SV Glehn bietet wieder Freiwilliges Soziales Jahr an

SV Glehn : In einer Fußballsaison fit für den Beruf

39 Stunden Sport in der Woche: Das Freie Soziale Jahr (FSJ) beim SV Glehn bereitet Jugendliche in zehn Monaten sportlich auf die berufliche Zukunft vor. Ab September gibt der Sportverein erstmals zwei Freiwilligen die Möglichkeit.

Ein Fulltime-Job für 300 Euro Taschengeld im Monat? Was viele nicht mitmachen würden, machte Marc Geerkens über zehn Monate gern. Der 20-Jährige verlängerte sein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) beim SV Glehn sogar aus eigenen Stücken für die Glehner Grundschul-Weltmeisterschaft. Ihm folgen im September nun zwei Freiwillige — eine finanzielle Herausforderung.

Enrico Dautzenberg und Niklas Mertens sind die „Neuen“. Foto: SV Glehn

Marc Geerkens sagt über sich selbst, er sei im Fußballsport nicht „zu Hause“. Dennoch entschied er sich für ein FSJ beim SV Glehn, der ein reiner Fußballverein ist. Denn Dribbeln muss man dafür gar nicht können, sagt der Jugendleiter Norbert Jurczyk: „Man muss mehr ein Entertainer sein und kein ausgebildeter Trainer.“ Denn ein FSJler solle vor allem die Jüngsten des Vereins an das Fußballspielen heranführen: Bewegung und die Begeisterung für den Fußball stehen im Vordergrund. „Kinder tragen ein Feuer in sich, und wir müssen es herausholen“, sagt Jurczyk. Dabei brauche der FSJler selbst eine ganze Menge Begeisterungsfähigkeit.

Zuverlässigkeit und Flexibilität sind gefragt – das Freiwillige Soziale Jahgibt einen guten Vorgeschmack auf ein strukturiertes Arbeitsleben und fördert das Verantwortungsbewusstsein. „Das FSJ ist natürlich vor allem was für sportbegeisterte Jugendliche, die in der Form auch später mit Kindern arbeiten möchten“, sagt Jurczyk. Eine Kooperation mit der Glehner Grundschule unterstützt den pädagogischen Aspekt: Die Vormittage verbrachte Geerkens dort als rechte Hand der Lehrkräfte. Denn bei teilweise 45 Minuten Schulsport bleibt mit Umziehen und Aufbau nicht mehr viel Zeit für den eigentlichen Unterricht. Geerkens gab den Klassen Aufgaben und führte Aufsicht. Die Glehner Grundschul-Weltmeisterschaft und die Leitung einer Mädchen-Fußball-AG an der Schule waren weitere Highlights für den 20-Jährigen. „Viele Girls haben sich später im Verein angemeldet und die U9-Mädchen des SV Glehn verstärkt“, sagt Geerkens.

Insgesamt sei das FSJ eine Win-win-Situation für alle Beteiligten, sagt Jurczyk. Die Schule erhalte Unterstützung, der FSJler eine Ausbildung – und der Verein bekomme frische Impulse von außen und eventuell sogar neue Mitglieder. „Viele wissen nach der Schule noch nicht, was sie machen sollen. Durch das FSJ kann ihre Persönlichkeit reifen“, sagt Jurczyk. So haben ehemalige FSJler das Lehramtsstudium für sich entdeckt.

Die Neuzugänge, die im September starten, planen ein Sportstudium beziehungsweise wollen in der Sozial- und Kulturarbeit tätig werden. Enrico Dautzenberg und Niklas Mertens kommen aus dem Verein und haben qualitativ hochwertige Bewerbungen eingereicht. Der Verein habe sich deshalb dazu entschlossen in diesem Jahr, beide zu unterstützen, sagt Jurczyk.

Doch ein FSJ kostet auch einen Verein viel Geld: „Für die zehn Monate fallen 4300 Euro mit Verwaltungskosten an“, sagt Jurczyk. Ein Patensystem aus Sponsoren unterstützt den Verein. Die Finanzierung für zwei Freiwillige stehe zwar noch nicht hundertprozentig. Unternehmen, die das FSJ schon seit Jahren unterstützen, haben aber schon eine doppelte Unterstützung gesichert. Und auch Nike Vogt, die vor sieben Jahren ihr FSJ beim SV Glehn begann, unterstützt ihre Nachfolger für einen Monat. Sie arbeitet heute in einer Jugendeinrichtung in Nijmegen und nutzte die sportlichen und pädagogischen Erfahrungen aus dem FSJ für sich.

Mehr von RP ONLINE