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Korschenbroich/Jüchen: Stadthaushalt: Not finanziert Elend

Korschenbroich/Jüchen : Stadthaushalt: Not finanziert Elend

1,4 Millionen Euro von Korschenbroich, zwei Millionen von Jüchen – diese Summen muss der Kreis Neuss kassieren, wenn ihm das Land 2012 weniger Geld überweist. "Unglaublich" findet der Landrat auch eine geplante Solidaritätsabgabe für besonders arme Kommunen. Er droht NRW mit Klage.

1,4 Millionen Euro von Korschenbroich, zwei Millionen von Jüchen — diese Summen muss der Kreis Neuss kassieren, wenn ihm das Land 2012 weniger Geld überweist. "Unglaublich" findet der Landrat auch eine geplante Solidaritätsabgabe für besonders arme Kommunen. Er droht NRW mit Klage.

Die Finanzspritze des Landes für die ärmsten Kommunen müssen Jüchen und Korschenbroich mitbezahlen, obwohl ihnen selbst Geld fehlt. Foto: istockphoto.com

KORSCHENBROICH/JÜCHEN Korschenbroichs Kassenwart Bernd Dieter Schultze hat schon mal gerechnet: 1,4 Millionen Euro mehr als in diesem Jahr müsste die Stadt Korschenbroich 2012 an den Kreis Neuss berappen, wenn die Lage im Kreis Neuss so finster wird, wie es Landrat Hans-Jürgen Petrauschke befürchtet. Das Land Nordrhein-Westfalen wolle dem Rhein Kreis im nächsten Jahr 12,9 Millionen Euro weniger sogenannte "Schlüsselzuweisungen" überweisen, sagt Petrauschke. Obendrein werde der Landschaftsverband Rheinland (LVR) nach jetzigem Stand der Dinge nächstes Jahr 95,7 Millionen Euro vom Kreis verlangen — und damit elf Millionen Euro mehr als 2011.

Bürgermeister Harald Zillikens: Das vergrößert Jüchens Defizit. Foto: Reuter

Will der Kreis nächstes Jahr seinen Haushalt trotz der kombinierten Last aus fehlenden Zuweisungen und höherer LVR-Abgabe in Einnahmen und Ausgaben ausgeglichen halten, müsste er das dafür nötige Geld bei seinen Städten und Gemeinden eintreiben: Mit etwa zwei Millionen Euro wäre die Gemeinde Jüchen dabei, hat der Kreis errechnet. Mit 1,4 Millionen Euro würde Korschenbroich herangezogen, so Kämmerer Schultze. Und das, obwohl Jüchen und Korschenbroich selbst große Löcher in ihren Finanzen und hohe Schulden haben.

Kämmerer Bernd-Dieter Schultze teilt Petrauschkes Kritik. Foto: Baum

Der von der Landesregierung geplante "Stärkungspakt" für finanziell noch stärker angeschlagene NRW-Kommunen ist in Petrauschkes Augen ein "Schwächungspaket" für die Heimat. Zumal das Land NRW spätestens 2014 von finanziell besser gestellten Kommunen eine "Solidaritätsabgabe" in Höhe von 150 Millionen Euro einsammeln will, so Petrauschke. "Das ist ein unglaublicher Vorgang. Das Land treibt mit dieser Mittelverteilung zugunsten einiger weniger Städte — insbesondere im Ruhrgebiet — alle Kommunen im Rhein-Kreis Neuss absehbar in die Haushaltssicherung", zürnt der Landrat. In Jüchen und Korschenbroich klaffen bereits jetzt so große Lücken zwischen den Ausgaben und den Einnahmen, sind die Schulden schon jetzt so hoch, dass die Kommunen nur mit Nothaushalten arbeiten können. Zusätzliche Belastungen zugunsten anderer Städte bedeuteten also: Not finanziert Elend.

Den Bürgern werde nur schwer zu vermitteln sein, dass im Kreis womöglich öffentlich finanzierte Einrichtungen geschlossen werden müssen, damit andere Städte ihre Stromrechnung bezahlen könnten. Petrauschke denkt deshalb darüber nach, mit anderen Kommunen gegen das Land zu klagen.

Die Aufmüpfigkeit bekommt Beifall. "Es ist vollkommen richtig, wenn sich der Landrat wehrt", sagt Korschenbroichs Kämmerer Schultze. Auch Jüchens Bürgermeister Harald Zillikens ist angesichts drohender Mehrbelastungen alles andere als entzückt. "Wenn man über irgendeine Umlage auf einmal zwei oder drei Millionen Euro mehr abgenommen bekommt, dann nutzen alle unsere Sparbemühungen nichts", ärgert sich Zillikens. Solche Summen könne Jüchen nicht auffangen, sie vergrößerten nur das Defizit der Gemeinde.

(RP)