Korschenbroich: Stolpersteine für sieben Opfer

Korschenbroich: Stolpersteine für sieben Opfer

Zum Gedenken an den KZ-Tod von Korschenbroicher Juden wird der Künstler Gunter Demnig vor vier Häusern seine Steine einsetzen. Mehr als eineinhalb Jahre nach dem Anstoß durch die SPD steht der Termin fest: 15. Februar 2007.

Hermann und Rosalie Schwarz: Theresienstadt. Luise Schwarz: Auschwitz. Fanny Winter: Auschwitz. Kurt Winter: Salaspils. Hilde Levy: Riga. Benny Winter: vermutlich Theresienstadt.

Diese sieben Korschenbroicher Juden wurden in den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten ermordet. Vor ihren einstmaligen Wohnstätten im Korschenbroicher Ortskern werden am 15. Februar sieben Gedenksteine in den Boden eingelassen. Gut eineinhalb Jahre nach der Anregung der SPD, den Kölner Künstler Gunter Demnig (59) mit seinem "Stolpersteine"-Projekt nach Korschenbroich zu holen, nannte Stadtarchivarin Michaele Messmann gestern nun diesen Termin.

Sechs Familien, 28 Angehörige

Zur Zeit des NS-Regimes lebten sechs jüdische Familien mit 28 Angehörigen am Fuß von Sankt Andreas. Ihr Großteil rettete sich in die Emigration, nach Argentinien zum Beispiel oder in die Vereinigten Staaten, wenige überlebten die Todeslager der Nazis. Damals erlosch die jüdische Gemeinde in Korschenbroich. Heute ist die Familie von Aaron Peiser in Kleinenbroich die einzige jüdische in der Stadt.

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Die faustgroßen Steine mit ihrer Messingoberfläche, in die Lebensdaten der Toten eingraviert sind, werden ins Pflaster eingelassen. Ihre Standorte werden sein: vor dem Haus Steinstraße 4 (Familie Winter); vor den Häusern Mühlenstraße 34 und 47 (Familie Schwarz); vor dem Haus Hochstraße 29, heute Sebastianusstraße (Familie Klein).

Der gebürtige Berliner Gunter Demnig hat seit 1997 an die 9000 seiner "Stolpersteine" in bundesweit 190 Ortschaften gesetzt. Bundespräsident Horst Köhler hat ihm dafür im Oktober vergangenen Jahres das Bundesverdienstkreuz verliehen. Mit seinen "Stolpersteinen" will Demnig die Erinnerung an die Gräuel im "Dritten Reich" lebendig erhalten, "an die Vertreibung und Vernichtung der Juden, der Zigeuner, der politisch Verfolgten, der Homosexuellen, der Zeugen Jehovas und der Euthanasieopfer im Nationalsozialismus."

Die neue Kulturamtsleiterin und Stadtarchivarin Michaele Messmann hat selber jüdische Schicksale im Korschenbroich der NS-Zeit erforscht. Die Ergebnisse ihrer Recherche, bislang nur in einer unveröffentlichten Broschüre niedergeschrieben, fließen in den dritten Band der Reihe "Schriften des Stadtarchivs" ein. Lange angekündigt, wird dieser Band, der die Geschichte Korschenbroichs im Nationalsozialismus erhellt, im Dezember erscheinen. Die Sparkassen-Stiftung hat das ermöglicht.

Michaele Messmann hält die "Stolpersteine" für eine "sehr sinnvolle Aktion. Es ist richtig, daran zu erinnern, dass einmal jüdische Mitbürger unter uns gelebt haben." Demnigs Projekt nimmt sie zum Anlass, Schulprojekte anzustoßen und weiter zu forschen. Der Leidensweg der Juden aus Glehn, neben Korschenbroich früher der einzige Lebensmittelpunkt jüdischer Familien im heutigen Stadtgebiet, ist noch unerschlossen.

(RP)
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