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Korschenbroich: Warum Hermann Gröhe gerne Politiker ist

Korschenbroich : Warum Hermann Gröhe gerne Politiker ist

Liedberg Viel Grund hat ein Politiker im Moment nicht zu guter Laune. Aber Hermann Gröhe lässt sich nicht den Donnerstagabend verderben. Gemächlichen Schrittes kommt er in den Saal des Liedberger Landgasthauses.

Er schüttelt an diesem Abend viele Hände, begrüßt fast alle Gäste persönlich. Mit vielen ist er per Du. In der linken Hand hält er eine Akte aus der CDU-Bundesgeschäftsstelle, draußen wartet die Limousine mit Berliner Kennzeichen auf die Weiterfahrt nach Mainz zum nächsten Termin. Der CDU-Generalsekretär ist zu Hause, in seiner politischen Heimat. Der Neusser soll den Mitgliedern des Rotary Clubs Kaarst-Korschenbroich erklären, warum er so gerne Politiker ist. "Politik als Beruf — und das aus Leidenschaft" heißt sein Vortrag, den er an die Schrift des Soziologen Max Weber anlehnt.

Deutschland debattiert über den Ehrensold seines Ex-Bundespräsidenten. NRW diskutiert über die Selbstauflösung des Landtages. Und Gröhe spricht an diesem Abend darüber, warum er gerne Berufspolitiker ist. "Das ist mein Bekenntnis zu einem in der Beliebtheitsskala nicht ganz oben stehenden Beruf", sagt Gröhe. Er gewinnt der Wirtschaftskrise aber etwas Gutes ab: "Banker sind an den Politikern nach unten vorbeigezogen." Wahlkampf, wie er in Nordrhein-Westfalen derzeit ausbricht, geht anders. An diesem Abend nimmt sich Gröhe Zeit für Grundsätzlicheres, für das große Ganze. So weit ist es mit der Politik mittlerweile gekommen: Sie muss sich gelegentlich ihrer selbst rechtfertigen.

Viele empörte Zuschriften habe er gelesen von Bürgern, die sich über Wulffs Ehrensold aufregen. Gröhe nimmt das gelassen: "So lange wir jeden Sparkassen-Direktor besser bezahlen ist das auszuhalten." Allerdings zählt er Webers Tugenden eines Berufspolitikers auf: Leidenschaft, Verantwortlichkeit, Augenmaß. Nicht alle halten sich daran.

Gröhe (51) ist ein Profi. Dass das Mikrofon ausfällt, das Licht ausgeht, das redet der CDU-Generalsekretär einfach nieder. Ein Rotarier stellt ihm ein Teelicht auf den Tisch, aber eigentlich braucht Gröhe das nicht. Nur selten schaut er auf seine Notizen. Politiker müssten materiell in die Lage versetzt sein, abkömmlich zu sein. "Es ist richtig, dass sich Politik zum Beruf entwickelt hat. Denn Politik ist ein Handwerk, dass man lernt", sagt Gröhe. Nach mehr als zwei Stunden verlässt er den Saal, steigt in die Limousine und fährt nach Mainz zum nächsten Termin. So etwas muss man gerne tun.

(RP)