Serie Mein Korschenbroich: Das ist Steinforth-Rubbelrath

Serie Mein Korschenbroich : Sinnstiftende Heimat im Doppeldorf

Steinforth-Rubbelrath hat mit der Sebastianus-Bruderschaft eine Basis für eine funktionierende Dorfgemeinschaft.

Abseits der großen Geschichte hat Steinforth-Rubbelrath nie gelegen. Die Römer bauten dort eine mit Steinen gesicherte Furth durch den Kommerbach. Daraus entwickelte sich der Name Steinforth. Mit einer Rhodung im Mittelalter, wohl durch die Ritter von Liedberg, tritt 1435 erstmals der Name Robbelray ins Licht, aus dem später Rubbelrath entstand. Beide Dörfer gehören seit 1975 zur Stadt Korschenbroich. Sie liegen an der Grenze der Stadt im Schatten von Schloss Dyck. Von Römern und Rittern können Andreas Humpesch und Theo Esser viel erzählen, mehr aber noch von der Geschichte, die sie selbst als Einwohner der Dörfer erlebt haben.

„Theo und ich erleben unser Dorf positiv, weil unsere Jugend sehr gut mit eingespannt ist,“ sagt Andreas Humpesch. Die Sebastianus-Bruderschaft halte Jung und Alt zusammen. Dass es überhaupt noch eine Kirche und die Alte Schule gibt, ist Esser und Humpesch zu verdanken. Denn beide Gebäude sollten verkauft werden. Dabei hatte Steinforth-Rubbelrath bis 1923 keinen eigenen Kirchenraum. „Wir gehörten vor 1975 politisch zur Gemeinde Liedberg und vom Glauben her zur Pfarre Glehn“, sagt Andreas Humpesch. Nachdem in Glehn 1876 die neue Kirche eingeweiht wurde, war es für ältere Menschen schwierig, zu Fuß zu den Gottesdiensten nach Glehn zu kommen. So wurde in Steinforth-Rubbelrath eine eigene Kapelle gebaut. Nach Feuchtigkeits- und Kriegsschäden wurde die Kirche in den 1960er Jahren abgerissen. Für einen Neubau gab es kein Geld vom Erzbistum Köln, aber das Bistum hatte zehn Fertigbau-Kirchen im Fundus. Eine davon wurde in Steinforth-Rubbelrath aufgebaut und 1967 eingeweiht. Sie ist dem Heiligen Josef gewidmet.Gegenüber erinnert ein Ehrenmal an die Toten des Zweiten Weltkriegs.

Eine eigene Schule gab es seit 1849. Sie bestand bis 1975. Dann mietete die Sebastianus-Bruderschaft das Gebäude an und schuf ein Begegnungszentrum mit vielen Veranstaltungen, die beide Dörfer zusammenhalten: Senioren-Kaffee, Dämmerschoppen, Übungsabende des Kirchen- und Männerchores, Neujahrshexen, Königsresidenz, Versammlungen, Ort für Kindstaufen, Kommunion und Geburtstagsfeste.

Früher war der Ort landwirtschaftlich geprägt und für seine Produktionsverfahren bekannt. Sogar in der damaligen UdSSR. Von dort kam 1988 Ministerpräsident Witali Iwanowitsch Worotnikow zu Besuch auf den Kommerhof, wo er von dem Rubbelrather Landwirt Helmut Jäger und Bürgermeister Heinrich Mühlen begrüßt wurde. „Das waren noch große Zeiten. Heute gibt es nur noch drei Bauern in Steinforth und zwei in Rubbelrath, vor 50 Jahren waren es noch 16 Landwirte,“ sagt Theo Esser. Heute sind die Dörfer ein begehrter Wohnort, auch wenn die Versorgung nicht ohne Auto geht. Denn ein Geschäft gibt es in den Dörfern nicht. „Wir haben viele Einheimische, deren Kinder hier gebaut haben.“ So seien die beiden Dörfer gut durchmischt von Jung und Alt.