Serie Mein Korschenbroich: Das ist der Stadtteil Pesch

Serie Mein Korschenbroich : Mit Eigeninitiative und Selbstbewusstsein

Eine funktionierende Dorfgemeinschaft in Pesch. Der Trietbach als Grenze zu Korschenbroich.

Die ersten Pescher haben mit Faustkeilen das Land bearbeitet, auch die Römer erholten sich dort auf Höfen und die Herren von Horst betrachteten das Dorf als Familienbesitz. Auch die Menschen, die heute dort leben, fühlen sich wohl im Straßendorf. „Pesch durchziehen die beiden Landstraßen Liedberger und Pescher Straße sowie die Kleinenbroicher Straße als Kreisstraße“, sagt Hans-Willi Türks. An diesen Straßen habe es schon immer eine Bebauung gegeben. Und seit langem gibt es entlang der Straßen eine funktionierende Dorfgemeinschaft, die sich im Vereinsleben zeigt: 1921 wurde die St. Donatus-Bruderschaft begründet, fünf Jahre später die Freiwillige Feuerwehr und 1997 die Pescher Dorfgemeinschaft. Als nämlich 1996 Pesch beim Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ Kreissieger wurde und einen Geldbetrag bekam, wurde die Dorfgemeinschaft gegründet. Sie nahm das Preisgeld in Empfang und setzte es für Gemeinschaftsprojekte um. „Wir sind für alle da, die nicht in Vereinen organisiert sind“, sagt Thomas Türks, Vorsitzender der Dorfgemeinschaft. So werde ein Familienfest im Sommer organisiert, ein Dorfkalender herausgegeben oder vor Weihnachten der Tannenbaum geschmückt.

Als Pesch 2013 sein 750-jähriges Bestehen feierte, war die Dorfgemeinschaft der Organisator. Zugleich zeigt die Gemeinschaft Selbstbewusstsein in einer Stadt, in der die Ortsteile ihre besonderen Noten bewahren. In Pesch heißt das Stichwort Eigeninitiative. Die gab es schon 1903, als die Marienkapelle als „Kapelle der Mutter vom guten Rat“ errichtet wurde. Eigeninitiative galt auch beim Bau der Kirche St. Marien, die 1956 eingeweiht wurde. „Ein Gastwirt aus Pesch hat das Grundstück bereitgestellt, und die Pescher haben dort ihre Kirche gebaut, die 2003 eine neue Orgel bekommen hat,“ sagt Hans-Willi Türks. Mit angepackt haben die Pescher 1994 bei der Umgestaltung des Eichengrunds. „Früher war am Friedhof der Kirmesplatz und jetzt haben wir mitten im Ort die Grünfläche, auf der wir feiern können“, sagt Matthias Bommes, Ehrenpräsident der St. Donatus Bruderschaft. Mit 200 aktiven Schützen und der gleichen Anzahl passiver Mitglieder feiert die Bruderschaft am ersten Sonntag im Oktober ihr Heimatfest. Das Verhältnis zu Korschenbroich ist eng, fast übergangslos ist die Bebauung zwischen Pesch und Alt-Korschenbroich. Doch eine Grenze gibt es: „An der Triet“, sagen Bommes und Thomas Türks. Der kleine Bach trennt die beiden Stadtteile.

Stolz sind die Pescher auf ihre Freiwillige Feuerwehr, deren Mitglieder schnell erreichbar sind und auch in Nachbarorten aushelfen. Lange gekämpft hat das Dorf um seine Grundschule, die wieder guten Zuspruch findet, was ebenso für den Kindergarten gilt. Mit Eigeninitiative wurde eine Pescher Besonderheit eingerichtet: Sieben Fußfälle sind rund um das Dorf verteilt, die von eigenen Paten gehegt und gepflegt werden, von der Bruderschaft, der Feuerwehr und Nachbarschaften. Einer der zwölf Vereinen im Dorf wird in diesem Jahr 100 Jahre alt: die Gesellschaft Heckenröschen, die für gefüllte Martinstüten sorgt.

Mehr von RP ONLINE