Korschenbroich: Stadt muss Friedhofsmauer sichern

Korschenbroich: Stadt muss Friedhofsmauer sichern

Das Mauerwerk rund um den jüdischen Friedhof an der Donatusstraße ist so schwer beschädigt, dass die Stadt aus Sicherheitsgründen eingreifen muss. Sie rechnet aber nicht mit horrenden Kosten. Denn die jüdische Gemeinde legt Wert darauf, dass auf ihren Friedhöfen nicht viel verändert wird.

Es ist nicht nur eine Frage der Zeit und einer schwindenden Widerstandsfähigkeit des Baumaterials. Auch Kletterpflanzen, die an der Mauer des jüdischen Friedhofes an der Donatusstraße hochrankten, haben den Steinen und den Fugen arg zugesetzt. So sehr, dass die Stadt nun handeln muss. "Wir müssen lose Bausubstanz entfernen und so wiederherstellen, dass die Sicherheit gewährleistet ist", sagt Georg Onkelbach, für Baufragen zuständiger Fachbereichsleiter der Stadtverwaltung.

Immense Kosten kommen auf die Stadt als Eigentümerin des Friedhofes aber offenbar nicht zu. Onkelbach rechnet mit einer Größenordnung um die 10 000 Euro. Denn die jüdischen Gemeinde Düsseldorf, die von der Stadt konsultiert wurde, legt Wert darauf, dass auf jüdischen Friedhöfen nicht allzu viel verändert wird.

Der Friedhof entstand 1889 an der Donatusstraße — zu einem Zeitpunkt, an dem die jüdische Gemeinde im Dorf mit fast 70 Personen am zahlreichsten war. Vierzig Jahre später wohnten nur noch 21 Juden im Dorf, schreibt Martin Rüther in seinem Buch über den Nationalsozialismus in Korschenbroich, Der erste jüdische Einwohner im Raum Korschenbroich ist allerdings bereits für das Jahr 1689 bezeugt. Und auch einen jüdischen Friedhof gab es schon vor 1889, nur lag der ein Stück weiter auf der anderen Seite des Trietbaches.

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1883 waren Bestattungen dort wegen Hochwassers schwierig geworden, weiß das Stadtarchiv zu berichten. Weil es nach jüdischem Ritus nicht gestattet war, das Gelände zu erhöhen, beschloss der Gemeinderat, den Friedhof zu verlegen. 1889 wurden die Gräber an ihren jetzigen Platz umgebettet.

1940, als die Nationalsozialisten die Juden auch in Korschenbroich längst terrorisierten, ist auf dem Friedhof niemand mehr beerdigt worden. In der Pogromnacht des 9. November 1938, als im gesamten Deutschen Reich Synagogen zerstört und geplündert wurden, hatten Nazis die Tür der Korschenbroicher Synagoge an der Mühlenstraße mit Brechstangen und Kreuzhacken aufgebrochen, die Inneneinrichtung zertrümmert und die Gebetsrollen auf die Straße geworfen.

Erhalten ist heute noch der Friedhof. 45 Grabstätten sind dort zu finden. Auf 43 zum Teil stark verwitterten Grabsteinen erinnern Inschriften in deutscher und hebräischer Sprache an die Menschen, die dort begraben sind. An den früheren Friedhofsstandort auf der anderen Seite der Triet erinnert heute noch ein Gedenkstein.

(RP)
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