Korschenbroich: Vom Doktor zum König

Korschenbroich: Vom Doktor zum König

Lothar Schmitz ist Schützenkönig der Sankt-Sebastianus-Bruderschaft Korschenbroich und freut sich auf Unges Pengste. Am Pfingstmontag richtet der Arzt das größte Frühstück seines Lebens aus – für 700 Gäste.

Lothar Schmitz ist Schützenkönig der Sankt-Sebastianus-Bruderschaft Korschenbroich und freut sich auf Unges Pengste. Am Pfingstmontag richtet der Arzt das größte Frühstück seines Lebens aus — für 700 Gäste.

"Majestät, mich drückt da was!" Für Lothar Schmitz ist diese Anrede in den letzten Tagen und Wochen nichts Ungewöhnliches mehr. Denn der Mediziner hat unter seinen Patienten viele Schützenfreunde, die ihn selbstverständlich mit "Majestät" ansprechen, schließlich ist der Doktor ihr Schützenkönig. Und auch die Sprechstundenhilfen haben sich daran gewöhnt, dass immer häufiger Besucher fragen: "Kann ich mal den König sprechen?" — König von Korschenbroich zu werden, ist für den Ur-Korschenbroicher ein Zeichen der Heimatverbundenheit.

Als Lothar Schmitz im vergangenen Jahr den Vogel auf dem Matthias-Hoeren-Platz von der Stange holte, wollte er aber noch aus einem weiteren Grund "Flagge zeigen". Sein Schützenzug "Schweet Vööt" feiert jetzt sein 40-jähriges Bestehen, und aus dem Jubiläumszug war bis dahin weder ein König noch ein Minister hervorgegangen.

Ehefrau Inge Schmitz (54), ebenfalls eine alteingesessene Korschenbroicherin, musste nicht lange überredet werden — im Gegenteil: "Sie fragte mich, ob ich denn nicht mal auf den Königsvogel schießen wolle", erinnert sich Lothar Schmitz.

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Bereut hat er seine Entscheidung keine Sekunde, aber ein bisschen aufgeregt ist er so kurz vor dem großen Fest schon: "Das ist ja eine große Verantwortung, die man da übernimmt", erklärt der amtierede Sebastianer-König. Außerdem müsse eine logistische Herausforderung gemeistert werden — immerhin erwartet er am Schützenfest-Montag rund 700 Gäste zum Frühstück, die weder verdursten noch verhungern wollen.

Der 55-Jährige studierte Medizin, arbeitete zunächst in Mönchengladbach im Bethesda-Krankenhaus, bis er sich 1988 als Internist und Hausarzt mitten in seiner Heimatstadt Korschenbroich niederließ — im Schatten der Pfarrkirche St. Andreas. Die Mitgliedschaft in einem Schützenzug schätzt er vor allem wegen der Hilfsbereitschaft unter den Zugkameraden.

Ehrenamt, Freundschaft und Verlässlichkeit sind für den Trier-Pilger wichtige Werte. Vor 40 Jahren gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der "Schweet Vööt" — er war damals 15 Jahre alt und brauchte eine Ausnahmegenehmigung. Lothar Schmitz hat aus erster Ehe einen 19-jährigen Sohn und eine 15-jährige Tochter, Ehefrau Inge geborene Steves, die als Sachbearbeiterin für Sicherheitstechnik arbeitet, hat Zwillinge — die Jungs, 30 Jahre alt, sind in der Sankt-Katharina-Junggesellen-Bruderschaft aktiv.

Der Arzt, der fast immer in Korschenbroich gelebt hat, hat trotz aller Heimatverbundenheit noch eine zweite Heimat: eine gemietete Blockhütte am Tegernsee. Dort tankt er Kraft beim Wandern.

(NGZ)
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