Stadt Korschenbroich geht bei Bestattungen neue Wege

Friedhöfe : Stadt geht bei Bestattungen neue Wege

Angehörige wünschen immer häufiger pflegearme Grabstätten. Viele Gräber werden von einem Gärtner betreut.

Wenn es darum geht, Abschied von einem geliebten und geachteten Menschen zu nehmen, waren unsere Vorfahren sehr kreativ. Ob unter Hinkelsteinen, in Pyramiden oder Mausoleen: Menschen wollten zu allen Zeiten an sich erinnern. Und wie ist das heute?

„Es hat sich vieles gewandelt“, sagt Lydia Molitor vom Städtischen Friedhofsamt. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Susanne Rombey ist sie zuständig für die Friedhöfe in der Stadt. „Wir beraten die Bürger über alle Angelegenheiten des Friedhofswesens“, sagt Susanne Rombey. Dazu gehört eine Fülle von Aufgaben: Die beiden Frauen führen eine Friedhofsdokumentation, vergeben Termine für Bestattungen, genehmigen Grabnutzungsrechte und kontrollieren Grabmäler. „Wir achten zum einen darauf, dass Grabmäler der aktuellen Friedhofssatzung entsprechen“, sagt Molitor. Zum anderen prüfe man auch die einzelnen Grabstätten auf Standfestigkeit. Zudem schaue man sich die Grabpflege an. Und genau an diesem Punkt ist der Wandel in der Friedhofskultur am besten erkennbar.

„Die Leute wollen immer weniger ein Grab pflegen“, sagt Lydia Molitor. Das liege häufig daran, dass Angehörige zu alt seien oder dass die Kinder in anderen Städten leben und sich nicht um die Grabpflege kümmern könnten. Daher bietet die Stadt pflegearme Grabstätten an. Seit eineinhalb Monaten gibt es auf dem Pescher Friedhof die Möglichkeit, sich in einem Hochbeet in einer Urne bestatten zu lassen. Das Angebot an pflegearmen Grabarten soll nun um eine Urnengemeinschaftsanlage auf dem Waldfriedhof ergänzt werden. Daher wird der Betriebsausschuss der Eigenbetriebe in seiner Sitzung am Dienstag, 18. September, dem Rat empfehlen, eine Friedhofsgebührensatzung umzusetzen.

Bereits in der Ausschusssitzung im Mai vergangenen Jahres stellte das Unternehmen Blumen Fragen Vorschläge für ein vom Gärtner betreutes Grabfeld vor. Der Ausschuss beauftragte daraufhin die Verwaltung, einen Kooperationsvertrag mit dem Unternehmen Blumen Fragen zur Grabpflege zu schließen. Inzwischen wurde auch das vom Gärtner zu betreuende Grabfeld angelegt. Die Eröffnung der ersten gärtnerbetreuten Urnengemeinschaftsanlage, dem Urnenpark Korschenbroich, auf dem Waldfriedhof wird am Samstag, 29. September, stattfinden. Ab dem 1. Oktober wird die neue Grabart dann offiziell angeboten. Zuvor muss sie in die Friedhofsgebührensatzung aufgenommen werden. Für alle anderen Grabarten ändert sich nichts.

So entstehen völlig neue Bestattungsarten wie etwa am Fuße von Bäumen auf dem Waldfriedhof. „Wir suchen die Bäume aus, die dafür geeignet sind“, sagt Susanne Rombey. Denn nicht alle Bäume seien ideal, um die Urnen im Wurzelbereich einzusetzen. Auf dem neuen Liedberger Friedhof besteht die Möglichkeit, sich in einer Urnenkammer beisetzen zu lassen, in Stelen oder Urnenwänden innerhalb der Trauerhalle. In Glehn stehen diese Urnenkammern im Freien.

Natürlich bleiben auch die herkömmlichen Bestattungsarten im Sarg möglich. Bei alldem sind die Korschenbroicher Friedhöfe nicht nur Erinnerungsorte, sondern auch Erholungsräume. Dies wird vor allem beim Waldfriedhof deutlich, der mit seinem alten Baumbestand und den besonderen Grabstellen eine sehenswerte Umgebung bietet. „Es sind hier keine Grabmäler aus Stein erlaubt, sondern nur aus Holz. Die einzige Ausnahme sind die Erinnerungsstele mit den Namen der Menschen, die im Wurzelwerk der Bäume beigesetzt sind und die Steinplatten auf den Urnengräbern“, sagt Susanne Rombey.

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