Korschenbroich: Wenn das Herz nicht mehr genügend Blut pumpt

Korschenbroich: Wenn das Herz nicht mehr genügend Blut pumpt

Vier Fachärzte gaben im Ratssaal Auskunft über Symptome, Ursachen und Behandlungsmethoden bei Herzschwäche.

Eine Herzschwäche ist weit verbreitet: Bis zu drei Millionen Menschen sind in Deutschland davon betroffen. Und sie ist die häufigste Ursache, warum Patienten ins Krankenhaus müssen - rund 450.000 waren es im Jahr 2014. Wie man eine Herzschwäche erkennt, welche Formen es gibt, und wie man sie behandelt, erläuterten vier Experten vor gut 120 Zuhörern in Korschenbroich, die zum Herzseminar in den Ratssaal im Rathaus gekommen waren.

Die Deutsche Herzstiftung hat die bundesweiten Herzwochen unter das Motto "Das schwache Herz" gestellt. Die Rheinische Post beteiligt sich im elften Jahr an der jährlichen Aufklärungskampagne. Moderiert wurde die Expertenrunde erneut von RP-Redakteurin Ruth Wiedner-Runo. Bürgermeister Marc Venten, zugleich Schirmherr der Veranstaltung, hatte für sein Grußwort in der Medizingeschichte geforscht und daran erinnert, dass man noch vor 400 Jahren glaubte, dass die Leber das Blut produziere. Zuvor hatte Professor Michael Haude, Chefarzt am "Lukas" und wissenschaftlicher Leiter der Veranstaltungsreihe, die Deutsche Herzstiftung vorgestellt, die mit 100.500 Mitgliedern die größte Patientenorganisation auf dem Gebiet der Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist.

"Wenn die Leistung des Herzens soweit abnimmt, dass es nicht mehr genügend Blut und damit Sauerstoff in das Gehirn und andere Organe pumpen kann, spricht man von einer Herzschwäche", erklärte Torsten Becker, leitender Arzt am Lukaskrankenhaus. Die chronische Herzschwäche beginnt oft schleichend. Wenn man beim Treppensteigen Atemnot habe und Wassereinlagerungen an den Unterschenkeln feststelle, könnten das erste Symptome sein, so der Experte.

  • Neuss : Herzschwäche beginnt oft schleichend

Bei der Herzschwäche handelt es sich nicht um eine eigenständige Krankheit, sondern um die Folge anderer Herzerkrankungen. Ursachen können ein zu hoher Blutdruck, die koronare Herzkrankheit oder ein vorausgegangener Infarkt sein. Wie man eine Herzschwäche medikamentös behandeln kann, erläuterte Barbara Lüthen, niedergelassene Kardiologin aus Neuss. Sie nahm die Patienten aber auch in die Pflicht. "Ein gesunder Lebensstil halbiert das Risiko für eine Herzschwäche", sagte sie und appellierte an die Zuhörer, sich regelmäßig zu bewegen, weniger Fleisch, dafür mehr Fisch und Gemüse zu essen und das Rauchen aufzugeben.

Hubertus Degen, leitender Arzt am Lukaskrankenhaus, stellte neue technische und operative Therapien bei Herzerkrankungen vor. Von einer chronischen Herzschwäche grenzte Torsten Becker die akute Herzschwäche ab, die binnen Minuten oder Stunden entsteht und mit Brustschmerzen und Luftnot bis hin zur Bewusstlosigkeit einhergeht. "Das ist ein Notfall. Wählen Sie sofort die 112", betonte der Herz-Experte.

(drlp)