Korschenbroich: Seniorenhaus will Qualität verbessern

Korschenbroich : Seniorenhaus will Qualität verbessern

Schlechtes Essen, Baulärm: Bei einem Info-Abend kamen einige Mängel zur Sprache. Leiterin Iris Baldus zeigt Verständnis für den Ärger.

Im Seniorenzentrum der "Rhein-Kreis Neuss Kliniken" an der Freiheitsstraße ist einiges im Umbruch - im wahrsten Sinne des Wortes: Teile des Heims werden umgebaut, es gibt eine neue geschäftsführende Leiterin, eine neue Betreibergesellschaft und jede Menge Probleme, an denen sich Bewohner und deren Angehörige stören. Jetzt lud die geschäftsführende Leiterin Iris Baldus zur Aussprache. Rund 100 Bewohner, Betreuer und Angehörige kamen zu der Versammlung, aus der sich eine lange Hausaufgaben-Liste für das Seniorenzentrum ergeben haben soll.

Foto: Rhein-Kreis Neuss Kliniken

Die neue Betreibergesellschaft, deren Führungsriege bei der Versammlung unter anderem durch Mit-Geschäftsführer Hubert Quadflieg vertreten war, hat das Seniorenheim zum 1. Januar offiziell übernommen und steht jetzt vor einer Reihe von Herausforderungen. Ein Brennpunkt: die Umbauarbeiten im Haus, die noch bis Mai andauern sollen. Danach folgen der Abriss eines alten Gebäudeteils und der Neubau einer Cafeteria - Arbeiten, die sich bis November 2019 ziehen sollen.

Viele Bewohner stören sich an Lärm und Staub, einige mussten im Zuge der Umbauarbeiten innerhalb des Hauses umziehen. "Die Kritikpunkte in Zusammenhang mit der Baumaßnahme nehme ich sehr ernst. Ich kann auch den Ärger darüber verstehen, wenn Dinge nicht rundlaufen. Und ich arbeite fieberhaft daran, Verbesserungen zu erreichen", betont die geschäftsführende Leiterin Iris Baldus, die sich beim Info-Abend vorstellte.

Eine Zusage: Die Mittagspause, die die Bauarbeiter machen, soll besser auf den Lebensrhythmus der Bewohner abgestimmt werden. Lothar Eimanns, dessen 96-jährige Mutter seit vergangenem Jahr in dem Seniorenheim wohnt, fordert, dass die Mittagspause der Bauarbeiter auch noch über das Mittagessen hinaus für mindestens eine halbe Stunde anhält, damit sich die Senioren im Haus zur Mittagsruhe begeben können.

Ein weiterer Punkt, der bei der Versammlung zur Sprache gekommen sein soll: die Qualität des Essens, das in dem Seniorenzentrum ausgegeben wird. Lothar Eimanns: "Das Essen ist oft zu kalt und von der Qualität her nicht gut." Andere Teilnehmer haben laut Susanne Niemöhlmann, der Sprecherin der "Rhein-Kreis Neuss Kliniken", bemängelt, dass die Speisen für Senioren häufig schlecht zu kauen seien. Ein Vertreter des Teams der Zentralküche in Dormagen, die das Essen für die Einrichtung in Korschenbroich liefert, soll bereits zugesagt haben, künftig stärker Rücksicht darauf zu nehmen.

Ein großes Thema bei der Versammlung war zudem die Erhöhung des Pflegeentgelts, die den Bewohnern vor einigen Wochen angekündigt worden ist. "Die letzten Pflegesatzverhandlungen haben 2014 stattgefunden. Die Beträge müssen jetzt angepasst werden", erklärt Susanne Niemöhlmann, die allerdings unterstreicht, dass dabei berücksichtigt werde, ob Bewohner in Einzel- oder Doppelzimmern und im Alt- oder Neubau leben. Viele Bewohner und Angehörige sehen die Kostenerhöhung durch die Bauarbeiten und die damit verbundenen Einschränkungen kritisch.

Immer wieder sollen bei der laut dem Angehörigen Lothar Eimanns "emotional hochgekochten" Versammlung auch Pflege-Probleme und die Personalknappheit angesprochen worden sein. Er selbst habe bereits erlebt, dass seine Mutter fast zwei Wochen lang nicht gewaschen worden sei. Zu dem konkreten Fall sagt Heimleiterin Iris Baldus: "Der Bewohnerin wird nachweislich täglich bei der Grundpflege geholfen."

Aus Eimanns' Sicht ist die aktuelle Situation "emotional unbefriedigend". Er hofft, dass sich in den nächsten Monaten auch durch die neue Betreibergesellschaft vieles zum Positiven wandelt. Mit dieser Hoffnung stehe er nicht alleine da. In drei Monaten soll erneut eine Versammlung in dem Seniorenzentrum stattfinden, bei der über die Fortschritte informiert werden soll. Interessant: Obwohl die Verwaltung auf Lärm durch die Bauarbeiten hinweise, melden sich laut Susanne Niemöhlmann immer neue Interessenten, die auf die Warteliste für den Einzug in das Seniorenheim gesetzt werden wollen.

(cka)
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