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Korschenbroich: St. Andreas tanzt beim Läuten mit

Korschenbroich : St. Andreas tanzt beim Läuten mit

Die Marienglocke bringt den Turm der Pfarrkirche spürbar in Schwingung. Jetzt wird sie beim Läuten nicht mehr berücksichtigt und muss schweigen. Pfarrer Marc Zimmermann hofft auf eine baldige Sanierung des Turms.

Es mag dem einen oder anderen Korschenbroicher aufgefallen sein: Die Glocken im Turm von St. Andreas sind leiser geworden. Denn im Geläut wurde eine der Glocken abgestellt. Es ist ausgerechnet die Marienglocke, die der Meister Gottfried van Stommel 1656 gegossen hat.

Dass dieses Kleinod im Glockenturm von St. Andreas schweigt, hat einen besonderen Grund. Denn wenn sie früher bewegt wurde, brachte sie den Turm heftig in Schwingung. "Ich konnte es sehr stark spüren, als ich einmal oben im Glockenturm an einem Fenster stand", erinnert sich Pfarrer Marc Zimmermann.

"Das hat natürlich auch damit zu tun, dass der Turm inzwischen 500 Jahre alt ist. Das Gefüge ist nicht mehr intakt." Es sei auch in der Vergangenheit notwendig gewesen, das immer wieder zu reparieren. Für die Standfestigkeit des Turms habe bislang keine Gefahr bestanden. "Wir haben aber jetzt beim Läuten festgestellt, dass sich der Turm viel zu stark bewegt."

Sachverständige wurden hinzugezogen, die Glocken überprüft und dabei die Marienglocke als besonders schwungvoll markiert. "Wenn sie geläutet wird, wirkte sich das stark auf den Turm aus, mehr als sonst." Wenn die anderen Glocken läuten, ist die Schwingung offenbar nicht so heftig wie bei der Marienglocke.

Der Glockenstuhl liegt in der Mitte des Turmes an der Wand auf, er ist komplett aus Holz. Nach oben hin werden die Wände dünner, ganz oben hat der Turm einen geringeren Umfang als an der Basis. "Wir haben den Glockenstuhl von einem Zimmermann verändern und verstärken lassen, aber die Schwingungen hörten nicht auf", sagt Pfarrer Zimmermann. Erst als der Glockensachverständige des Bistums Aachen darauf hinwies, dass man am besten die Marienglocke schweigen lassen sollte, ließ das Schwingen des Turmes nach.

"Das Mauerwerk ist natürlich in die Jahre gekommen", berichtet Zimmermann. Außerdem wurde der Turm bei einem Fliegerangriff im August 1943 erheblich beschädigt, als auf der heutigen Sebastianusstraße, die damals Hochstraße hieß, einen Bombe detonierte. Nicht nur die Kirche wurde bei diesem Angriff massiv beschädigt, sondern auch der Turm. "Das war ja eine enorme Erschütterung", berichtet Zimmermann.

Nach dem Ende des Krieges wurde die alte Kirche wiederhergestellt, und auch der Turm erhob sich wieder stolz über der Stadt. "Aber jetzt müssen wir etwas für ihn tun, damit wir ihn bewahren können." Denn die Marienglocke soll nicht für immer schweigen. "Ohne die Marienglocke besteht keine Gefahr für den Turm, aber er muss demnächst saniert werden."

Dazu begutachteten der Aachener Dombaumeister und ein Statiker den Turm. Die Sanierung des Gebäudes wurde auf die Bedarfsliste der Baumaßnahmen im Bistum Aachen gesetzt. "Da stehen wir nicht ganz unten", versichert Pfarrer Zimmermann.

Die Marienglocke hat die beiden Weltkriege des vergangenen Jahrhunderts unbeschadet überstanden. Im Jahr 1940 wurde die Bronzeglocke vom zuständigen Provinzialkonservator in die Klasse D eingruppiert. Sie genoss damit einen verschärften Denkmalschutz und durfte ohne eine Genehmigung des Reichskonservators nicht zerstört und eingeschmolzen werden.

Denn wie der Provinzialkonservator in seinem Gutachten schrieb, sei die Glocke "ein schönes Stück aus der Werkstätte des vielbeschäftigten Gießers Gottfried von Stommel." Es gebe noch wenigstens zwei Arbeiten dieses Gießers. Und die Korschenbroicher Glocke sollte als Beispiel für die Kunst des Gießers erhalten bleiben, "weil sie ein besonders schönes Stück ist."

(NGZ)