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Korschenbroich: Seltener Wintergast aus dem hohen Norden

Korschenbroich : Seltener Wintergast aus dem hohen Norden

Nach 40 Jahren wurde erstmals wieder der Seidenschwanz im Korschenbroicher Stadtgebiet gesichtet.

Festes Schuhwerk, eine dicke Winterjacke, ein Fernglas und ein Fotoapparat: Das gehört zur Standardausrüstung von Hans Großmann (68) und Claus von Kannen (67). Wenn die beiden Vogelkundler ins Gelände ziehen, nehmen sie sich viel Zeit für ihre Beobachtungen. In der Regel haben sie auch Werkzeug zur Hand. "Es gibt immer etwas zu reparieren oder zu richten", weiß Hans Großmann. Erst gestern machten sich die passionierten Vogelfreunde in Kleinenbroich verdient. Der Dachgiebel eines Altbaus bietet jetzt einem Eulenpärchen mit einer Nistkiste ein Zuhause. Insgesamt gibt es im Stadtgebiet mehr als 1400 Nisthilfen. Die Kästen werden von der Vogelschutzgruppe, der auch Winfried Seppelt und Bernhard Klein angehören, je nach Jahreszeit gereinigt. Kästen, die die Wintermonate nicht überstanden haben, werden durch neue ersetzt.

Korschenbroichs Vogelkundler Hans Großmann (l.) und Claus von Kannen entdeckten bei Neersbroich den seltenen Seidenschwanz. Foto: wiedner/Seppelt

Alles wird von der Vogelschutzgruppe Korschenbroich dokumentiert und als aktuelle Vogelmeldung an den Förderverein Krickenbecker Seen beziehungsweise über Dr. Theo Verjans an die Vogelwarte nach Recklinghausen weitergeleitet. Zurzeit gibt es im Stadtgebiet 163 verschiedene Arten. Für Claus von Kannen, der auch im Frühjahr immer wieder Vogelstimmenwanderungen für interessierte Bürger anbietet, ist die Artenvielfalt eine besondere Freude, aber auch ein Beweis dafür, dass die Vogelschützer in Korschenbroich gute Arbeit leisten.

So wie die Witterung derzeit verrückt spielt, duften sich die Vogelkundler auch über manch seltenes Exemplar freuen. "Nach 40 Jahren habe ich erstmals wieder einen Seidenschwanz in Korschenbroich gesichtet", zeigte sich Claus von Kannen überwältigt. Der Wintergast aus dem hohen Norden wurde zuerst von Winfried Seppelt an der Fußgängerbrücke nahe der L 35n entdeckt. Der Seidenschwanz, ein knapp starengroßer, gedrungen wirkender Singvogel sticht dem Betrachter durch seine aufrichtbare Federhaube und durch seine weiß-gelb-schwarzen Flügel ins Auge. Er ist in Skandinavien und in Sibirien beheimatet. Auf dem Weg dorthin machten jetzt zwölf von ihnen für 21 Tage in Korschenbroich Station. Die Beeren von Eberesche, Mistel und Schneeball hatten es ihnen angetan. "Mittlerweile sind die Vögel weitergezogen", so Hans Großmann. "Wir haben vorher bewusst nichts gesagt, um die Wintergäste nicht vorzeitig zu vertreiben."

(RP/rl)