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Korschenbroich: Vince Ebert über die Fehlbarkeit von Zukunftsprognosen

Korschenbroich : Vince Ebert über die Fehlbarkeit von Zukunftsprognosen

Die Grundbedürfnisse werden sich nicht ändern, aber sicherlich die Möglichkeiten, diese zu befriedigen. So sieht es Vince Ebert, Physiker und seit 20 Jahren kabarettistisch unterwegs. In der ausverkauften Aula plädierte der humorvolle Übersetzer naturwissenschaftlicher Gesetze im Soloprogramm "Zukunft ist the future" für eine optimistische Grundeinstellung der Zukunft gegenüber.

Eines seiner liebsten Themen: die Unzuverlässigkeit angeblich fundierter Zukunftsprognosen. Ebert sinnierte über noch nicht vorhandene Rucksackraketen, Stammzellen, Möglichkeitstheorien, Statistiken, den Odenwälder, ein sich wandelndes Verständnis von Geschlechterrollen. Er persiflierte das komplizierte Geflecht zwischenmenschlicher Befindlichkeiten und dabei auch nicht analoge Modelle der Partnervermittlung. Als Physiker bestens vertraut mit sich nicht linear verhaltenen Objekten, definierte er Beziehungen als hochkomplexe, nicht lineare Konstrukte. Ebert zur Seite stand der aufsässige Computer Val mit der Stimme von Ehefrau Valery. "Haben Sie vor 30 Jahren die Möglichkeit vermisst, eine SMS zu verschicken? Haben Sie vermisst, ohne Navi hierherzufinden?", fragte der Kabarettist rhetorisch zur Unberechenbarkeit von Zukunft. Zur Thermodynamik kannte er die schlechte und die gute Nachricht: Ja, es geht mit dem Universum bergab, aber der absolute Nullpunkt ist nicht erreichbar. "Nach unten ist also immer noch Luft", so Ebert. Sein Programm ist eine Herausforderung an menschliche Fantasie und Neugierde. "Eine Gesellschaft, die versucht, den Lauf der Welt aufzuhalten, ist nicht zukunftsfähig", so Ebert, der betont: "Nicht Wissen macht neugierig".

Der im Odenwald aufgewachsene Kabarettist plädierte, sich gegen den Trott zu wehren, die wahre Freude an Anstrengung und Grenzüberschreitung wieder zu entdecken. "Warum muss immer irgendwo etwas los sein?", hinterfragte er Dauerberieselung und blinden Aktionismus. So war der Abend auch die Aufforderung, Zukunft gestalten zu wollen.

(anw)