Geschichte unterrichtet.

Der Lehrgang: Das ist ein Angebot des Lions-Clubs Kaarst-Büttgen-Korschenbroich. Er wurde mit Quest benannt. „Das ist ein Lebenskompetenz- und Präventionsprogramm für junge Menschen“, sagt Rudolf Graaff. Der frühere Korschenbroicher Beigeordnete ist bei Lions als Jugendbeauftragter tätig und begleitet das Programm. „Der Bedarf für ein solches Angebot ist groß“, sagt Graaff. Diesmal sind insgesamt 23 vor allem junge Pädagogen dabei, elf vom Korschenbroicher Gymnasium und 12 aus Mönchengladbacher Gesamt- und Hauptschulen sowie Gymnasien. „Es ist ein primär präventives Programm“, sagt der Trainer, der mit den Pädagogen Quest umsetzt: Volker Heß ist im Hauptberuf Schulleiter in Flensburg. Doch worum geht es nun genau? „Bei neuen Klassen wollen wir die Gruppenbildung positiv begleiten, wir wollen junge Menschen mit einem hohen Maß an Selbstvertrauen ausstatten, sie sollen soziale Interaktionsmöglichkeiten nutzen. Rundum: Sie sollen in schwierigen Situationen alles Handwerkszeug bekommen, um sich zu behaupten.“ Wie das bei allen Schülern angenehm gelingt, will der Trainer den Pädagogen noch bis Samstag Mittag vermitteln. Gestern ging es um das Thema „Erwachsen werden“ mit einer Diskussion am späten Nachmittag zur Pubertät. Sie steht auch heute auf dem Programm. „Im Schulalltag ist es kein großes Thema“, sagt Alexandros Symoglou, stellvertretender Schulleiter am Gymnasium Korschenbroich. Wenn ein Schüler extrovertiert sei, könne man Probleme leicht erkennen. „Schlimmer ist es, wenn Schüler in sich gekehrt sind und Schwierigkeiten mit sich selber ausmachen wollen. Da hilft uns das Seminar, solche Probleme zu erkennen.“

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Finanziert wird alles vom Lions Club, aus den Mitteln der Mitglieder und aus Veranstaltungen. „Pro Lehrer zahlen wir 200 Euro für Lehrgang und Materialien. Hinzu kommen 50 Euro für Getränke und Mittagessen.“ Unterstützt werden die Lions von ihrem Dachverbandund von einer Teilnehmergebühr, „so dass es nicht ganz so teuer wird.“

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