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Stadt Korschenbroich darf keine Facebook-Seite haben

Soziale Medien in NRW : Stadt Korschenbroich darf keine Facebook-Seite haben

Für die einen sind Facebook-Seiten der ideale Informationskanal, für die anderen eher ein lästiger Mehraufwand, der finanziert werden will. Nun wurde entschieden: Die Stadt Korschenbroich darf keinen Facebook-Auftritt haben. Warum eigentlich nicht?

Antrag abgelehnt, hieß es vergangene Woche in der Korschenbroicher Ratssitzung. Die FDP-Fraktionsvorsitzende Hanne Wolf-Kluthausen hatte beantragt, dass die Verwaltung eine Facebook-Seite mit dem Titel "Korschenbroich" oder "Stadt Korschenbroich" einrichtet und pflegt. Zu viel Aufwand für die Mitarbeiter bei der Stadt, findet Bürgermeister Marc Venten: "Das wäre mit dem vorhandenen Personal nicht umzusetzen", verkündete er bei der Ratssitzung.

Korschenbroichs Nachbargemeinde Jüchen hat knapp 11.000 Einwohner weniger und trotzdem eine eigene Facebook-Seite. Hier ist die Idee zu der Gründung aus den eigenen Reihen im Rathaus entstanden. Annika Schmitz, Wirtschaftsförderin bei der Gemeinde Jüchen, war der Meinung, dass es Zeit sei für einen Facebook-Account. "Ich habe dem Bürgermeister den Vorschlag gemacht, die Seite zu erstellen und sie zu pflegen, und er hat zugestimmt", sagt Schmitz im Gespräch mit unserer Redaktion. Seit Mai 2015 gibt es die Facebook-Seite "Gemeinde Jüchen". Nicht täglich, aber in regelmäßigen Abständen werden hier die User über Aktuelles aus der Stadt informiert. Doch nicht nur als Informationskanal nutzt die Gemeinde das soziale Netzwerk: "Hier kann man auch mit den Jüchenern in Dialog treten und den Kontakt zu den Bürgern pflegen", sagt Schmitz.

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Für die Korschenbroicher Antragstellerin Wolf-Kluthausen ist die negative Reaktion aus dem Rathaus Korschenbroich unverständnlich. "Facebook ist doch das meistgenutzte soziale Netzwerk. Korschenbroich ist die einzige Stadt im Rhein-Kreis Neuss, die noch keinen eigenen Facebook-Account hat. Da frag ich mich doch, wie die anderen Städte das alle schaffen", sagt die FDP-Fraktionsvorsitzende.

In Jüchen hat man zum Beispiel keine neue Planstelle für diese Aufgabe geschaffen, hier betreut Schmitz den Account neben ihrer täglichen Arbeit. Für die Wirtschaftsförderin stellt das kaum einen Mehraufwand dar: "Wenn man einmal die Seite eingestellt hat und Beiträge im Vorfeld plant, ist man vielleicht 20 Minuten pro Tag damit beschäftigt", sagt Schmitz. Auf Anfrage erklärte Korschenbroichs Stadtsprecherin Silke Schirmer, dass die Zeit, die man für Facebook aufwenden müsse, nicht an anderer Stelle eingespart werden könne. "Es wäre eine weitere Kraft nötig", heißt. Zudem entwickele man im Rathaus aktuell ein Konzept für einen Relaunch der Internetseite. So solle der Online-Service für die Bürger verbessert werden.

Martin Lehrer, Sprecher des Städte und Gemeindebundes in NRW, empfiehlt Facebook-Seiten für Kommunen und Städte als eine "sinnvolle Ergänzung" zu den bereits genutzten Informationskanälen. Dazu gehören auch die Webseiten der Städte. "Wir bieten Städten und Kommunen natürlich auch Hilfe im Umgang mit Facebook an. Am Telefon ist in 20 Minuten das Wichtigste erklärt", sagt Lehrer. Darüber hinaus biete man auch auf der Website Erklärungen und Hilfestellungen, wie man solche Facebook-Accounts sinnvoll nutzt.

Wolf-Kluthausen hat die Hoffnung auf einen Facebook-Account der Stadt Korschenbroich noch nicht aufgegeben. "Im nächsten Hauptausschuss werde ich einen Organisationsvorschlag machen", sagt Wolf-Kluthausen. Daraus solle hervorgehen, dass für die Betreuung eines Facebook-Accounts der 33.000 Einwohner-Stadt Korschenbroich keine neue Stelle geschaffen werden müsse.

(skr)