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Korschenbroich: Weihnachten in den 50ern: Geschenke wurden selbst gebastelt

Korschenbroich : Weihnachten in den 50ern: Geschenke wurden selbst gebastelt

Manfred und Helmi Schmidt sind eigentlich Weihnachtsmuffel. Trotzdem haben sie Bücher über Weihnachtsbräuche geschrieben.

Mit Weihnachten hat er nicht viel am Hut. Das gibt Manfred Schmidt (66) aus Korschenbroich unumwunden zu. Trotzdem hat er zusammen mit seiner Frau Helmi zwei Bücher über Weihnachten geschrieben. "Als der Sutton-Verlag mit dem Vorschlag an mich herantrat, packte mich der Ehrgeiz", erinnert sich der pensionierte Berufsfachschullehrer.

Herausgekommen sind zwei Bücher mit Lokalkolorit. Das eine beschäftigt sich mit Weihnachten in Düsseldorf, das andere mit Weihnachten am Niederrhein. Dafür hat er Mundartgedichte, lokale Rezepte, längst vergessene Bräuche sowie alte Fotos zusammengetragen. Und das Buch um persönliche Anekdoten bereichert. So wie die Schilderung eines Heiligen Abends in den 1950er Jahren: Damals musste sein Vater noch bis in den Nachmittag hinein arbeiten. Als er nach Hause kam, schleppte er eine Zinkwanne aus dem Keller in die Wohnküche, in der alle Familienmitglieder nacheinander badeten - vor dem Essen und der Bescherung. Auch an die Mahlzeit kann sich Manfred Schmidt erinnern: Es gab Kartoffelsalat mit Würstchen. Nach dem Essen verschwand der Vater im Wohnzimmer, um mit dem Christkind die Bescherung vorzubereiten. Als endlich ein Glöckchen ertönte, durften die Kinder eintreten. Das Fenster, durch das das Christkind gerade hinausgeflogen war, stand sogar noch offen. Doch ihre Geschenke auspacken durften sie noch nicht: Erst sangen sie "Stille Nacht" und sagten Gedichte auf. Und was für Geschenke gab es dann? Die wurden von den Eltern fast alle selbst gefertigt - zumeist aus Holz. Das sei der wirtschaftlichen Situation geschuldet gewesen, sagt Manfred Schmidt. Sein Vater hatte für die Schwester eine Puppenwiege aus einem umgedrehten Fußbänkchen gebastelt, während die Mutter die Puppe selbst genäht hatte. Gesellschaftsspiele gehörten auch noch zu den klassischen Weihnachtsgeschenken. Ansonsten waren diese nützlich, so wie die Schals, Mützen und Handschuhe, die die Mutter für die Kinder gestrickt hatte.

In beiden Büchern zeigen die sorgfältig vor den Weihnachtsbäumen inszenierten Fotos, dass die Familien früher im Sonntagsstaat feierten, und dass die Tafel mit dem besten Porzellan festlich gedeckt war. Und noch eines verraten die Fotos: Früher war tatsächlich mehr Lametta. Kaum ein Baum in den beiden Büchern, an dem nicht die glänzenden, teils gekräuselten Metallfäden hängen. Am eigenen Baum möchten sie viele nicht mehr haben, aber eine schöne Kindheitserinnerung sind sie doch. Der Weihnachtsbaum habe sich am Niederrhein erst nach dem Ersten Weltkrieg etabliert, weiß Manfred Schmidt. Der stand anfangs in gut situierten Häusern, bevor er auch bei Bauern, Handwerkern und Arbeitern einzog. Die ersten Weihnachtsbäume waren auch nicht beleuchtet, sondern mit Zuckergebäck und mit in Silber- und Goldpapier eingewickelten Früchten und Nüssen dekoriert. Die elektrischen Kerzen kamen erst in den 1960er Jahren hinzu.

Früher war die Weihnachtszeit geprägt vom Fasten und von häufigen Gottesdienstbesuchen. Heute bedauert Schmidt die Diskrepanz zwischen dem Wunsch nach Besinnlichkeit und dem tatsächlichen Rummel. Eine Lösung bietet er an: Zumindest die Erwachsenen könnten ein Nicht-Geschenke-Abkommen schließen oder über Geringfügigkeitsgeschenke verhandeln. Er selber hat für sich eine Lösung gefunden: Er feiert ruhig und im Kreise seiner engsten Verwandten.

Info Manfred Schmidt: "Weihnachten in Düsseldorf"; Helmi und Manfred Schmidt: "Weihnachten am Niederrhein", beide im Sutton-Verlag erschienen, 9,95 Euro.

(NGZ)