Korschenbroich: Sportbund wagt Neues in Jugendarbeit

Korschenbroich: Sportbund wagt Neues in Jugendarbeit

Um die Korschenbroicher Vereine fit für die Zukunft zu machen, will der SSV mehr für seine Jugend tun. Dazu gehört auch, alte Vorstandsstrukturen aufzubrechen. Jugendliche sollen frühzeitig an Vereinsaufgaben herangeführt werden.

Das Freizeitverhalten von Jugendlichen hat sich gravierend verändert: Junge Leute sind aktiv - aber nicht unbedingt im örtlichen Sportverein und nicht für die Gemeinschaft. Die Vereine haben es mit klassischen Angeboten immer schwerer, sich gegen Smartphone und Social Media durchzusetzen. Genau hier will der Stadtsportverband Korschenbroich ansetzen. SSV-Vorsitzender Dirk Kartarius (49) hat dabei die Zukunft der 31 Mitgliedsvereine im Blick. Seine These: "Wer seinen Verein fit für die Zukunft machen will, der muss die Jugendlichen frühzeitig in die Vorstandsarbeit einbinden, ihnen Verantwortung übertragen und sie auch während ihrer Ausbildungs- und Studienzeit stets einbinden."

Mit diesem Ansatz befasste sich jetzt ein "Runder Tisch", den der SSV einberufen hatte. Von den 31 Mitgliedsvereinen, die im Korschenbroicher Stadtgebiet mehr als 12.000 organisierte Sportler vertreten, waren 16 Sportfunktionäre und Interessierte aus neun Vereinen in die Dreifachturnhalle nach Kleinenbroich gekommen.

Mit Jolene Attiah (17) vom Glehner Turnverein, Timo Lötzgen (22) und Venka Koglin (27), beide Jugendvertreter im Kreissportbund (KSB), waren auch drei Diskussionspartner da, die - wie Kartarius betonte - in die Zielgruppe passten. Während die KSB-Vertreter durch Familienangehörige an die Vereinsarbeit herangeführt wurden, spielte bei Jolene Attiah eher der Zufall eine Rolle. "Ich wurde gefragt und habe beim Familienfest des Rhein-Kreises auf Schloss Dyck spontan mitgemacht." Das Ergebnis: "Ich bin dabeigeblieben." Heute ist sie im Glehner Turnverein aktiv, packt mit an und scheut sich auch nicht, Verantwortung zu übernehmen.

  • Alte Strukturen müssen weg

Für engagierte Jugendliche gilt: Sie haben ein Bedürfnis nach Selbstverwirklichung, den Wunsch nach Entwicklung und Lust auf konkrete Ziele. Dirk Kartarius übersetzte das für den SSV so: "Bürokratische Hierarchie-Ebenen haben ausgedient. Jugendliche wollen reelle Mitsprache- und Mitgestaltungsoptionen haben." Zudem waren sich die Anwesenden einig: Jugendliche sollten langsam und nicht im Hauruck-Tempo an Vereinsaufgaben herangeführt und als gleichberechtigte Gesprächspartner ernst genommen werden.

Zum Einstieg ins Ehrenamt regte Timo Lötzgen in der SSV-Runde einen "begrenzten Projektzeitraum" an. Für neue Beratungsgremien, in denen Jugendliche ihre Sicht einbringen und sich auch an Entscheidungen beteiligen können, warb Venka Koglin. Für den Verbandschef heißt das: "Wir müssen Strategien, Arbeitsformen und Ämter entwickeln, die es Mitgliedern und Freiwilligen erlaubt, konkrete Funktionen zu übernehmen und auszuprobieren." Weiter stellte er zukunftsorientiert fest: "Nicht alle Aufgaben in einem Verein müssen vom Vorstand erfüllt werden. Wer seine Vereinsstrukturen und sein Angebot für engagierte Jugendliche öffnet, der profitiert auch als Gesamtverein."

(NGZ)
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