Korschenbroich: So viele Infektionen wie lange nicht

Korschenbroich: So viele Infektionen wie lange nicht

Seit 1990 sind dem Gesundheitsamt des Rhein-Kreises Neuss noch nie so viele Infektionskrankheiten wie im vergangenen Jahr gemeldet worden. Das geht aus dem Jahresbericht des Kreisgesundheitsamtes hervor. Hauptverantwortlich für die gestiegene Zahl der übertragbaren Infektionskrankheiten sei das Schweinegrippevirus, das den Kreis im vergangenen Jahr monatelang in Atem hielt.

1285 Schweinegrippe-Fälle

Im Rhein-Kreis-Neuss wurden 1285 Schweinegrippe-Fälle gemeldet, davon 154 aus Jüchen und 179 aus Korschenbroich. Besonders betroffen von der Schweinegrippe waren insbesondere die Zehn-bis 19-Jährigen (576 Fälle). Insgesamt sei die Impf-Kampagne im Kreis positiv verlaufen, betonte Landrat Hans-Jürgen Petrauschke. Nach einer aktuellen Umfrage des Kreisgesundheitsamtes würden 90 Prozent der eingebundenen 167 Impf-Ärzte sich erneut an einer entsprechenden Impfaktion beteiligen. "Alle haben an einem Strang gezogen", sagte Kreisgesundheitsdezernent Karsten Mankowsky.

Insgesamt wurden beim Kreisgesundheitsamt 4258 meldepflichtige Infektionskrankheiten registriert. Zum Vergleich: 2008 waren es 3122 Fälle, im Jahr 2007 waren es 3411 Fälle. 2006 wurden 2260 Fälle registriert. "Die tatsächliche Zahl der Infektionskrankheiten ist wahrscheinlich höher", sagt Dr. Michael Dörr, Leiter des Kreisgesundheitsamtes. "Viele Menschen gehen mit ihren Symptomen nicht zum Arzt."

Den größten Teil der übertragbaren Krankheiten bildeten im vergangenen Jahr erneut die Durchfallerkrankungen. Dem Kreisgesundheitsamt wurden insgesamt 1796 Norovirus-Fälle gemeldet. "In Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergärten, Schulen, Krankenhäusern und Pflegeheimen haben die Erreger besonders leichtes Spiel", erläuterte Dörr. Gegen das widerstandsfähige Noro-Virus gebe es weder eine Impfung noch eine wirksame Arznei, deswegen verbreite es sich vor allem in den Wintermonaten schnell. "Durch gängige Hygienemaßnahmen wie regelmäßiges Händewaschen kann man die Vermehrung hemmen", erläuterte Dörr.

Weniger Kinderkrankheiten

Einen leichten Rückgang verzeichnete das Kreisgesundheitsamt im vergangenen Jahr bei klassischen Kinderkrankheiten wie Windpocken, Scharlach oder Kopflausbefällen. Auch Masern-Erkrankungen sind rückläufig. Dörr: "Das ist der guten Impf-Moral zu verdanken."

(RP)